Börsenschluss Bank of America enttäuscht

Der Dax ist heute in die roten Zahlen gerutscht. Zuvor waren schwache Geschäfte der Bank of America bekannt geworden - und diese Nachricht drückte auch die deutschen Finanztitel ins Minus. Gegen den Trend stemmten sich vor allem die Merck-Aktien.

Frankfurt am Main - Nach dem deutlichen Kursanstieg zum Ende der Vorwoche hat der deutsche Leitindex Dax  am Montag eine Verschnaufpause eingelegt. Der Deutsche Aktienindex verlor 0,83 Prozent auf 6786,55 Punkte; im späten Handel verbesserte sich das bedeutendste deutsche Börsenbarometer noch auf 6797,49 Zähler. Der MDax  der mittelgroßen Aktiengesellschaften verlor 0,41 Prozent auf 9144,20 Indexpunkte und der Technologieindex TecDax  fiel um 1,02 Prozent auf 822,91 Stellen. Kaum anders das Bild in Europa: Der EuroStoxx 50  schloss 1,02 Prozent tiefer bei 3769,89 Punkten.

Den Kursrückgang ausgelöst haben teils schwache Wirtschaftsdaten aus Amerika. Die zweitgrößte US-Bank beispielsweise, die Bank of America , hat im ersten Quartal dieses Jahres 77 Prozent weniger als in der entsprechenden Vorjahresperiode verdient. Die Kreditkrise war dafür offenbar verantwortlich.

Entsprechend verhalten zeigt sich auch die Weltleitbörse in New York. Der Dow-Jones-Industrial-Index  gab bisher um rund 0,4 Prozent auf 12.800 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 0,35 Prozent auf 1385 Punkte. Und der Composite-Index  der Technologiebörse Nasdaq  verlor 0,1 Prozent auf etwa 2400 Punkte.

"Die Stimmung ist immer noch sehr angespannt. Die Hoffnung auf eine kleine Entspannung im Bankensektor, die nach den Citigroup-Zahlen aufkeimte, hat sich wieder etwas zerschlagen", sagte Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba. Die Investoren hielten sich in Erwartung weiterer US-Bilanzen im Lauf der Woche zurück, sagten Händler. Das zeigte sich auch an den erneut extrem niedrigen Umsätzen.

Unter Druck gerieten an der Börse in Frankfurt am Main deshalb heute auch die Notierungen deutscher Bank-Aktien: Der Kurs der Postbank-Anteilsscheine  sank um 0,83 Prozent auf 56,49 Euro, der Preis für Deutschen Bank-Titel  reduzierte sich um 1,15 Prozent auf 76,50 Euro und der für Commerzbank-Anteilsscheine  um 1,95 Prozent auf 22,73 Euro.

Die schwergewichtete Aktie der Allianz  drückte den Markt allerdings noch stärker nach unten. Der Akteinkurs des Versicherers fiel um 2,63 Prozent auf 129,21 Euro und war damit allein für rund ein Viertel der Dax-Verluste verantwortlich. der Dax-Verluste verantwortlich. Marktteilnehmer verwiesen auf einen Medienbericht, dem zufolge der Druckmaschinenhersteller MAN Roland  in diesem Jahr nicht mehr an die Börse gehen will. Damit würden den MAN-Roland-Eigentümern Allianz und MAN  die erwarteten Emissionserlöse entgehen, sagte ein Händler.

MAN-Aktien sanken um 0,91 Prozent 91,16 Euro. Angesichts der starken Schwankungen an den Aktienmärkten hat sich in diesem Jahr noch kein großes Unternehmen an die Börse getraut. MAN Roland galt als aussichtsreicher Börsenkandidat.

Eine Berg und Talfahrt legten die Titel des Chipherstellers Infineon  hin. Nach anfänglichen kräftigen Kursgewinnen lsackten die Aktien um 4,2 Prozent im Minus auf 5,09 Euro. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen. Zudem wurden am Abend Zahlen der Speicherchiptochter Qimonda  erwartet, die nach Befürchtung von Börsianern womöglich nicht gut ausfallen könnten.

Größter Dax-Gewinner waren mit plus 1,79 Prozent auf 85,18 Prozent die Titel des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck . Analysten zufolge hat das Krebsmittel Erbitux, das Merck außerhalb der USA und Kanada entwickelt und vermarktet, in einer Studie gute Ergebnisse erzielt. Auch Bayer-Papiere  gewannen rund 1 Prozent.

Finanzaktien in New York unter Druck

Finanzaktien in New York unter Druck

Im TecDax  standen die Telekommunikationswerte im Mittelpunkt. QSC  profitierten unter anderem von anhaltender Fusionsfantasie und legten 15,06 Prozent auf 2,39 Euro zu. Freenet-Titel  dagegen gerieten stark unter Druck. Der Aufsichtsrat des Telekommunikationsunternehmens drängt den Freenet-Vorstand zu einer schnellen Übernahme des Mobilfunkdienstleisters Debitel. Das könnte aber United Internet  abschrecken, fürchten Börsianer. United Internet (UI) will Freenet kaufen - allerdings nur ohne Debitel. Freenet-Aktien verloren 6,87 Prozent auf 11,26 Euro, United Internet schlossen 2,38 Prozent tiefer bei 13,99 Euro.

Der Euro-Kurs  legte dagegen heute zu. Die Europäische Zentralbank setzte ihren Referenzkurs für die Gemeinschaftswährung auf 1,5898 Dollar fest, nach 1,5780 Dollar am vergangenen Freitag. Ein Dollar kostete somit zuletzt 0,6290 Euro. Der Ölpreis ist zum Wochenbeginn erneut auf einen Rekordstand gestiegen. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI kletterte auf 117,40 Dollar. Händler führten den jüngsten Preisanstieg auf Befürchtungen zurück, dass es in wichtigen Förderländern zu Lieferengpässen kommt.

Amerikas Börse im Minus

Auf den Verkaufslisten der Börsianer in New York standen ebenso wie zuvor schon in Frankfurt die Aktien der Bank of America mit einem Minus von 1,7 Prozent. Bei den Bankenwerten brachen zudem die Papiere von National City um mehr als 25 Prozent ein. Händler verwiesen zur Begründung des Kursverfalls ebenfalls auf die Quartalsbilanz. Die Bank hatte einen Verlust ausgewiesen und will ihre Dividende verringern. "Wir machen gerade einen Heilungsprozess durch und brauchen Geduld", sagte Steve Goldman von Weeden & Co in Greenwich, Connecticut.

Auf der Verliererseite fanden sich auch die Anteilsscheine des US-Pharmaunternehmens Eli Lilly mit einem Abschlag von mehr als 4 Prozent. Der Konzern hat zwar seinen Gewinn im ersten Quartal verdoppelt, der Umsatz lag aber etwas unter den Erwartungen der Analysten.

Hohe Kursverluste mussten darüber hinaus die Aktionäre des weltgrößten Spielzeugherstellers Mattel hinnehmen. Das Unternehmen hat im ersten Quartal wegen stark rückläufiger Verkaufszahlen von Fisher-Price-Produkten einen Verlust in Höhe von 46,6 Millionen Dollar verbucht. Der Kurs der Mattel-Papiere sank daraufhin um mehr als 8 Prozent.

Begrenzt wurden die Verluste auch durch anhaltende Gewinne bei den Papieren von Rohstoff-Konzernen. Vor allem Energieunternehmen profitierten von einem neuen Rekord beim Ölpreis: So gewannen etwa die Papiere von Schlumberger 1,9 Prozent hinzu.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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