Märkte Dax schließt mit leichtem Plus

Überraschend gute US-Konjunkturdaten haben die deutschen Aktienindizes am Dienstag ins Plus gezogen. Zuvor hatte noch der ZEW-Index belastet. In den USA dagegen gingen die Kursgewinne schnell wieder verloren.

Frankfurt am Main - Mit Rückenwind aus den USA hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag leichte Kursgewinne verzeichnet. Zu Handelsschluss notierte der Dax  0,5 Prozent höher bei 6585 Punkten. Der MDax  stieg um 0,86 Prozent auf 8872 Zähler. Der TecDax  legte um 1,43 Prozent auf 798 Punkte zu.

Die Daten zur Industrieproduktion in der Region New York hatten positiv überrascht und auch den US-Börsen zu einem guten Start in den Tag verholfen. Der Empire State Manufacturing Index stieg von minus 22,23 Punkten im Vormonat auf plus 0,63 Punkte. Der deutlich stärkere Anstieg der Erzeugerpreise in den USA im März sei dagegen in den Hintergrund gerückt, sagte ein Börsianer

Das Plus am deutschen Aktienmarkt dürfe aber nicht überbewertet werden, warnten Börsianer: Der Handel sei sehr lustlos verlaufen. Das Handelsvolumen mit Dax-Werten fiel mit 103 (Montag: 108) Millionen Aktien auf den tiefsten Stand in diesem Jahr, der Umsatz betrug - wie am Vortag - 4,6 Milliarden Euro. "Solange die Berichtssaison in den USA nicht richtig in Schwung gekommen ist, werden wir uns weiter schwer tun", sagte ein Händler.

In den USA schmolzen die Kursgewinne im Laufe des Tages vollkommen dahin: Zu Handelsschluss in Europa lag der Dow-Jones-Index  0,2 Prozent niedriger, ebenso wie der S&P 500. Der Nasdaq Composite  verlor 0,3 Prozent.

Nach der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim fiel der Index der Konjunkturerwartungen von minus 32,0 Punkten im März auf minus 40,7. Ökonomen hatten durchschnittlich einen Anstieg des Index auf minus 29,5 Punkte vorhergesagt.

GS: US-Quartalssaison wird "furchtbar"

Die Investmentbank Goldman Sachs  rechnet in den USA mit einer miserablen Berichtssaison für das erste Quartal. Die Erwartungen vieler Analysten seien immer noch viel zu optimistisch, so dass die anstehenden Geschäftszahlen von US-Konzernen in den kommenden Wochen für fallende Aktienkurse sorgen dürften, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Goldman-Mitteilung an Kunden.

Obwohl bisher nur wenige Firmen ihre Geschäftsergebnisse vorgelegt hätten, seien die ersten Anzeichen "furchtbar", schrieb der für die USA zuständige Investment-Berater David Kostin. In der vergangenen Woche hatte das US-Börsenschwergewicht General Electric  die Märkte mit einem unerwarteten Gewinnrückgang von sechs Prozent im ersten Quartal geschockt. Zudem reduzierte der Mischkonzern seine Erwartungen für das Gesamtjahr unerwartet drastisch.

Auch der Aluminiumkonzern Alcoa  und der Paketdienst UPS  enttäuschten die Anleger mit ihren Quartalsergebnissen. Am Montag zog zudem die viertgrößte US-Bank Wachovia  mit einem unerwarteten Quartalsverlust die Wall Street ins Minus.

Im Laufe der Woche melden außerdem Citigroup , Merrill Lynch , Intel , IBM , Google  und Johnson & Johnson  ihre Quartalszahlen.

Tesco trotzt der Krise

Zu den größten Gewinnern in Europa zählten die Aktien der europäischen Einzelhändler. Der entsprechende Branchenindex notierte 1,6 Prozent höher, angeführt von Tesco  mit einem Plus von 7,3 Prozent. Der größte Einzelhändler Großbritanniens verbuchte im vergangenen Jahr mit 2,75 Milliarden Pfund (rund 3,42 Milliarden Euro) einen Rekordgewinn und will in diesem Jahr sogar noch mehr verdienen - ungeachtet fallender Hauspreise und besorgter Verbraucher am britischen Markt. "Die waren sehr gut", lobte ein Händler die Zahlen. Auch die Metro-Aktie  verdankte Börsianern zufolge ihr Plus von 2,4 Prozent auf 49,22 Euro der Sogwirkung der Tesco-Zahlen.

Ölfund schiebt Energieaktien an

Ölfund schiebt Energieaktien an

Ähnlich hohe Kursgewinne verzeichnete auf Branchenebene nur der Sektor Öl und Gas. Vor der Küste Brasiliens war das wohl größte Erdölvorkommen seit 30 Jahren entdeckt worden. Haupteigentümer des Feldes ist die staatliche Ölgesellschaft Petrobras, aber auch die britische BG Group  und Repsol  sind an dem Projekt beteiligt. Die Aktienkurse der beiden Konzerne legten daraufhin kräftig zu: Repsol-Aktien verbuchten einen Kursgewinn von fast 10 Prozent, Papiere der BG Group gewannen 5,4 Prozent.

Siemens erholt sich von GE-Schock

Titel von Siemens  gewannen 1,74 Prozent auf 69,08 Euro. Am Markt wurde vor allem von einer Erholung nach den jüngsten Kursverlusten gesprochen, denn nach der Gewinnwarnung des US-Wettbewerbers General Electric (GE)  waren die Titel deutlich unter Druck geraten.

Aktien von Infineon  sackten mit minus 1,93 Prozent auf 4,57 Euro ans untere Dax-Ende. Laut Branchenverband ZVEI ging der Umsatz für Halbleiter in Deutschland im März verglichen mit dem Vorjahresmonat um 12 Prozent zurück.

Studien helfen Stahlaktien

Gestützt auf positive Analystenkommentare stieg die Nachfrage nach deutschen Stahlwerten. Händler und Analysten verwiesen auf vielversprechende Studien von Citigroup und Goldman Sachs. Die Aktien von ThyssenKrupp  kletterten um 2,00 Prozent auf 37,80 Euro. Salzgitter-Aktien  stiegen als zweitstärkster MDax-Wert um 4,49 Prozent auf 113,73 Euro. Papiere von Klöckner & Co.  gewannen 2,32 Prozent auf 34,45 Euro. Goldman Sachs hatte die Aktien von Salzgitter am Montag in einer Branchenstudie als 'best buy idea' bezeichnet. Dies trage den Kurs des MDax-Wertes und erhöhe das Interesse der Investoren für die Branche, sagten Händler.

MDax: Premiere gefragt

Premiere gefragt

Im MDax legten die Premiere-Aktien  um 1,23 Prozent auf 13,95 Euro zu und zählten zu den stärksten Werten im Index. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, könnte die von dem Medienunternehmer Rupert Murdoch kontrollierte News Corp.  den Anteil an dem Bezahlsender von 22,7 auf 25 bis 26 Prozent erhöhen. Die Nachricht dürfte die Spekulationen um die Zukunft von Premiere wieder anheizen, sagten Händler. Zudem teilte Premiere mit, nun eine neue Verschlüsselungstechnik gegen Schwarzseher einzusetzen.

Im TecDax stiegen QSC-Aktien  mit plus 8,24 Prozent auf 1,97 Euro an die Index-Spitze. Händler verwiesen auf die Kurseinbußen der Vortage und auf die Eindeckung leer verkaufter Positionen. So waren die Titel am Montag bis auf 1,72 Euro gefallen, nachdem der Investor Apax in der Vorwoche einen Einstieg bei dem Breitbandanbieter verneint hatte.

Verschnaufpause für den Euro

Der Kurs des Euro  entfernte sich wieder etwas vom Rekordhoch und fiel auf 1,58 US-Dollar zurück. Experten sprachen von einer "Verschnaufpause" bei der Rekordjagd der vergangenen Handelstage. Im späten Nachmittagshandel stand der Euro bei 1,5808 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,5828 (Montag: 1,5869) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,6318 (0,6302) Euro. Zuletzt hatte der Euro am vergangenen Donnerstag mit 1,5912 Dollar einen neuen Rekord erreicht. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,80490 (0,79860) britische Pfund , 159,87 (159,38) japanische Yen und auf 1,5817 (1,5777) Schweizer Franken  fest. Die Feinunze Gold  wurde am Nachmittag mit 929,75 (926,50) Dollar gefixt.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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