Wochenausblick Es bleibt ungemütlich

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt müssen sich auch in der neuen Woche auf eine Achterbahnfahrt einstellen. Eine Reihe internationaler Konzerne wird über die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal informieren und einen Ausblick auf die nächsten Monate geben. Die Börse dürfte sensibel darauf reagieren.

Frankfurt am Main - Nach dem enttäuschenden Auftakt der US-Berichtssaison dürften in der kommenden Woche weiterhin Unsicherheit und Nervosität das Geschehen am Aktienmarkt bestimmen.Die Experten der Landesbank Berlin sprechen von einem unverändert "ungemütlichen Aktienmarktumfeld", das die Aktienkurse und damit auch den Dax  unvermindert auf Berg- und Talfahrt schicken dürfte.

Die WestLB schätzt die Lage ähnlich ein. Dort heißt es: "Seit rund einem dreiviertel Jahr hält die Finanzkrise nun an. Ob es, wie der frühere US-Notenbankchef Alan Greenspan meint, die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg ist oder nicht, mag dahingestellt bleiben; sie ist jedenfalls gravierender als zunächst erwartet und wird sich so schnell nicht verflüchtigen."

Von den zahlreichen in der kommenden Woche anstehenden Konjunkturdaten aus den USA erwarten die WestLB-Experten daher, dass das Bild einer schwachen Konjunktur bestätigt wird. Zudem rechnen sie bei den Konjunkturerwartungen des ZEW für Deutschland im April nun mit einem Rückgang - eine Einschätzung, die allerdings die Mehrheit der von Thomson Financial befragten Volkswirte nicht teilt. Sie rechnet vielmehr mit dem dritten Anstieg in Folge.

Helaba-Analyst Christian Apelt geht ebenfalls von eher schwachen Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten aus: Die am Montag anstehenden US-Einzelhandelsumsätze für März dürften seines Erachtens nur nominal gestiegen sein. Die Industrieproduktion dürfte stagniert haben und auch die Teuerungsrate im März sollte aufgrund neuer Rekorde bei den Energiepreisen auf dem gestiegenen Niveau geblieben sein, prognostiziert er.

Die regionalen Unternehmerumfragen der Notenbanken von Philadelphia und New York dürften eine erste Indikation für die Produktion im April geben. In den Fokus der Investoren dürften zudem die Hausbaubeginne und das Beige Book, der Konjunkturbericht der Notenbank Fed, rücken, die deren Daten beide am Mittwoch veröffentlicht werden.

Hiobsbotschaften aus den Staaten

Hiobsbotschaften aus den Staaten

Auf Unternehmensseite steht dagegen nicht allzu viel an, da die Berichtssaison in Deutschland erst in gegen Ende April starten wird. Solange wird weiter vor allem auf die Hiobsbotschaften aus den Staaten geschaut, wo bereits Alcoa , Advanced Micro Devices (AMD) , Novellus Systems  und nun auch General Electric (GE)  mit ihren Zahlen zum ersten Quartal enttäuscht hatten.

Die Investoren dürften sich unter anderem von den Geschäftszahlen von IBM , Nokia  oder Johnson & Johnson  Orientierung holen. Daneben berichten große US-Banken wie Citigroup  und Merrill Lynch . Analysten prognostizieren nochmals hohe Abschreibungen bei den Finanzinstituten im Zusammenhang mit der Finanzkrise und deutliche Ergebnisrückgänge.

"Da die Gewinnprognosen inzwischen deutlich heruntergeschraubt worden sind, bestehen sogar Chancen, dass die Erwartungen übertroffen werden", sagt Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Daher seien steigende Kurse vorstellbar. Vor kurzem hatten die Börsianer neue Milliardenabschreibungen bei der Schweizer Großbank UBS  oder der Deutschen Bank  als Anfang vom Ende der Krise gewertet und mit Kurssprüngen honoriert.

In Deutschland versprechen einige Hauptversammlungen spannend zu werden. Bei RWE  dürfte am Donnerstag die angestrebte Übernahme des britischen Atomkraftwerkbetreibers British Energy  thematisiert werden, bei Escada  könnten der jüngsten Gewinnwarnung Fragen zur weiteren Strategie folgen.

Zudem wird am Montag der Pharmazulieferer Gerresheimer  seine Quartalsergebnisse vorlegen. Am Markt würden sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Ergebnis Steigerungen im Jahresvergleich erwartet. Interessant dürfte sein, ob nach dem Kauf der spanischen EDP und der brasilianischen Allplas weitere Zukäufe geplant seien, sagte ein Analyst.

Der europäische Autoherstellerverband ACEA wird am Dienstag über die Anzahl der Pkw-Neuzulassungen im März berichten. Die Deutsche Euroshop  gibt am Freitag ihre endgültigen Zahlen für das abgelaufene Jahr bekannt, von denen Analysten nicht mehr viel Neues erwarten, da im Februar auch bereits ein Ausblick auf das laufende Jahr gegeben worden war.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa-afx

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