Börsenschluss Im Endspurt ins Plus

Noch einmal gut gegangen: Enttäuschende Daten vom US-Arbeitsmarkt und ein schwacher Start an der Wall Street hatten den Dax am Freitagnachmittag zeitweise in die Knie gezwungen. Zum Schluss lag der Leitindex aber wieder im Plus. Zu den Gewinnern zählen neben SAP und Volkswagen vor allem MLP, Freenet und Repower.

Frankfurt am Main - Der Dax  beendete die Sitzung mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 6763 Punkten und hat damit im Vergleich zur Vorwoche rund 3 Prozent zugelegt. Der MDax  der mittelgroßen Werte kletterte um 0,95 Prozent auf 9067,68 Punkte. Der TecDax  sprang um 3,23 Prozent auf 820,96 Punkte an. "Nach diesen turbulenten Wochen will keiner auf dem falschen Fuß erwischt werden. Das macht den Markt völlig unberechenbar", sagte ein Händler. "Aber irgendwann ist auch ein Niveau erreicht, bei dem alles Negative eingepreist ist."

Am Nachmittag war bekannt geworden, dass sich das Bild auf dem US-Arbeitsmarkt weiter eingetrübt hat. Die größte Volkswirtschaft der Welt verlor im März angesichts der Konjunkturflaute 80.000 Jobs, wie das US- Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,1 Prozent (4,8 Prozent). Ökonomen hatten ein Minus von 50.000 Arbeitsplätzen erwartet. Es war der dritte Monat mit Jobverlusten in Folge. Das hatte es zuletzt im Frühjahr 2003 gegeben. Über die vergangenen drei Monaten büßten die USA damit insgesamt 232.000 Arbeitsplätze ein, hieß es weiter.

"Die US-Unternehmen bauen Beschäftigung ab. Damit ist die Wirtschaftsschwäche am Arbeitsmarkt angekommen. Das ist ein Belastungsfaktor für den Konsum und sollte eine Basis für weitere Zinssenkungen bilden", sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Das passt zu anderen Konjunkturdaten, die anzeigen, dass sich die USA vermutlich schon in einer Rezession befinden" sagte Carsten Klude, Chefvolkswirt bei MM Warburg.

Als bester Dax-Wert stiegen die Aktien von SAP  um 4,14 Prozent auf 33,22 Euro. Der künftige Chef Leo Apotheker hat die Ziele für das laufende Jahr und darüber hinaus bestätigt und sich hinter die langfristige Strategie des Konzerns gestellt. "Wir fokussieren uns zunächst darauf, dass wir 2008 so abliefern, wie wir es versprochen haben. Und dann wollen wir unsere Ziele für 2010 erreichen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". SAP will 2008 den Umsatz mit Software- und softwarebezogenen Dienstleistungen währungsbereinigt um 24 bis 27 Prozent steigern.

Volkswagen  stiegen um 2,48 Prozent auf 185,01 Euro. Deutschlands größter Energieversorger Eon  will den Stromanteil aus erneuerbaren Energien bis 2030 auf 24 Prozent hochschrauben. Die Emissionen von Kohlendioxid sollen bis zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zu 1990 um mindestens 50 Prozent sinken, teilte der Versorger mit. Der Aktienkurs rückte bis zum Nachmittag um 1,04 Prozent auf 122,18 Euro vor. Zu Handelsschluss betrug das Plus allerdings nur noch 0,39 Prozent.

Kurssprünge bei MLP, Freenet und Repower

Kurssprünge bei MLP, Freenet und Repower

MLP  kletterten mit einem Plus von 11,87 Prozent auf 10,46 Euro an die MDax-Spitze. Händlern zufolge werden "am Markt wieder einmal Übernahmespekulationen gestreut". Es sei schließlich Freitag und die Nachrichtenlage sei bisher eher dünn - entsprechend ließen einige Anleger offenbar ihre Fantasie mal wieder spielen. Ein anderer Börsianer verwies auf eine Empfehlung des Finanzdienstleisters in einem Internet-Forum.

Aktien von Klöckner & Co.  rückten um 2,87 Prozent auf 34,72 Euro vor. Der Stahl- und Metallhändler will den US-Wettbewerber Temtco Steel übernehmen. Zum Kaufpreis gab es keine Details. Ein Analyst äußerte sich positiv: Der nach Primary Steel zweitgrößte Zukauf wurde das Portfolio positiv ergänzen, hieß es. Zudem hatte JPMorgan das Kursziel für die Aktie von 36 auf 42 Euro erhöht.

Die Aktien von Repower  sind im TecDax kontinuierlich gestiegen und lagen zuletzt mit 21,30 Prozent bei 205 Euro an dessen Spitze. Händler verwiesen auf Spekulationen, wonach der indische Großaktionär Suzlon seinen Anteil an dem Windkraftanlagen-Hersteller ausbauen könnte. Zwar sei Suzlon sehr an der Technologie von Repower interessiert, kommentierte ein Börsianer. Um diese jedoch auch nutzen zu können, müsse der Großaktionär entweder einen Beherrschungsvertrag mit dem Windkraftanlagen-Hersteller abschließen oder den restlichen Aktionären eine Abfindung zahlen.

Die Titel des Telekomanbieters Freenet  legten kräftige 11,11 Prozent auf 12 Euro zu. Das Unternehmen betonte, ungeachtet der neuen Gespräche mit United Internet  und Drillisch  auch mit Debitel weiter über eine Übernahme zu verhandeln. "Wenn man bedenkt, dass Freenet mit Debitel nun eine Alternative gefunden hat, dann dürften jegliche Vorschläge von United Internet und Drillisch freundlich ausfallen und zu annehmbaren Konditionen für die Freenet-Aktionäre erfolgen", sagte Commerzbank-Analystin Heike Pauls. United Internet-Chef Ralph Dommermuth hat Hoffnungen auf einen hohen Aufschlag bei einer möglichen Offerte für Freenet in einem Interview inzwischen gedämpft.

Aktien von United Internet konnten ihr Kursplus in Reaktion auf die Wiederaufnahme nach Nachrichten in eigener Sache noch verstärken und gewannen zuletzt 5,64 Prozent auf 14,62 Euro. Der Internetdienstleister rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem deutlichen Ergebnisschub. Umsatz wie auch Überschuss und operativer Gewinn (EBITDA) sollen um rund 20 Prozent zulegen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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