Börsenschluss Deutsche Bank belastet Märkte

Nach der versteckten Gewinnwarnung der Deutschen Bank konnte der überraschende Anstieg des Ifo-Index am Mittwoch den Dax stützten und einen tiefen Fall verhindern. Auch an den US-Börsen sorgte der negative Ausblick der Bank für schlechte Stimmung: Die Wall Street startet im Minus.

Frankfurt am Main - Ein getrübter Geschäftsausblick der Deutschen Bank  hat den Aktienmarkt am Mittwoch belastet. Der Dax  hielt sich dennoch recht tapfer und beendete den Tag mit 6489,26 Punkten 0,5 Prozent niedriger. Dabei stützte Händlern zufolge vor allem der überraschende Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex für März. Am Dienstag hatte der Leitindex noch gut 3 Prozent gewonnen.

Deutschlands größtes Kreditinstitut stellt wegen der Finanzkrise seine Ziele für das laufende Jahr infrage. Das fachte die Sorgen vor den Folgen der Kreditkrise an und sorgte für Kursverluste bei den Finanzwerten weltweit. Einige Börsianer bezeichneten die Aussagen der Deutschen Bank als "Gewinnwarnung". Einen Schock löste das bei den Investoren aber nicht aus. "Wer das nicht erwartet hat, der hat den Kopf in den Sand gesteckt", sagte ein Händler. "Das ist etwas, was wir in den nächsten Tagen und Wochen noch öfters sehen werden, nämlich, dass Unternehmen ihre Prognosen für 2008 zurücknehmen müssen", sagte Oliver Roth, Händler bei Close Brothers in Frankfurt, zu Reuters TV.

Erst am Vortag hatte die Aufstockung des Angebots für Bear Stearns  durch J.P. Morgan den Finanzwerten noch Auftrieb gegeben. Die Aktien der Deutschen Bank fielen zur Wochenmitte um 2 Prozent auf 72,05 Euro, in Europa waren Credit Agricole  mit einem Minus von 3,2 Prozent die größten Verlierer.

Der Ifo-Index stützte Analysten zufolge den Gesamtmarkt am Mittwoch ein wenig. Der Konjunkturindex zeige, dass die deutsche Wirtschaft offenbar doch krisenfester geworden sei, erklärte WestLB-Analyst Jörg Lüschow. "Die Unternehmen kommen mit all den Belastungen sehr gut zurecht", fügte er hinzu. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte ein Händler.

Zu den Gewinnern auf dem deutschen Aktienmarkt gehörten Stahlwerte nach einer positiven Einschätzung der Branche von den Analysten der Credit Suisse . ThyssenKrupp  schoben sich mit einem Plus von 2,3 Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner.

Escada steigen um 30 Prozent

Escada steigen um 30 Prozent

Im MDax  kletterten die Titel von Salzgitter  um 4 Prozent. ArcelorMittal  stiegen um 2 Prozent. "Unserer Einschätzung nach sind die Treiber der weltweiten Nachfrage in dem Sektor weiter vorhanden", schrieb die Credit Suisse.

Im SDax  sorgten Escada  mit einem Plus von knapp 30 Prozent für Furore. Kreisen zufolge erwägt der Finanzinvestor Apax zusammen mit dem russischen Großaktionär Rustam Aksenenko ein Übernahmeangebot für den Luxusmodehersteller. Neuer Vorstandschef könnte der kürzlich zurückgetretene Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer werden.

An der Wall Street sorgten zum Börsenschluss in Europa weitere Ausläufer der Kreditkrise für schlechte Stimmung: So könnte der milliardenschwere Verkauf des Hörfunkkonzerns Clear Channel wegen Finanzierungsschwierigkeiten platzen, was Analysten zufolge auch andere schuldenfinanzierte Übernahmen in Schwierigkeiten bringen könnte.

Durch das Abrücken der Deutschen Bank von ihrem Gewinnziel standen auch die Finanztitel an den US-Börsen unter Druck. Zudem senkte die prominente Analystin Meredith Whitney von Oppenheimer & Co. ihre Gewinnprognose für die Citigroup , die Bank of America , J.P. Morgan und Wachovia . Daraufhin gaben die Aktien der Banken deutlich nach. Citigroup hatte zudem mit einer Zahlung von 1,66 Milliarden Dollar einen Rechtsstreit im Zusammenhang mit der Enron-Pleite beigelegt.

Der Dow-Jones-Index  notierte im örtlichen Mittagshandel um 0,93 Prozent auf 12.469 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,54 Prozent auf 1345 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  notierte 0,56 Prozent bei 2327 Punkten schwächer.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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