Rally im Dax Durchatmen an der Börse

Trotz schwacher US-Konjunkturdaten schließt der Dax mit satten Gewinnen - der Index legt um mehr als 200 Punkte zu. Vor allem Finanzwerte sind stark gefragt und gewinnen zeitweise um bis zu 10 Prozent hinzu.

Frankfurt am Main - Trotz schwacher US-Konjunkturdaten hat der Dax am Dienstag seine Gewinne verteidigt. Der Deutsche Aktienindex  schloss auf Xetra mit einem Gewinn von 204 Zählern und damit 3,2 Prozent fester bei 6524 Punkten. Der MDax  kletterte um 4,4 Prozent, der Technologie-Index TecDax  notierte sogar 5 Prozent fester.

Im Dax verbuchten vor allem Finanztitel kräftige Kursgewinne. Die US-Indizes tendierten um 17.30 Uhr jeweils um den Vortagesschluss.

Marktteilnehmer sahen mehrere Gründe für die Kursgewinne: Analyst Andreas Pläsier von M.M. Warburg etwa wies auf das nachgebesserte Kaufangebot von JPMorgan für die schwer angeschlagene Investmentbank Bear Stearns als Antrieb. Nach massiven Protesten von Aktionären zahlt die US-Großbank nun mit zehn US-Dollar je Aktie fünfmal mehr als bisher angeboten. Der Schritt von JPMorgan zeigt dem Experten zufolge, dass Bear Stearns  derzeit weit unter dem Buchwert gehandelt und attraktiv bewertet sei, was sich positiv auf die Stimmung für Finanzwerte auswirke.

Barrons: Bodenbildung bei Banktiteln?

Laut Händlern sorgte auch ein Leitartikel der US-Anlegerzeitung "Barron's" über eine mögliche Bodenbildung von Bank- und Brokertiteln für Käufe. Dem Bericht zufolge dürften die vielfältigen regulatorischen Maßnahmen als Reaktion auf die Beinahe-Pleite von Bear Stearns die Banktentitel vor weiteren Kursrückgängen bewahren.

Vielmehr könnten sie in den kommenden zwölf Monaten zwischen 10 und 20 Prozent steigen, da die Panik wegen der Kreditkrise abebben und dank der Ertragsverbesserung der Banken nur noch als Erinnerung zurückbleiben dürfte.

Die US-Notenbank hatte in der vergangenen Woche auf verschiedene Weise in den Markt eingegriffen, unter anderem mit Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen. Diese Maßnahmen stützen kurzfristig vor allem Finanzwerte.

In New York notierte der Dow Jones  am Dienstag bis 20 Uhr um 0,2 Prozent im Minus: In der Vorwoche hatte der Index mehr als 3 Prozent zugelegt und war am Ostermontag um weitere 1,5 Prozent gestiegen. Der Nasdaq Composite  notierte bis 20 Uhr dagegen 0,5 Prozent fester.

US-Häuserpreise fallen drastisch

Verbrauchervertrauen und US-Häuserpreise fallen

Händler begründeten die verhaltene Tendenz mit schwächeren US-Konjunkturdaten. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ist auf das niedrigste Niveau seit fünf Jahren gefallen. Der Index sank im März überraschend deutlich auf 64,5 von revidiert 76,4 Zählern im Februar, wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag mitteilte.Der Erwartungsindex sank auf 47,9 von 58,0 Zählern und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang 1974.

Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen. Auch die US-Häuserpreise fallen weiter: Der maßgebliche Index verzeichnete für den Montat Januar einen Rückgang um mehr als 11 Prozent.

Neue Fantasie für Finanztitel

Finanztitel waren im Dax stark gefragt. Hypo Real Estate  bauten ihre Kursgewinne auf rund 12 Prozent aus. Commerzbank  gewannen rund 9 Prozent. Deutsche Börse  und Allianz  verteuerten sich jeweils um mehr als 6 Prozent, Postbank-Titel rückten um knapp 5 Prozent vor.

Spekulationen auf eine Übernahme der Postbank  durch die Allianz  haben zudem am Dienstag die Aktienkurse beider Unternehmen zusätzlich beflügelt. "Am Markt wird nach den jüngsten Medienberichten darauf gesetzt, dass sich die Postbank an die Allianz annähert", konstatierte ein Börsianer. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, dass die Münchener Finanzgruppe beim Mutterkonzern Deutschen Post  und in Teilen der Bundesregierung "die besten Karten" habe. Die Allianz lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

In ganz Europa tendierten Finanztitel sehr fest. Der Aktienkurs der britischen Bank HBOS  stieg zeitweise um 15 Prozent, Societe Generale gewannen sechs Prozent, UBS  sieben Prozent.

Adidas nach Reebok-Aussagen sehr fest

Anleger fliegen nach Reebok-Aussagen auf Adidas

Adidas  gewannen zuletzt noch rund 6 Prozent. Der deutsche Sporthersteller rechnet für seinen US-Ableger Reebok mit einem Umsatzplus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, nachdem der Vertrieb von Reebok-Produkten in Südamerika enger an die Mutter gebunden wurde.

Mit Vulcabras, dem Exklusiv-Lizenznehmer von Reebok in Brasilien, soll ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, das Schuhe, Bekleidung und Accessoires in Brasilien und Paraguay vertreibt. Eine ähnliche Vereinbarung wird für Argentinien angestrebt. Die übrigen Unternehmensprognosen für den Konzern sollen beibehalten werden.

MDax: Hochtief vor Auftrag in Indien

Im MDax  gewannen die Aktien von Hochtief  zuletzt mehr als 7 Prozent.

Ein Händler erwies auf einen Bericht der "Australian Financial Review", wonach sich die australische Tochter Leighton in fortgeschrittenen Verhandlungen mit der französischen Hotelkette Accor  zum Aufbau eines Hotelnetzwerkes in Indien und China befinde. Das mögliche Vertragsvolumen wird mit über 700 Millionen US-Dollar angegeben.

Von der indischen Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) erhielt Leighton einen Auftrag zum Bau einer Pipeline im Gesamtwert von 720 Millionen Dollar. Am Mittwoch steht zudem die Bilanz von Hochtief auf der Agenda.

Ebenfalls im MDax  gewannen die Aktien von Arques Industries  zeitweilig rund 9 Prozent. Zuletzt notierten die Papiere mit etwa 6 Prozent im Plus. Die Beteiligungsgesellschaft verkauft das Chemieunternehmen Oxiris an einen strategischen Investor.

TecDax: United Internet mit Kurssprung

Die Aktien der DSL-Dienstleister United Internet , Versatel  und Freenet  standen ebenfalls im Fokus.

Der United-Internet-Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth begrüßte in einem Bericht des "Handelblatt" die Idee einer DSL-Allianz aus Versatel, Freenet, United Internet und den deutschen Telefonica-Aktivitäten gegen den Marktführer Deutsche Telekom, die der Chef des Konkurrenten Versatel, Peer Knauer, ins Spiel gebracht hatte.

Händler rechnen damit, dass dies Übernahmespekulationen im gesamten Sektor anheizen und die Aktien beflügeln düfte.

Conergy  dürften nach dem Kursrutsch vom Donnerstag um über 18 Prozent weiter das Interesse der Anleger auf sich ziehen. Wie die "Welt" berichtet, steht die Produktion in der neuen Solarfabrik in Frankfurt/Oder immer wieder für Tage still. Offensichtlich habe die Anlage nicht genügend Rohstoffe, um dauerhaft produzieren zu können. Es sei unklar, wie viele Solarzellen derzeit in dem Werk tatsächlich produziert würden. Ein Sprecher des Unternehmens begründete die Stillstände der Zeitung mit Maßnahmen in der Anlaufphase.

Umbau in MDax und TecDax

HHLA ersetzt AWD im MDax

Zudem stehen die Anfang März beschlossenen Indexanpassungen im Blick. Im MDax ersetzen die Papiere des Hamburger Hafenunternehmens HHLA  den vor der Übernahme durch Swiss Life stehenden Finanzdienstleister AWD . Zudem steigt der Kran-Hersteller Demag Cranes vom SDAX in den Index mittelgroßer Werte auf, während die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB nun dorthin absteigen muss.

In den Technologie-Index TecDax  rücken die Papiere des Windanlagen-Bauers Repower  und des Solarunternehmens Phoenix Solar auf.

Ihre Plätze räumen müssen der Glasfaser-Spezialist Adva Optical und der Leiterplatten-Hersteller AT&S Austria Technologie & Systemtechnik.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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