Börsenschluss Ben, der Spielverderber

Der deutsche Aktienmarkt hat am späten Nachmittag wegen Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke zur Subprime-Krise einen Großteil seiner im Tagesverlauf erzielten Gewinne wieder abgegeben und uneinheitlich geschlossen. Im Mittelpunkt standen die Deutsche Post, die Commerzbank und der Autobauer Daimler.

Frankfurt am Main - Mit seiner Warnung vor weiteren Abschreibungen bei Investmentbanken hat der US-Notenbankchef am Donnerstag die Kursgewinne des Dax , zunichtegemacht. Der Leitindex, der vor der Rede von Ben Bernanke rund ein halbes Prozent im Plus gelegen hatte, verlor bis Handelsschluss 0,2 Prozent auf 6962 Punkte.

US-Notenbankchef Ben Bernanke rechnet nach der derzeitigen Flaute in der zweiten Jahreshälfte zwar wieder mit einer anziehenden Konjunktur. Zugleich kündigte er am Donnerstag vor dem Bankenausschuss des US-Senats an, dass die Federal Reserve in den nächsten Tagen ihre Wachstumsprognose für 2008 von derzeit zwischen 1,8 und 2,5 Prozent nach unten korrigieren werde. Um wieviel genau, sagte er nicht. Bernanke betonte erneut, er erwarte keine Rezession. Bislang sehe es nach einem "schwachen, aber noch immer positiven Wachstum" der US-Wirtschaft im ersten Halbjahr aus.

Es sei zu erwarten, dass die geld- und steuerpolitischen Maßnahmen in der zweiten Jahreshälfte Wirkung zeigten, sagte der Notenbankchef. Der oberste US-Währungshüter warnte allerdings vor weiterhin bestehenden Wachstumsrisiken. Vor allem stehe zu befürchten, dass sich die Lage am Immobilen- und Arbeitsmarkt über das bisher vermutete Maß hinaus verschlechtere. Bernanke unterstrich die Bereitschaft der Federal Reserve, auf eine Verschlechterung der Wirtschaftslage mit weiteren Zinssenkungen zu reagieren. Die nächste Zinsentscheidung der Notenbank steht am 18. März an.

"Zumwinkel gilt als Bremser"

"Bernanke hat den Markt heruntergeredet - so etwas will man einfach nicht von ihm hören", sagte ein Händler. Die Stimmung sei sehr nervös, und viele Investoren seien so verunsichert, dass sie jetzt gar nichts mehr machten, sagte ein anderer Börsianer. 

Am Morgen noch hatte der deutsche Aktienmarkt den Sprung über die Marke von 7000 Punkte geschafft. Vor allem die Aktie der Deutschen Post  erwies sich als Stütze. Sie legte zeitweise um mehr als 5 Prozent zu, nachdem bekanntgeworden war, dass gegen den Post-Chef Klaus Zumwinkel wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt wird. Daraufhin sei am Markt auf einen Abschied des Managers spekuliert worden, berichteten Händler. "Zumwinkel gilt als Bremser", sagte ein Börsianer. Zudem profitierte die Aktie Händlern zufolge von der Hoffnung, dass die Rettung der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB  nicht zulasten der Post geht.

Weitere Abschreibungen bei der Commerzbank?

Weitere Abschreibungen bei der Commerzbank?

"Gestern kursierte das Gerücht, die Bundesregierung könnte sich zur Finanzierung der IKB von ihrer Post-Beteiligung trennen. Jetzt ist der Deutsche-Post-Verkauf erst mal vom Tisch," sagte ein Börsianer. Einige Investoren nahmen im Laufe des Tages jedoch Gewinne mit, so dass der Titel am Abend lediglich 2,8 Prozent höher bei 22,25 Euro schloss.

Der Bund hatte am Vortag zugesagt, sich mit mindestens einer Milliarde Euro an einem neuen Hilfspaket für die IKB zu beteiligen. Weitere 500 Millionen Euro sollen von der Kreditwirtschaft kommen. Damit ist die Insolvenzgefahr offenbar vorerst gebannt, und diese Aussicht verhalf der im MDax  notierten IKB-Aktie zunächst zu einem Kurssprung von rund 25 Prozent. Doch einige Börsianer wurden skeptisch, ob der Bankensektor die verlangten 500 Millionen Euro zu dem Rettungspaket beisteuern wird. Die Kursgewinne schmolzen dahin, und aus dem Handel ging die Aktie noch 12,8 Prozent höher bei 6,61 Euro.

Andere Nachrichten aus der Finanzbranche erwiesen sich als Belastung für den Markt: Mit der Bekanntgabe eines Milliardenverlustes verdarb die Schweizer Großbank UBS  den Anlegern die Stimmung. "Die Leute haben sich zwar so langsam an schlechte Nachrichten gewöhnt", sagte ein Händler. "Aber das Thema Subprime wird uns noch länger beschäftigen." Die Postbank-Aktie  notierte 1,7 Prozent tiefer, die der Deutschen Bank  1,3 Prozent. Besonders stark bekam jedoch die Hypo-Real-Estate-Aktie die Unsicherheit zu spüren - der Titel sackte um 3 Prozent ab.

Ins Minus rutschten nach Vorlage der Bilanz für 2007 auch die Aktien der Commerzbank . Das Papier verbuchte mit einem Abschlag von 6,6 Prozent auf 19,84 Euro die deutlichsten Verluste im Dax. Die zweitgrößte deutsche Bank hat zwar einen Rekordgewinn ausgewiesen, im vierten Quartal aber unter den Folgen der Kreditkrise gelitten.

Vor allem aber wollte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller weitere Subprime-Abschreibungen nicht ausschließen - das sorgte für Verstimmung, sagten Börsianer. Ein Auf und Ab erlebten nach der Vorlage von Geschäftszahlen die Aktien des Autobauers Daimler , die 0,4 Prozent höher bei 53,95 Euro schlossen.

Im Handelsverlauf schwankte der Kurs zwischen einem Plus und Minus von jeweils rund 2 Prozent. Börsianern zufolge profitierten die Titel zwar von einem optimistischen Ausblick des Stuttgarter Konzerns für 2008 sowie der Ankündigung einer Dividendenerhöhung und der Fortsetzung des Aktienrückkaufprogramms. Zugleich hätten die Titel allerdings unter Gewinnmitnahmen gelitten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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