Börsenschluss Dax ächzt unter IKB-Desaster

Die IKB-Bank hat heute rund 20 Prozent ihres Börsenwertes verloren, weil das Geldhaus offenbar weitere Milliarden zur eigenen Stabilisierung braucht. Das traf den Nerv flatteriger Anleger - und Deutschlands führendes Aktienbarometer Dax stand gleich zu Wochenbeginn unter Druck.

Frankfurt am Main - Die Kreditkrise hat Deutschlands Börse  fest im Griff: Milliardenabschreibungen selbst kleinerer Banken zehren an den Nerven der Investoren. Das bedeutendste Frankfurter Börsenbarometer Dax  startete deshalb nur mühsam in die neue Handelswoche und verlor 0,35 Prozent niedriger auf 6743,54 Indexpunkte. Entsprechend unruhig zeigen sich die übrigen wichtigen Aktienindizes der Frankfurter Börse: Der MDax  der mittlergroßen Aktiengesellschaften fiel um um 0,99 Prozent auf 8560,17 Zähler und der Technologieindex TecDax  um 0,23 Prozent auf 765,86 Zähler.

Heiß diskutiert wurde heute auf dem Parkett in Frankfurt am Main vor allem der freie Fall der ehemals soliden kleinen Düsseldorfer IKB-Bank . Die Händler und Kreditpapierexperten des Geldhauses haben offenbar immer höhere Milliardenrisiken aufgetürmt, die längst in keinem Verhältnis mehr zur Größe der Bank an sich stehen. Jetzt braucht das Institut womöglich weitere zwei Milliarden Euro Finanzhilfen, spekulieren Zeitungen. Dabei haben die Muttergesellschaft KfW und ein Bankenpool der IKB bereits gut sechs Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Mit einem Kursrutsch von 21,8 Prozent auf 4,94 Euro sind die Aktien der IKB dann heute auch die größten Verlierer aller Aktien, die im elektronischen Handelssystem der Börse überhaupt zu haben sind. Damit haben die Titel der Mittelstandsbank, die Fehlspekulationen mit US-Hypotheken in Schieflage geratenen ist, seit Ausbruch der Subprimekrise im vergangenen Sommer rund 80 Prozent oder insgesamt knapp zwei Milliarden Euro an Wert eingebüßt. Dies entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt der Malediven.

Unter besonderen Druck gerieten auch die Titel der Commerzbank , die 3,93 Prozent auf 19,07 Euro verloren - und damit die rote Laterne aller Dax-Aktien übernahmen. Zu groß schien die Furcht mancher Investoren, die Commerzbank lege in dieser Woche schlechte Geschäftszahlen vor.

Zu den Favoriten des Tages zählten dagegen die Aktien der Postbank , die sich um 2,4 Prozent auf 60,46 Euro verteuerten. Börsianer erklärten das Kursplus mit Übernahmegerüchten. Dem "Tagesspiegel" zufolge wünschen sich nicht wenige Politiker die Deutsche Bank  als Partner der Postbank, um eine große nationale Privatkundenbank zu bilden. Die größten Wertgewinne verbuchten aber heute die Besitzer von Infineon-Aktien . Die Titel setzten sich mit einem Plus von 2,14 Prozent auf 5,72 Euro an die Indexspitze.

Titel von Klöckner & Co.  rückten im MDax  um 3,62 Prozent auf 28,32 Euro vor - und damit an die Spitze des nebenwerteindexes. Händler verwiesen auf eine positive Analystenstudie zur Begründung der Kursbewegung: Sowohl die Stahlpreise als auch die Nachfrage in Nordamerika und Europa seien für das erste Halbjahr 2008 besser vorhersagbar, sagten Analysten der amerikanischen Investmentbank JP Morgan. 

Dow-Jones-Index wird erneuert

Dow-Jones-Index wird erneuert

Im Kleinwerteindex SDax  brach zwischenzeitlich dagegen der Balda-Aktienkurs um bis zu 14 Prozent ein, nachdem ein Zeitungsbericht über nicht gezahlte Löhne bei der ehemaligen Handyschalensparte für Wirbel gesorgt hatte. Zum Börsenschluss lagen die Titel schließlich 3,65 Prozent im Minus bei 3,97 Euro.

Der Handyausrüster betonte allerdings mittlerweile, keine Hinweise auf Zahlungsschwierigkeiten bei KS Plastic Solutions zu haben. Die im Rahmen des Verkaufs des Handyschalengeschäfts KS zur Verfügung gestellten Mittel müssten zur Zahlung der Löhne ausreichen. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt, dass ein tragfähiges Geschäftsmodell für die Unternehmenssparte gefunden wird.

Der Euro legte zum Start in die neue Handelswoche leicht an Wert zu. Zuletzt kostete er 1,4542 Dollar, nach 1,4513 Dollar am vergangenen Freitag. Die Gemeinschaftswährung in der Vorwoche mehr als drei Cent gegenüber der US-Devise verloren - zur Freude der deutschen Exporteure.

Der US-Ölpreis hat sich am Montag bei der Marke von 92 Dollar eingependelt. Ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im März kostete im frühen Handel 92,02 Dollar und damit 25 Cent mehr als zum Handelsschluss am Freitag. Den neuerlichen Preisschub haben die Ölverbraucher unter anderem Venuzuelas Präsident Hugo Chávez zu verdanken. Der drohte Amerika mit einem Öllieferboykott.

In Amerika zeigt sich die Weltleitbörse in New York davon unbeeindruckt. Der marktführende Dow-Jones-Industrial-Index  gewinnt bisher 0,2 Prozent zu auf 12.205 Punkte. Und der Composite-Index  der Technoplogiebörse Nasdaq legt um 0,6 Prozent auf 2318 Zähler zu. Schwierigkeiten des weltgrößten Versicherers AIG hatten noch zu Handelsbeginn in Übersee auf die Kurse gedrückt. Das Unternehmen hatte zuvor eingeräumt, Kreditderivate unter Umständen neu bewerten zu müssen. Der AIG-Kurs brach daraufhin um mehr als 11 Prozent auf rund 45 Dollar ein.

Für Aufmerksamkeit sorgte in Übersee eine weitere Ankündigung: Der weltweit stark beachtete US-Aktienindex Dow Jones wird erstmals seit knapp vier Jahren verändert. Am 19. Februar werden die Titel der Bank of America  und des Ölkonzerns Chevron  die Aktien der Tabakfirma Altria  und des Mischkonzerns Honeywell  ersetzen, teilte der Betreiber des Börsenbarometers mit, das Medienunternehmen Dow Jones. Der Index enthält 30 Aktien, so, wie auch der deutsche Dax.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa-afx, dpa und reuters

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