Börsenschluss Standardwerte erholen sich

Dax und MDax haben am Mittwoch ein deutliches Plus verbucht. Gerüchte um Postbank und Tui zogen die Kurse nach oben. Anleger bleiben jedoch skeptisch - mit Bangen erwarten sie die Quartalszahlen der Deutschen Bank. Im TecDax verloren die Aktien von Conergy fast ein Viertel ihres Wertes.

Frankfurt am Main - Gestützt auf einen festen Start an den US-Börsen haben sich die Standardwerte am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch spürbar erholt. Der Leitindex Dax  ging mit plus 1,22 Prozent bei 6847,51 Punkten nahe seinem Tageshoch aus dem Handel. Der MDax  mittelgroßer Werte legte um 1,17 Prozent auf 8787,29 Zähler zu. Das Technologie-Barometer TecDax  verlor dagegen 0,05 Prozent auf 793,99 Punkte.

"Die Märkte sind sehr schwankungsfreudig und daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern", sagte Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser. Am Morgen hätten negative Vorgaben die Aktien belastet, dann hätten Eindeckungen von Leerverkäufen für Auftrieb gesorgt. Andere Börsianer bestätigten, dass die gute Kursentwicklung im Einklang mit den US-Märkten etwas überraschend gekommen sei und einige Investoren gerade im späten Geschäft nochmal zu Käufen gezwungen habe. Positiv aufgenommene Konjunktur- und Unternehmensdaten aus den USA verbesserten die Stimmung.

Nervosität vor der Quartalsbilanz der Deutschen Bank

Mit großer Nervosität bangen viele Börsianer der für Donnerstag angekündigten Veröffentlichung der Quartalszahlen der Deutschen Bank  entgegen. Anleger versprechen sich von dem Geschäftsbericht Klarheit darüber, wie stark Deutschlands größtes Geldhaus von der nochmals verschärften Krise an den Finanzmärkten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Von Reuters befragte Analysten rechnen im Schnitt mit einem Rückgang des Quartalsgewinns um 50 Prozent auf 925 Millionen Euro. Die Aktien der Bank drehten ins Plus und beendeten den Handel mit einem Aufschlag von 1,08 Prozent auf 75,00 Euro. "Vor den Zahlen will keiner mehr Short sein", sagte ein Börsianer.

Wall Street beginnt mit deutlichem Plus

Auch die Kurse an der New Yorker Wall Street notierten im frühen Handel freundlich. Der Dow-Jones-Index  legte bis 17.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit 0,9 Prozent auf 12.372 Punkte zu. Der Nasdaq Composite  stieg um 1,0 Prozent auf 2334 Zähler. Händler sprachen von einer verhaltenen Gegenbewegung zum Vortag. Nach den schwachen Konjunkturdaten vom Dienstag sei die Lage allerdings weiter angespannt.

EZB und Bank of England entscheiden über Leitzinsen

Der Euro  notierte am Abend schwächer bei 1,4633 Dollar, nachdem die Europäische Zentralbank am Nachmittag einen Referenzkurs von 1,4621 Dollar festgestellt hatte. Händlern zufolge rücken die Leitzinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England (BoE) am Donnerstag zunehmend in den Fokus. Während bei der EZB von einer Bestätigung der Leitzinsen von 4,00 Prozent ausgegangen wird, erwarten die meisten Beobachter eine Zinssenkung durch die BoE um 25 Basispunkte.

Gerüchte um Postbank und Tui

Gerüchte um Postbank und Tui

Im Dax profitierten Aktien der Postbank  von einem Zeitungsbericht, dem zufolge die Deutsche Post  die Partnersuche für ihre Tochter begonnen hat. Der "Financial Times Deutschland" zufolge soll die Post-Tochter mit einer anderen Bank zur größten deutschen Privatkundenbank verschmolzen werden. Morgan Stanley habe der Zeitung zufolge bereits Sondierungsgespräche mit mindestens drei möglichen Fusionspartnern geführt. Merck Finck bestätigte die Empfehlung "Buy" mit einem Kursziel von 70,00 Euro. Postbank bleibe ein Übernahmekandidat, so Analyst Konrad Becker. Die Aktie stieg um 10,7 Prozent auf 57,00 Euro.

Papiere der Tui  kletterten um 6,2 Prozent auf 15,34 Euro. Hier gibt es erneut Spekulationen, wonach ein Staatsfonds aus Singapur beim Reise- und Schifffahrtskonzern einsteigen könnte. Der "Financial Times Deutschland" zufolge erwägen Tui und die Investmentgesellschaft Temasek Holdings eine Zusammenlegung von Reedereien. "Das Gerücht ist ja nicht neu", sagte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. "Größe zählt in diesem Bereich." Die Tui-Tochter Hapag-Lloyd und die Singapurer Reederei Neptune Orient Lines (NOL) passten mit ihren jeweiligen Stärken auf dem Atlantik und im asiatischen Raum gut zusammen. Aktien von MAN  erholten sich etwas von den Vortagesverlusten und stiegen um 4,0 Prozent auf 84,69 Euro.

Infineon auf der Verliererseite

Auf der anderen Seite führten Infineon-Aktien  einen Tag vor der Veröffentlichung neuer Geschäftszahlen die Verliererliste an. Die Papiere fielen weiter um 4,4 Prozent auf 6,70 Euro. Händler verwiesen auf eine Abstufung durch ExaneBNP Paribas von "Outperform" auf "Underperform" als Belastung. Das Kursziel der Analysten lautet 7 Euro. BMW-Titel  gaben 2,8 Prozent auf 35,11 Euro nach.

Hugo Boss übertrifft Jahresziele

Im MDax stiegen Aktien von Hugo Boss  um 12,4 Prozent auf 39,97 Euro. Das Unternehmen übertraf im vergangenen Jahr die eigenen Ziele bei Umsatz und Ergebnis und äußerte sich auch für das laufende Jahr optimistisch. Der Modekonzern hatte im vergangenen Jahr vor allem dank Zuwächsen im Damenmodegeschäft den Umsatz um 9 Prozent und das Vorsteuerergebnis um 18 Prozent gesteigert. Ein Händler kommentierte: "Der Gewinn ist deutlich höher als erwartet ausgefallen." Salzgitter-Aktien  legten um 8,9 Prozent auf 117,08 Euro zu.

Premiere-Bilanz enttäuscht

Premiere-Titel  endeten dagegen nach der Zahlenvorlage des Bezhalfernsehsenders mit minus 4,14 Prozent auf 13,43 Euro am MDax-Ende. Händler zeigten sich etwas enttäuscht von der Bilanz. Papiere der Norddeutschen Affinerie  gaben 3,5 Prozent auf 29,30 Euro nach, nachdem die Stadt Hamburg am Dienstag mit 5 Prozent bei Europas größter Kupferhütte eingestiegen war. "Dies ist ein weiterer Schritt, der verhindert, dass A-Tec  eine Mehrheit an der Norddeutschen Affinerie erhält", sagte ein Händler.

Conergy erleidet hohen Verlust

Im TecDax verzeichneten Aktien von Conergy  einen Kursrutsch von 23,9 Prozent auf 13,16 Euro. Das Unternehmen hatte am Dienstag einen hohen Verlust für 2007 mitgeteilt und eine Zwischenfinanzierung angekündigt. In den Ergebnissen ist nach Meinung eines Analysten "nichts Positives" zu finden. Sie seien eine weitere Gewinnwarnung innerhalb weniger Monate und das Solarunternehmen brauche neue Liquidität, sagte der Experte. Stark tendierten hingegen vor allem QSC-Aktien , die sich um 8,6 Prozent auf 2,28 Euro verteuerten. Solon-Papiere  legten 3,7 Prozent auf 55,70 Euro zu.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ddp, reuters

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