Börsenschluss Dax schließt nach Ifo-Index mit Verlusten

Eine deutliche Verschlechterung des Geschäftsklimas in Deutschland und Milliarden-Abschreibungen der US-Bank Morgan Stanley haben am Mittwoch Anleger vom deutschen Aktienmarkt fern gehalten. Händler sprechen von einem insgesamt ruhigen Handel.

Frankfurt am Main - Der Dax  schloss 0,17 Prozent tiefer bei 7837 Punkten. Das Tagestief lag bei 7777 Punkten. Der MDax  mittelgroßer Werte fiel um 0,56 Prozent auf 9568 Punkte zurück fiel. Der TecDax  legte 0,04 Prozent auf 947 Zähler zu.

Händler sprachen von einem lustlosen Geschäft. "Es gibt kaum Kunden und wir haben am Freitag großen Verfall", sagte ein Börsianer. Es gebe Kursausschläge ohne erkennbaren Grund. Investoren könnten sich derzeit nicht zwischen der positiven und negativen Interpretation neuer Nachrichten entscheiden, sagte Fidel Helmer, Aktienhändler bei Hauck & Aufhäuser. "Ob es um den Ifo-Geschäftsklimaindex geht oder die Liquiditätsmaßnahmen der EZB - immer gibt es zwei Seiten der Medaille", sagte Helmer. Zudem hätten sich viele Marktteilnehmer bereits in die Weihnachtsferien verabschiedet.

Für Zurückhaltung sorgte der Ifo-Geschäftsklimaindex, der im Dezember unerwartet deutlich auf 103,0 Punkte von 104,2 im Vormonat sank. "Die Daten deuten insgesamt darauf hin, dass eine Abschwächung der Wachstumsdynamik unausweichlich ist", sagte Unicredit-Volkswirt Alexander Koch. Stefan Mütze von der Helaba ergänzte: "Dies geht aus von der Hypothekenkrise, dem hohen Euro, den hohen Energiepreisen. Das sind alles belastende Faktoren."

Einzelhandel sieht die Zukunft düster

Besonders düster ist es den Ifo-Daten zufolge um den Einzelhandel bestellt. "Die Branche schätzt ihre Lage so schlecht wie seit zwei Jahren nicht mehr ein", sagte Ifo-Konjunkturexperte Hans Günter Russ zu Reuters. Das Weihnachtsgeschäft laufe nicht gut. Die Aktien des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor  setzten daraufhin ihre Talfahrt vom Dienstag nach Bekanntgabe von Geschäftszahlen fort und verloren 5,6 Prozent.

Morgan Stanley schreibt Milliarden ab

Eine insgesamt 9,4 Milliarden Dollar schwere Abschreibung von Morgan Stanley  im Zuge der US-Immobilienkrise trübte die Stimmung zusätzlich. "Die Zahlen sind schon sehr schlecht", sagte ein Händler. Die US-Investmentbank verbuchte im vierten Geschäftsquartal einen rund zehnmal höheren Verlust als von Analysten erwartet. Positiv vermerkten Börsianer jedoch, dass der chinesische Staatsfonds CIC für rund fünf Milliarden Dollar knapp 10 Prozent an der zweitgrößten US-Investmentbank erwirbt, um so deren Kapitalbasis zu stärken.

Deutsche Finanzwerte büßten nur leicht an Wert ein. Titel der Deutschen Bank  verloren 0,32 Prozent auf 87,45 Euro. Das Minus von 0,76 Prozent auf knapp 26 Euro bei Aktien der Commerzbank  führten Börsianer auch auf die Probleme der Tochter Eurohypo  zurück. Der Immobilienfinanzierer rechnet angesichts der Kreditkrise 2008 mit signifikant weniger Neugeschäft.

Autoaktien unter Verkaufsdruck

Autobauer kritisieren EU-Klimaschutzpläne

Unter Druck standen auch Autowerte angesichts drohender Geldbußen bei Verstößen gegen Klimaschutzmaßnahmen der Europäischen Union. "Die Premium-Hersteller werden unverhältnismäßig belastet. Kleinwagen-Hersteller sind wenig in der Pflicht", klagte BMW . Die Aktien des Autobauers verloren 1,10 Prozent auf 40,42 Euro, Daimler  gaben 0,76 Prozent auf 64,15 Euro nach. Die Papiere des Sportwagenbauers Porsche  rutschten sogar um 3,90 Prozent ab.

Technologiewerte vereinzelt gefragt

Gefragt waren dagegen Technologiewerte wie Infineon  und Siemens , die sich um 1,50 und 0,90 Prozent verteuerten. An die Spitze im Dax  setzte sich aber der Pharma- und Chemiekonzern Bayer  mit einem Kursplus von 1,83 Prozent auf 60,11 Euro.

Im MDax  gaben die Aktien der Norddeutschen Affinerie nach einem verhaltenen Ausblick 3,90 Prozent auf knapp 26 Euro nach. Verkauft wurden auch die Titel von EADS , die 1,16 Prozent auf 22,30 Euro verloren. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzerns geht mit dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB als bevorzugten Bieter in finale Verhandlungen für die zum Verkauf stehenden Werke in Augsburg sowie in Varel und Nordenham.

manager-magazin.de mit Material von reuters