Märkte Wall Street taumelt

Sorgen vor einem deutlichen Preisauftrieb haben die amerikanischen Börsen am Montag belastet. Das Wort Stagflation mache wieder die Runde. Die Anleger seien verunsichert, erklärten Händler.

New York/Frankfurt am Main - Ängste vor einem deutlichen Preisauftrieb und Kursabschläge bei Index-Schwergewichten haben die US-Börsen am Montag belastet. Die anhaltenden Konjunktursorgen verhinderten Analysten zufolge das sonst gegen Jahresende übliche Anziehen der Kurse.

Der Dow Jones  verlor bis 20.20 Uhr (MEZ) rund 140 Punkte: ein Minus von 1,1 Prozent auf 13.202 Zähler. Der breiter gefasste S&P 500  verlor ebenfalls 1,1 Prozent auf 1451 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq Composite  lag 1,8 Prozent im Minus bei 2589 Punkten.

Analyst Joe Saluzzi von Themis Trading sagte, das Wort "Stagflation" mache wieder die Runde, und das mache Anlegern immer Angst. Der Begriff bezeichnet eine Phase starker Inflation, die von schwachem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist. Die Verbraucherpreise waren im November im Vergleich zum Vormonat um 0,8 Prozent und damit so stark wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gestiegen.

Diese Sorgen wurden von neuen Daten der New York Fed verstärkt: Die Industrietätigkeit im Großraum New York ging im Dezember demnach weit stärker zurück als erwartet. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe fiel auf plus 10,31 Zähler von plus 27,37 Punkten im Vormonat.

Kursverluste auch bei Dax und Co.

Sollten die Kurse in New York im späten Geschäft nicht noch deutlich anziehen, dürften die deutschen Aktienbörsen am Dienstag einen schweren Stand haben, erklärten Händler in Frankfurt.

Der deutsche Aktienmarkt hatte am Montag klare Kursverluste verzeichnet. Der Leitindex Dax  fiel um 1,55 Prozent auf 7825 Punkte und schloss nahe dem Tagestief. Für den MDax  mittelgroßer Werte ging es um 2,34 Prozent auf 9580 Zähler runter. Der Technologieindex TecDax  verlor 2,90 Prozent auf 945 Punkte.

"Die sonst obligatorische Jahresendrally wird dieses Jahr wohl ausfallen", sagte ein Händler. Von allen Seiten kämen nur schlechte Nachrichten. "Wer es sich leisten kann, macht momentan gar nichts und wartet auf nächstes Jahr."

Finanzwerte erneut unter Druck

Finanzwerte erneut unter Druck

Marktstratege Stefan Söllner von der Postbank machte die Schwäche der Börsen in Übersee für die negative Marktentwicklung verantwortlich. Hinzu kämen Sorgen um womöglich nötige, weitere Abschreibungen bei der Schweizer Großbank UBS  wegen der Kreditkrise in den USA. "Zudem ist der Handel dünn. Das Jahr neigt sich langsam dem Ende entgegen - das ist auch am Aktienmarkt zu spüren", sagte Söllner. Die Anleger wollten kein Risiko mehr eingehen und hielten sich eher zurück. Zwar sei bis zum Jahresende beim Dax noch ein "Angriff auf die 8000 Punkte" möglich, wahrscheinlicher sei jedoch eine Seitwärtsbewegung. In den Indizes ließ sich laut Händlern kein klarer Branchentrend ableiten, was auch ein Zeichen für einen lustlosen Markt sei.

Tagesverlierer im Dax waren Infineon  mit minus 5,03 Prozent auf 8,12 Euro. Börsianern fiel es schwer, das Kursminus zu begründen, da es wenig neue Nachrichten um den Chiphersteller gebe. Die Aktien hätten sich zuletzt im Zuge der Stabilisierung der Preise für DRAM-Speicherchips erholt - nun gingen die Preise wieder runter und der Druck auf Infineon steige.

Finanzwerte schlossen wegen der Sorgen um die UBS im Minus. Die Schweizer Großbank rechnet einem unbestätigten Pressebericht zufolge mit weiteren Milliardenabschreibungen für das erste Quartal im Zuge der Krise in den USA. Aktien der Hypo Real Estate  verloren 4,09 Prozent auf 36,55 Euro, Commerzbank  gaben 2,73 Prozent auf 25,99 Euro ab. "Es kommen immer weitere Hiobsbotschaften - ausgestanden ist die Krise immer noch nicht", sagte ein Händler. Hinzu sei neue Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Notenbank gekommen. Als Belastung erwiesen sich ebenfalls die Abstufungen von Aktien einiger US-Banken durch die Citigroup .

Milder Winter belastet Conti

Continental  rutschten nach einem Pressebericht über eine Schwäche im deutschen Winterreifengeschäft um 2,76 Prozent auf 85,63 Euro ab. Händler verwiesen auf einen Bericht der "Automobilwoche", nach dem das milde Wetter auf das Geschäft mit Winterreifen drücke.

Aktien der Münchener Rück  hielten sich nach Meldungen über einen Zukauf in den USA mit minus 0,79 Prozent auf 128,70 Euro etwas besser als der Markt. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer will den US-Krankenversicherer Sterling Life übernehmen.

Als defensiv eingestufte Substanzwerte seien dagegen wegen der erhöhten Unsicherheit am Aktienmarkt favorisiert worden, sagten Börsianer. So schlossen im Dax lediglich RWE  mit einem Aufschlag von 0,44 Prozent auf 95,78 Euro und Deutsche Telekom  um 0,40 Prozent höher bei 15,15 Euro im Plus.

IKB und Premiere brechen ein

IKB-Aktien verlieren mehr 10 Prozent

IKB  gingen nach einem Interview mit KfW-Chefin Matthäus-Maier in der "Süddeutsche Zeitung" mit minus 10,55 Prozent auf 7,12 Euro am MDax-Ende aus dem Handel. Dem Interview zufolge könnte die Rettung der IKB die KfW noch teurer zu stehen kommen als bislang bekannt. "Es kann sein, dass es weniger wird als fünf Milliarden Euro, aber auch mehr, falls sich das Marktumfeld weiter verschlechtert", sagte Matthäus-Maier der Zeitung. Zudem räumte sie ein, dass die KfW mit dem Wissen von heute über die eingetretenen Marktverwerfungen die Rettungsaktion nicht gemacht hätte.

Premiere  rutschten nach den Kursgewinnen der Vorwoche um 7,85 Prozent auf 13,73 Euro ab. Händler verwiesen darauf, dass das erhoffte Übernahmeangebot von 16,00 bis 16,50 Euro je Aktie über das Wochenende ausgeblieben ist. In der Vorwoche waren die Übernahmegerüchte um den Bezahlsender nicht abgerissen und hatten die Titel deutlich nach oben getrieben.

Freenet/Versatel: Die Übernahmefantasie schwindet

Aktien von Nordex  rutschten im TecDax  nach mit Verunsicherung aufgenommenen Aussagen von Vorstandschef Thomas Richterich um 6,05 Prozent auf 71,40 Euro ab. Laut einem Interview in der "Financial Times Deutschland " könnte Nordex sein Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr möglicherweise verfehlen. Ein Sprecher sagte, Nordex halte an seiner Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr fest.

Freenet  und Versatel  gerieten wegen nachlassender Übernahmefantasie zeitweise deutlich unter Druck. Der Internetdienstleister United Internet  will vorerst keinen der beiden Wettbewerber komplett übernehmen. In den Aktienkursen beider Firmen sei zuviel Übernahmefantasie eingepreist, sagte United-Internet-Chef Ralph Dommermuth dem "Handelsblatt". Versatel  verloren 4,64 Prozent auf 22,60 Euro, Freenet  fielen schließlich nur noch um 1,41 Prozent auf 16,80 Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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