Börse Kaufpanik - Dow und Dax mit Aufholjagd

Zunächst lähmte die Angst vor der Kreditkrise die Börsen. Nun treibt viele Anleger die Furcht um, günstige Einstiegskurse zu verpassen. Dow und Dax stürmen getrieben von Zinssenkungshoffnungen nach vorne, die zuletzt geprügelten Finanzwerte haussieren.

Frankfurt am Main - Wenn alle schon von Rezession sprechen, startet meist eine kräftige Erholung. Nach einer Woche mit schweren Verlusten haben Dax  und Dow  wieder einen kräftigen Sprung nach vorne gemacht: Der Dax legte bis Handelsschluss auf Xetra um 192 Zähler (2,6 Prozent) zu und notiert wieder über der Marke von 7700 Punkten.

Noch kräftiger fiel die Erholung bei den Nebenwerten aus. Der MDax  kletterte um 3,2 Prozent, der TecDax  rückte sogar um 3,8 Prozent auf 937 Zähler vor.

Finanztitel wie Deutsche Bank , Commerzbank , Postbank  und HypoRealEstate legten zwischen 3 und 5 Prozent zu. Gefragt waren außerdem Titel von Linde , die von einer Kaufempfehlung profitierten.

Ein Großteil des Plus verdankte der Markt den Bankenwerten, die ihre Vortagesgewinne ausweiteten. Der etwas schwächere Euro, der zeitweise bis auf 1,4710 Dollar zurückfiel und der niedrigere Ölpreis hellten die Stimmung zusätzlich auf.

Auch an den US-Börsen ging es kräftig nach oben. Zu Handelsschluss in Europa lag der Dow-Jones-Index 1,7 Prozent im Plus, der Nasdaq-Composite 2,4 Prozent. In Amerika hatten Aussagen eines Notenbankers erneut Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung geschürt.

"Keiner will etwas verpassen"

Das Ausmaß der Kursgewinne überraschte viele Marktteilnehmer. "Gestern war alles schlecht, heute alles gut - da fehlen mir die Worte," sagte ein deutscher Händler. "Die Welt hat sich seit gestern eigentlich nicht verändert, und doch haben wir soviel Boden gut gemacht. Das zeigt, wie nervös die Investoren sind - keiner will etwas verpassen, weder nach oben noch nach unten".

Finanzwerte gefragt

An der Spitze der Dax-Werte stand die Commerzbank , die sich um 5,3 Prozent auf 25,54 Euro verteuerte. Am Dienstag hatte der Einstieg von Abu Dhabi bei der krisengeschüttelten US-Bank Citigroup  Finanzaktien zu steigenden Kursen verholfen. Am Mittwoch setzte sich die Entwicklung fort.

Hypo Real Estate  stiegen um 4,8 Prozent auf 35,45 Euro, Postbank um 3,9 Prozent auf 59,68 Euro und Deutsche Bank  um 4,2 Prozent auf 88,04 Euro. Ebenfalls weit vorne lag Linde . Nachdem die Citibank den Titel auf "Kaufen" von "Verkaufen" hochgestuft hatte, verbuchte die Aktie ein Plus von 4,2 Prozent.

Porsche stützt Autotitel

Die deutschen Automobilwerte stiegen ebenfalls in der Gunst der Anleger. Daimler  verteuerten sich um 5,2 Prozent, und Volkswagen  um rund zwei Prozent. "Da wird wohl der schwächere Euro helfen", sagte ein Händler. Die in keinem deutschen Auswahlindizes enthaltene Porsche -Aktie kletterte nach einem starken Ausblick auf das laufende Jahr um neun Prozent auf 1531,27 Euro.

Zahlreiche Übernahmegerüchte

Im Gegensatz zu anderen Finanzwerten reihte sich die im MDax  notierte Aktie der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB  nicht in die Gewinnerliste ein. Nach einem zwischenzeitlichen Abschlag von über zwölf Prozent lag die IKB-Aktie zuletzt rund sechs Prozent im Minus. Die Aktie werde davon belastet, dass Großaktionär KfW wegen Problemen bei der IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding offenbar noch mehr Geld zuschießen müsse als bislang veranschlagt, erklärte ein Händler. Möglicherweise setzten Anleger jemand darauf, dass die IKB früher oder später übernommen werde.

Übernahmegerüchte rankten sich auch um den Finanzdienstleister AWD , dessen Aktien zeitweise um bis zu sieben Prozent stiegen und 5,3 Prozent höher schlossen. Am Markt sei spekuliert worden, dass die Deutsche Bank AWD übernehmen wolle, sagten Händler. Beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Auch bei Premiere  begründeten Börsianer den Aufschlag von zeitweise über zehn Prozent mit derartigen Spekulationen. Die Aktie ging fünf Prozent höher aus der Sitzung.

Bei Versatel  spekulierten Marktteilnehmer ebenfalls auf eine Übernahme: Das sei plausibel, sagten Analysten, es gebe viele mögliche Interessenten. Der TecDax-Wert, der bereits seit Tagen von derartigen Spekulationen beflügelt wird, zog um 11,3 Prozent an. Damit war er jedoch nicht der größte Gewinner in dem Technologiesegment: QSC  und Conergy  überholten Versatel mit einem Kursplus von bis zu 13,5 Prozent.

Wall Street erwartet Fed-Zinsspritze

Wall Street: Das alte Lied von der Zinssenkung

An der Wall Street legten Dow Jones  und der Technologieindex Nasdaq Composite  den zweiten Tag in Folge kräftig zu, obwohl die neuen US-Konjunkturdaten enttäuschen: In den USA sind die Auftragseingänge für langlebige Güter im Oktober überraschend gefallen. Sie seien um 0,4 Prozent zum Vormonat gesunken, teilte das US-Handelsministerium am Mittwoch in Washington mit.

Anleger setzen mal wieder auf die Fed: Der Vizechef der US-Notenbank, Donald Kohn, nährte die Hoffnung der Börsianer auf Zinssenkungen, weil er angesichts der Immobilienkrise von der Notwendigkeit einer flexiblen Geldpolitik sprach. Bis eine Stunde vor Börsenschluss legte der Dow um mehr als 300 Punkte (2,4 Prozent) zu.

Im Mittelpunkt standen auch in New York Aktien aus der Finanzbranche. Die Titel der Citigroup  kletterten im frühen Handel um knapp vier Prozent, nachdem das "Wall Street Journal" berichtet hatte, dass die Großbank inmitten der Krise eine informelle Fusionsanfrage erhalten und abgelehnt hatte.

Wells Fargo trotz neuer schlechter Nachrichten gefragt

Bereits am Dienstag hatte eine Milliardenspritze aus dem Emirat Abu Dhabi für die Citigroup  für Kaufstimmung an den New Yorker Börsen gesorgt. Aus dem Finanzsektor kamen jedoch nicht nur gute Neuigkeiten: Die zweitgrößte einheimische Hypothekenbank Wells Fargo musste wegen der Kreditkrise eine Sonderbelastung von 1,4 Milliarden Dollar verbuchen.

Anleger reagierten zwar zunächst erschrocken, weil Wells Fargo als ausgesprochen vorsichtig bei der Kreditvergabe gilt. Die Aktien des Instituts konnten dennoch in dem generellen Aufwärtstrend 1,4 Prozent zulegen. Auch die Aktien des krisengeschüttelten Konkurrenten Freddie Mac  kletterten um knapp vier Prozent, obwohl das Unternehmen seine Dividende halbierte.

manager-magazin.de mit Material von reuters