Börsenschluss "Die Stimmung ist schlecht"

Ein skeptischer Konjunkturausblick der US-Notenbank sowie Rekordstände bei Euro und Öl haben am Mittwoch die Anleger zu Aktienverkäufen veranlasst. Bankenwerte zählten zu den größten Verlierern im Dax. Gegen den Abwärtstrend legten die Papiere der Postbank zu.

Frankfurt/Main - Die deutschen Aktien sind am Mittwoch auf Talfahrt gegangen und haben damit ihre kurze Erholung vom Vortag nicht fortsetzen können. Der Dax  fiel um 1,47 Prozent auf 7518 Zähler. Für den MDax  ging es um 4,05 Prozent auf 9041 Punkte nach unten - damit gab der Index seine Jahresgewinne vollständig ab und schloss auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2006. Der TecDax  büßte 2,99 Prozent auf 879,14 Punkte ein.

Für den erneuten Kursrutsch am Aktienmarkt machten Börsianer unter anderem die zurückgeschraubte Wachstumsprognose der Fed verantwortlich. Die Währungshüter rechnen nunmehr für 2008 mit einem Wachstum der US-Wirtschaft von 1,8 bis 2,5 Prozent. Im Juni waren noch Wachstumsraten von 2,5 bis 2,75 Prozent prognostiziert worden.

"Wenn jetzt der Motor der USA ins Stottern gerät, hat das Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft", sagte ein Händler. Auch die Fondsgesellschaft DWS sieht den Zustand der US-Wirtschaft wegen der Folgen der Hypothekenkrise als Risikofaktor. "Wir könnten durchaus in den nächsten Wochen und Monaten schwierige Aktienmärkte sehen", sagte Klaus Kaldemorgen, Sprecher der DWS-Geschäftsführung. "Die Subprimekrise scheint sich auszuweiten, das ist wohl noch nicht das Ende", sagte ein Händler.

Optimistischer äußerte sich dagegen ein anderer Marktteilnehmer. "Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass mit diesem Kursrutsch das Schlimmste überstanden ist", sagte ein Händler. Allerdings seien auch neue negative Aspekte hinzugekommen. "Bislang ist Asien immer gut gelaufen und war ein starker Wachstumsmarkt. Nun gibt es auch hier kräftige Einschnitte - vielleicht müssen die Anleger sich in nächster Zeit mit dem Thema "Asienkrise" auseinandersetzen". Das aktuelle Kursniveau könne jedenfalls nur gehalten werden, wenn sich die Lage weltweit stabilisiert, so der Börsianer.

Bankenwerte unter Druck

Bankenwerte gerieten nach negativen Branchennachrichten aus den USA unter Druck. Kurz vor Handelsschluss kamen noch vage Gerüchte um eine Gewinnwarnung von HBOS  hinzu. "Solche Spekulationen rennen derzeit natürlich offene Türen ein - viele rechnen damit, dass noch mehr Leichen im Keller liegen", sagte ein Händler. So verloren die Titel der Commerzbank  6,45 Prozent auf 23,50 Euro, Deutsche Bank  gaben 1,69 Prozent auf 82,16 Euro ab.

"Die Stimmung ist schlecht, und alles, was Immobilien im Namen trägt, wird in Sippenhaft genommen", sagte ein Händler. Für die Hypo Real Estate  ging es um 6,23 Prozent auf 33,10 Euro nach unten. Im MDax brachen die zuletzt bereits stark gebeutelte IKB  um weitere 12,10 Prozent auf 8,79 Euro ein.

Einzig die Postbank  konnte sich bei den Finanztiteln gegen den Trend stemmen und glänzte an der Dax-Spitze mit plus 2,19 Prozent auf 55,92 Euro. Händler verwiesen auf Aussagen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der ein Interesse seines Instituts an der Postbank nicht generell ausgeschlossen hat. "Wenn die Postbank wirklich verkauft wird, dann entfacht das einen wahren Bieterstreit", sagte ein Händler.

Tui brechen ein

Tui brechen um mehr als 5 Prozent ein

Tui  verloren 5,15 Prozent auf 17,87 Euro. manager magazin berichtete exklusiv, dass der Kölner Lufthansa-Ableger Germanwings und der Ferienflieger TUIfly über einen Zusammenschluss verhandeln. Ein Analyst begrüßte eine mögliche Fusion - für beide würde ein Zusammengehen Sinn machen.

Im TecDax  konnten Versatel nach zahlreichen positiven Studien zu den am Vortag vorgelegten Zahlen ihre Kursgewinne um 1,52 Prozent auf 14,00 Euro ausbauen. Im SDAX rutschten CTS Eventim  nach Zahlen um 6,16 Prozent auf 29,40 Euro ab. SES-Research-Analyst Jochen Reichert verwies auf die schwache Entwicklung im Ticketing-Geschäft.

Der europäische Leitindex EuroStoxx 50  büßte 1,91 Prozent auf 4195,58 Zähler ein. Auch die Börsen in Paris und London mussten Verluste hinnehmen. Der Dow Jones  zeigte sich in New York zum Börsenschluss in Europa schwach.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,00 (Vortag: 4,03) Prozent. Der Rentenindex Rex kletterte um 0,25 Prozent auf 117,26 Punkte. Der Bund Future gewann 0,34 Prozent auf 115,18 Punkte.

Der Kurs des Euro  stieg erneut auf einen Rekordstand. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4814 (Dienstag: 1,4785) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,6750 (0,6763) Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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