Märkte Die Börsen wackeln

Der deutsche Aktienmarkt dürfte in der kommenden Woche weiter an Boden verlieren. Vor allem neue Rekordstände beim Euro und Ölpreis könnten die Notierungen belasten. Auch die Vorgaben aus den USA und Asien sind schwach.

Frankfurt am Main - "Bedenklich stimmt uns, dass sich die Investoren wieder voll der grassierenden Finanzkrise zuwenden könnten", schreiben etwa die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in einer aktuellen Studie. So hätten neue Hiobsbotschaften und Indizien, die auf eine stärkere Abschwächung der US-Wirtschaft hindeuteten, durchaus das Potenzial für eine stärkere Korrektur an den Börsen, hieß es.

Dass die Probleme am Markt für schlecht besicherte Hypothekenanleihen noch nicht ausgestanden seien, betonten auch die Analysten der DZ Bank in einer aktuellen Studie. Vielmehr könnte die Krise weitere Kreise als bislang gedacht ziehen und von den Banken auf die reale Volkswirtschaft überspringen, mahnte Marktstratege Robert Halver von der Bank Vontobel.

Analyst Björn Wolber von Independent Research geht vor diesem Hintergrund davon aus, dass der Dax in dieser Woche bestenfalls auf der Stelle treten wird. Wahrscheinlicher sei angesichts der volkswirtschaftlichen Belastungsfaktoren vielmehr eine leichte Abwärtsbewegung. "Die Marktteilnehmer haben bislang das Problem des hohen Euros massiv unterschätzt", ergänzte der Experte.

In dasselbe Horn stieß auch der Vontobel-Experte. "Wegen des starken Euros dürfte die Nachfrage nach dem in US-Dollar notierten Rohöl weiter steigen und den Ölpreis in die Höhe treiben", kommentierte der Experte. Sollte der Preis über die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar steigen, könnte dies zusätzlich auf die Stimmung am Markt drücken. In diesem Fall dürften auch wieder Inflationsängste aufkommen, ergänzten die LBB-Experten.

Die Konjunkturdaten der kommenden Woche geben den Experten zufolge ebenfalls wenig Anlass zum Optimismus. So sollten die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt laut Stefan Mütze von der Helaba zwar nochmals ein starkes Wachstum im dritten Quartal ausweisen. Der bereits am Dienstag auf der Agenda stehende ZEW-Index dürfte jedoch bereits für die darauf folgenden Quartale eine Abschwächung signalisieren.

Auf Unternehmensseite läuft die Bilanzsaison bei den Dax-Unternehmen langsam aus. Am Dienstag berichtet Eon  über den Geschäftsverlauf zwischen Juli und September, am Mittwoch folgen der Wettbewerber RWE  sowie Infineon . Unter den MDax-Titeln rücken ebenfalls am Mittwoch etwa die Titel von Hochtief  und der Finanzdienstleister AWD  mit Zahlen in den Blick.

Bei den Technologiewerten dürften unter anderem die Solarunternehmen für Interesse sorgen. So präsentiert am Dienstag Solon  seine Quartalszahlen, bevor Mitte der Woche Ersol  und Q-Cells  nachrücken.

Ängste in den USA

Ängste in den USA

In den USA dürfte in der kommenden Woche vor allem eine Flut von Konjunkturdaten das Börsengeschehen bestimmen. Sollten sich neue Hinweise auf eine Schwäche der größten Volkswirtschaft der Welt ergeben, droht nach Einschätzung von Marktexperten eine Fortsetzung der vergangenen, verlustreichen Handelswoche.

Analysten werden zudem die Quartalsergebnisse von Unternehmen jenseits des Finanzsektors genau studieren. Viele Anleger treibt die Sorge um, dass die Hypothekenkrise immer weitere Kreise ziehen könnte und auch andere Branchen die Auswirkungen zu spüren bekommen. Die Zahlen zu Erzeugerpreisen und Inflation dürften besonders eingängig analysiert werden. Investoren erwarten sich hier Hinweise darauf, ob die Kerninflation so weit unter Kontrolle ist, dass die US-Notenbank Fed im Dezember erneut die Zinsen senken könnte.

Den Auftakt einer Reihe von Konjunkturzahlen machen am Montag die Einzelhandelsumsätze im Oktober. Von Reuters befragte Ökonomen erwarten, dass die Umsätze 0,2 Prozent gestiegen sind. Dies wäre ein kleinerer Zuwachs als im Monat zuvor, als die Umsätze noch 0,6 Prozent anzogen. "Wir hatten eine Reihe von schlechten Zahlen, daher könnten die Einzelhandelsumsätze die Märkte schon beeinflussen", sagte Brian Stine von Allegiant Asset Management in Cleveland.

Mit Spannung erwartet werden auch die am Dienstag anstehenden neue Daten zur Entwicklung am US-Häusermarkt. Fallende Häuserpreise und steigende Energiekosten setzen den US-Verbrauchern mittlerweile zu. Am Freitag wurde bekannt, dass das US-Verbrauchervertrauen im November überraschend stark zurückgegangen ist. Der entsprechende Index fiel nach vorläufigen Berechnungen auf das niedrigste Niveau seit zwei Jahren.

Auch die Quartalszahlen von US-Einzelhändlern dürften bei den Investoren auf großes Interesse stoßen. So berichten am Dienstag die Branchenschwergewichte Walmart  und die Baumarktkette Home Depot . Auch Macy's, JC Penney und Kohl wollen in der kommenden Woche ihre Ergebnisse vorlegen.

In der vergangenen Woche hatten einige Unternehmen bereits Befürchtungen verstärkt, die Probleme auf den Kreditmärkten könnten auch auf die gesamte Wirtschaft übergreifen. So berichtete etwa der Netzwerkausrüster Cisco  von einem deutlichen Rückgang bei den Aufträgen von Banken. "Die Auswirkungen der Kreditkrise werden gerade erst spürbar", sagte Marc Heilweil von Spectrum Advisory Services in Atlanta.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

Hypothekenkrise: Welche Banken bereits bluten

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