Börsenschluss Dow verliert mehr als 300 Punkte

Ein Rekordverlust beim größten US-Autobauer General Motors hat die US-Börsen weit ins Minus gezogen. Auch neue Warnungen vor den Folgen der Kreditkrise, der hohe Ölpreis und das Rekordtief des Dollars verstärkten die Sorgen über sinkende Unternehmensgewinne. Keiner der dreißig Dow-Werte schloss im Plus.

New York - Die ungebrochene Talfahrt des US-Dollar sowie Sorgen um die Kreditkrise in den USA haben die New Yorker Aktienbörsen am Mittwoch in den Keller geschickt. Der Leitindex Dow Jones  musste zum sechsten Mal in 2007 einen Tagesverlust von mehr als 300 Punkten hinnehmen - dem stand seit Jahresanfang nur ein Anstieg von mehr als 300 Zählern gegenüber - und schloss auf dem tiefsten Stand seit knapp zwei Monaten. Keiner der dreißig Dow-Werte schloss im Plus. Händler verwiesen auf die Sorgen um das Ausmaß der Kreditkrise, die Staatsanleihen anspringen ließ und die Aktien im Gegenzug unter Druck setzte.

Der Dow Jones  brach um 2,64 Prozent auf 13.300 Punkte ein. Der Leitindex schwankte im Verlauf zwischen 13.285 und 13.646 Zählern und schloss auf Tagestief. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 2,94 Prozent auf 1475,62 Punkte. An der Nasdaq gab der Composite-Index  2,70 Prozent auf 2748 Zähler ab. Der Auswahlindex Nasdaq 100 fiel um 2,45 Prozent auf 2169 Punkte.

Finanzwerte standen wegen der Kreditkrise weiter unter Druck. Aktien der American International Group  (AIG) endeten vor der nach Börsenschluss erwarteten Bilanzvorlage mit minus 6,54 Prozent auf 58 Dollar am Dow-Ende. American Express  sackten um 5,46 Prozent auf 55,37 Dollar. Das Unternehmen kommentierte Spekulationen um die Beilegung eines Rechtsstreits mit Visa nicht. Auch die Unsicherheit um die Belastung der Citigroup  durch die US-Kreditkrise hielt an und das Papier verlor 4,76 Prozent auf 33,41 Dollar. J.P. Morgan  sackten um 4,24 Prozent auf 42,24 Dollar.

GM meldet Rekordverlust

General Motors  (GM) rutschten um 6,11 Prozent auf 33,95 Dollar ab. Der weltgrößte Autokonzern erlitt auf seinem Sanierungskurs einen schweren Rückschlag und verbuchte einen Rekordverlust. Wegen milliardenschwerer Abschreibungen vor allem auf Steuerguthaben und auch auf die früheren Autofinanzierungs-Tochter GMAC rutschte der amerikanische Autoriese im dritten Quartal mit 39 Milliarden Dollar in die roten Zahlen.

Time Warner  konnten sich nach anfänglichen Kursgewinnen nach Zahlen nicht mehr der Marktschwäche entziehen und verloren 2,89 Prozent auf 17,80 Dollar. Der Medienkonzern verzeichnete im dritten Quartal dank guter Geschäfte in der Film- und Kabelsparte solide Zuwächse. Umsatz und operatives Ergebnis stiegen, unterm Strich blieb wegen Sondereinnahmen vor einem Jahr allerdings deutlich weniger. Den Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr bestätigte der Konzern. Die Schwäche von AOL habe belastet, sagten Börsianer.

Bieterkampf um Tele Atlas

Sara Lee  verbilligten sich ebenfalls nach Zahlen um 2,88 Prozent auf 15,84 Dollar. Der Konsumgüterhersteller verkaufte und verdiente zwar im ersten Quartal des Geschäftsjahres weniger als im Vorjahr, konnte aber die Analystenerwartungen jeweils übertroffen.

Im Technologiesektor rutschen Garmin  als zweitschwächster Wert im Nasdaq 100 um 11,13 Prozent auf 89,37 Dollar ab. Der niederländische Navigationsgeräte-Hersteller TomTom  nahm den Kampf um den Anbieter digitaler Straßenkarten Tele Atlas  auf und stach mit einem höheren Gebot den US-Konkurrenten aus. TomTom habe sich gleichzeitig mehr als ein Viertel an Tele Atlas gesichert, hieß es.

Tagesverlierer waren Expeditors International of Washington  mit minus 12,04 Prozent auf 46,86 Dollar. Der Logistikkonzern hatte am Vortag Zahlen vorgelegt und die Aktien damit um 6,83 Prozent nach oben geschickt. Allerdings sei es am Berichtstag zu einer deutlichen Gegenbewegung gekommen, die Händlern zufolge durch eine Abstufung des Analysehauses Baird aus Bewertungsgründen auf "Neutral" begünstigt worden sei.

Europas Börsen im Abwärtssog

Europas Börsen im Abwärtssog

Der Dax  ging am Mittwoch mit einem Minus von 0,35 Prozent auf 7799 Punkte aus dem Handel. "Der Markt kann nicht mehr ignorieren, dass Öl auf 100 Dollar zugeht, der Dollar schwach ist und ständig neue Subprime-Meldungen kommen", sagte ein Händler.

Der EuroStoxx 50  verlor 0,16 Prozent auf 4400,34 Zähler - im Tagesverlauf schwankte der europäische Leitindex bei laut Händlern spürbar nervöserem Geschäft zwischen 4356 und 4429 Punkten. Der auch schweizerische und britische Werte umfassende Stoxx 50  gab um 0,41 Prozent auf 3758,88 Zähler ab. Der Euronext 100 fiel um 0,67 Prozent auf 1014,24 Punkte. In Paris sackte der CAC 40  um 0,46 Prozent auf 5683,22 Punkte ab. Der Londoner Leitindex FTSE 100  verteuerte sich dagegen um 0,58 Prozent auf 6512,40 Zähler.

US-Leichtöl hatte mit über 98 Dollar pro Fass ein Rekordhoch erreicht. Der Euro sprang erstmals seit seiner Einführung 1999 über 1,47 Dollar und ist damit teurer als es die D-Mark jemals gegenüber dem Dollar gewesen ist. Die US-Wirtschaft erhalte mit dem niedrigen Dollarkurs einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Europa und Japan, der nicht unerheblich sei, sagte Anlagestratege Heino Ruland vom Beraterhaus FrankfurtFinanz.

Autoaktien mit Abschlägen

Auf den Verkaufslisten der Anleger standen vor allem die Aktien der exportabhängigen Autohersteller. Der starke Euro lässt die Gewinnmargen auf dem US-Markt schrumpfen, wogegen sich die Hersteller zwar mit Sicherungsgeschäften schützen. "Aber das läuft irgendwann aus", erläuterte ein Börsianer. Der Opel-Mutterkonzern General Motors  schockte die Märkte mit einem Rekordverlust von 39 Milliarden Dollar.

Im Sog von GM gaben auch die Aktien der deutschen Autobauer ab. Die Papiere von BMW  verloren vier Prozent und verbuchten damit die größten Verluste im Dax. Schon am Vortag waren die Titel wegen schwacher Geschäftszahlen des Münchener Konzerns unter Druck geraten. VW-Aktien fielen 1,7 Prozent, Daimler-Anteilsscheine  trotz eines Rekordabsatzes der Pkw-Sparte im Oktober 0,4 Prozent.

Die Sorge vor weiteren Hiobsbotschaften von den unter der US-Hypotheken- und Kreditkrise leidenden Banken drückten Deutsche Bank  und Postbank  auf Jahrestiefststände. Der Gewinnanstieg des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (Kurswerte anzeigen) (HRE) konnte die Stimmung der Anleger nur für kurze Zeit aufhellen. HRE-Titel schlossen 2,7 Prozent im Minus. Im Vorfeld der für Freitag erwarteten Quartalszahlen verloren Allianz-Aktien  gut zwei Prozent und waren mit 142,55 Euro so günstig wie seit zwölf Monaten nicht mehr.

Henkel gegen den Trend im Plus

Verkauft wurden auch die Anteilsscheine der Lufthansa , die vier Prozent verloren. Händler sprachen von Belastungen durch den hohen Ölpreis und charttechnischen Verkaufssignalen.

Gegen den Trend stemmten sich Henkel (Kurswerte anzeigen) mit einem Plus von 3,2 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat Umsatz und Gewinn im dritten Quartal gesteigert und seine Prognose erneut angehoben.

Die Aktien von Premiere  setzten sich mit einem Minus von 12,5 Prozent an die Spitze der MDax-Verliererliste. "Aus diesem Wert ist die Wachstumsfantasie draußen", sagte ein Händler. Der Bezahlfernseh-Sender hatte am Vortag seine Geschäftsprognose wegen der Unsicherheit über die Vergabe der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga für 2008 zurückgenommen.

Mit einem Kurssturz von bis zu 6,5 Prozent reagierte die Conergy  auf die Ankündigung einer Kapitalerhöhung. Später erholten sich die Titel und schlossen ein Prozent im Plus. Börsianern zufolge wurde der Abgang von Vorstandschef Hans-Martin Rüter positiv aufgenommen, nachdem das Unternehmen kürzlich eine Gewinnwarnung veröffentlicht hatte.

manager-magazin.de mit dpa-afx und reuters

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