Märkte Commerzbank sorgt für Entspannung

Mit Erleichterung aufgenommene Geschäftszahlen der Commerzbank haben am deutschen Aktienmarkt heute für etwas Entspannung gesorgt. Der Dax verzeichnete leichte Gewinne. Trotzdem zeigen sich die Anleger weiter verunsichert.

Frankfurt am Main - "Die Zahlen der Commerzbank  haben positiv überrascht und den Markt ziemlich vom Hocker gehauen", sagte ein Händler. Der Dax  stieg am Nachmittag um 0,4 Prozent auf 7839 Punkte.

Die Zahlen der Commerzbank waren mit Spannung erwartet worden, da der Markt von ihnen Erkenntnisse über die Auswirkungen der US-Hypotheken- und Kreditkrise erwartet hatte. "Wenn kein weiteres Störfeuer von den US-Banken kommt, kann es auch wieder Richtung 8050 Punkte gehen", prognostizierte ein Börsianer.

Allerdings blieben die Marktteilnehmer skeptisch, nachdem die US-Investmentbank JP Morgan erklärt hatte, dass die Abschreibungen von an Hypotheken gekoppelten Wertpapieren bis zu 200 Milliarden Dollar erreichen könnten. "Wir müssen weiterhin mit der Unsicherheit leben, und die Subprime-Krise wird uns noch eine Weile begleiten. Wir stehen im Moment auf Messers Schneide", sagte ein Händler.

Die Commerzbank hatte trotz hoher Abschreibungen auf ihr insgesamt 1,2 Milliarden Euro schweres Portfolio im US-Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen (Subprime) den operativen Gewinn um 7 Prozent gesteigert. "Die Zahlen waren zwar vom Nettoergebnis her schwach, aber dass die Abschreibungen auf das US-Subprime-Engagement nur 291 Millionen Euro betragen, wird mit Erleichterung aufgenommen", sagte ein Händler.

Die Aktien von Deutschlands zweitgrößter Bank, die vor Veröffentlichung der Quartalszahlen unverändert notiert hatten, gewannen bis zu 4,3 Prozent und setzten sich damit an die Spitze im Dax.

BMW enttäuscht trotz Gewinnsteigerung

BMW enttäuscht trotz Gewinnsteigerung

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten bescheren der Deutschen Börse  hohe Umsätze, weshalb deren Aktie auf Höhenflug ist. "Im Moment gibt es nach oben keine Widerstände", sagte ein Händler. Die Titel stiegen um bis zu zweieinhalb Prozent auf ein Rekordhoch bei 117,40 Euro. Ebenfalls gefragt waren mit einem Aufschlag von 2 Prozent die Aktien der Deutschen Post . Laut einem Zeitungsbericht will sich der Konzern von Immobilienvermögen trennen.

Tui-Aktien  gewannen 2,5 Prozent. Von Reuters befrage Analysten erwarten, dass der Konzern im zuletzt schwachen Schifffahrtsgeschäft wieder schwarze Zahlen schreibt.

Viele Anleger blieben Händlern zufolge sehr vorsichtig, sodass der Umsatz gering war. "Der Zahlenreigen verdeckt nur vorübergehend die Sicht auf die US-Subprime-Krise", kommentierte ein Händler. "Auch wenn sich die Banken heute ein wenig erholen, bleibt der Markt angespannt." Der milliardenschwere Abschreibungsbedarf der US-Großbanken habe tief verunsichert.

Die Aktien von Bayer  profitierten nur zeitweise vom Zwischenbericht, den die meisten Analysten zum Anlass nahmen, ihre Anlageempfehlungen zu bestätigen. Zeitweise stieg der Aktienkurs um 1,7 Prozent auf 57,96 Euro. Im Verlauf drehten die Aktien aber ins Minus. Analysten verwiesen darauf, dass die Aktie in diesem Jahr schon stark gestiegen war.

Größter Verlierer im Dax waren die BMW-Aktien  mit einem Minus von gut 3 Prozent. BMW hatte seinen Gewinn vor Steuern zwar um 6,3 Prozent gesteigert, war damit aber weit hinter den Prognosen der Analysten zurückgeblieben. "Besonders die Marge des Automobilgeschäftes mit 5,4 Prozent lag deutlich hinter den Prognosen", stellte LBBW-Analyst Frank Biller fest.

Derweil erwachte das Interesse der Anleger an Stahlwerten wieder, wovon im Dax die Aktien von ThyssenKrupp  und im MDax die von Salzgitter  profitierten. "Einige Stahlhersteller wollen ihre Preise für Flachstahl ab nächstem Jahr anheben, das stützt die Kurse", sagte ein Händler. ThyssenKrupp stiegen um fast 2 Prozent auf 43,66 Euro, Salzgitter um 5,3 Prozent auf 136 Euro.

Höchststände bei Öl und Euro

Höchststände bei Öl und Euro

Im MDax verloren die Aktien von Heidelberger Druck  7 Prozent, nachdem der weltgrößte Druckmaschinenhersteller die Prognose der Analysten verfehlte. Kuka-Aktien  stiegen dagegen um knapp 8 Prozent. Der Anlagen- und Roboterbauer hatte seine Renditeerwartung für das laufende Jahr erneut angehoben.

Im TecDax  zogen die Aktien von Aixtron  um mehr als 16 Prozent an und reagierten damit auf die Prognoseanhebung des Chipanlagenbauers. Nach einem Erfolg im Rechtsstreit mit dem amerikanischen Biotechnologieunternehmen Spectrum Pharmaceuticals im Zusammenhang mit seinem Krebsmittel Satraplatin feierten die Aktien von GPC Biotech  ein Comeback: die Aktien stiegen um rund 19 Prozent auf 3,90 Euro. Händler beschrieben die Kursbewegung aber als übertrieben, Hoffnung auf eine Rettung von Satraplatin habe das Urteil nicht ausgelöst.

Der Euro ist am Dienstag auf ein neues Rekordhoch zum US-Dollar gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung kletterte am Nachmittag auf 1,4557 Dollar. Der bisherige Höchststand von vergangenem Freitag von 1,4527 Dollar wurde damit übertroffen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs am Montag noch auf 1,4488 (Freitag: 1,4479) Dollar festgesetzt.

Rekordpreis für Öl

Händler verwiesen auf die nach wie vor freundliche Stimmung am Markt für den Euro. Vor allem der hohe Abschreibungsbedarf von US-Banken und Rücktritte von Vorsitzenden hätten die US-Hypothekenkrise wieder in das Bewusstsein der Anleger zurückkehren lassen, hieß es. Nur zwischenzeitliche Unterstützung habe der Dollar am Montag von dem überraschend gestiegenen ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor erfahren.

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat am Montag einen neuen Höchststand erreicht. Ein Barrel (159 Liter) kostete nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Dienstag im Durchschnitt 88,13 Dollar, das waren 56 Cent mehr als am vergangenen Freitag (87,57 Dollar), teilte die Opec in Wien mit. Die Opec berechnet ihren Durchschnittspreis auf der Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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