Börsenschluss Rätsel Deutsche Börse

Schwache Daten vom US-Immobilienmarkt haben am Mittwoch die Kauflaune der Anleger getrübt. Finanzwerte im Dax zählten zu den Verlierern. Autotitel wie Daimler und Volkswagen verbuchten Gewinne. Star des Handelstages waren aber die Aktien der Deutschen Börse - und keiner hatte so recht eine Erklärung dafür.

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienindizes haben am Mittwoch mit Kursverlusten geschlossen. Der Dax  verlor 0,18 Prozent auf 7828 Zähler. Für den MDax  mittelgroßer Werte ging es um 1,05 Prozent auf 10.423 Punkte nach unten. Das Technologiebarometer TecDax  gab 0,75 Prozent auf 976 Zähler ab.

Nach Einschätzung von Marktstratege Stefan Hentschel vom Bankhaus Lampe hatten die schlechter als erwartet ausgefallenen Daten vom US-Immobilienmarkt am Nachmittag auf die Kurse gedrückt. So sind im September die Preise für Altimmobilien so stark gefallen wie seit 1999 nicht mehr, und auch die Zahl der verkauften Häuser fiel auf einen historischen Tiefstand zurück, teilte der nationale Maklerverband NAR am Mittwoch mit. Dies deute darauf hin, dass die Krise in den USA noch anhält.

Ansonsten sei der Handel eher "unentschiedenen" und "lustlos" verlaufen, sagte der Marktstratege. Die Anleger suchten sehr nach Orientierung, der Fokus liege auf den USA. Die Ergebnisse von Merrill Lynch am frühen Nachmittag brachten nur kurz Bewegung in den Markt - sie seien wegen der US-Kreditkrise zwar "heftig, aber nicht so heftig wie befürchtet" ausgefallen, kommentierten Händler.

Im Dax  war vor allem die Aktie der Deutschen Börse gefragt, die sich mit einem Plus von 4,6 Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner setzte. Börsianer zeigten sich weitgehend ratlos über den Anstieg. Einige verwiesen allerdings auf den nordeuropäischen Börsenbetreiber OMX , der seinen Betriebsgewinn um ein Drittel gesteigert hatte.

VW-Aktie macht wieder Boden gut

Zu den größten Dax-Gewinnern zählten zudem die beiden Autowerte Volkswagen  und Daimler . Die VW-Aktien schlossen 1,6 Prozent im Plus bei 172,55 Euro. "Das ist eine technische Gegenbewegung auf die jüngsten Verluste", sagte ein Händler. Gewinnmitnahmen nach dem Fall des VW-Gesetzes hatten die Titel des Wolfsburger Autobauers am Dienstag um 6 Prozent fallen lassen. "Wir rechnen damit, dass die Spekulationsblase beim VW-Aktienkurs platzen wird und sich eine Bewertung auf fundamental gerechtfertigtem Niveau einstellt", meinen die Analysten der LBBW. "Wir bestätigen unser Rating Verkaufen mit einem Kursziel von 132 Euro."

Daimler  legten 1,45 Prozent auf 74,30 Euro zu. Händler verwiesen auf einen Artikel im "manager magazin", demzufolge Großinvestoren Interesse an einer Beteiligung an dem Autobauer zeigten. Zudem platzierten sich bereits einige Anleger in der Hoffnung auf gute Zahlen. Die Stuttgarter geben ihre Quartalsergebnisse am Donnerstag, den 25. Oktober bekannt.

Bankenwerte notieren schwach

Bankenwerte mit Verlusten

Bei den Standardwerten verloren Commerzbank  nach dem Verkauf der französischen Tochter CCR 2,76 Prozent auf 28,54 Euro. Händlern zufolge liegt der Verkaufspreis mit 435 Millionen Euro am unteren Ende der erwarteten Spanne von 400 bis 600 Millionen Euro. Analysten begrüßten den Schritt als weitere Fokussierung auf das Kerngeschäft.

Andere Bankwerte gaben nach Spekulationen über hohe Abschreibungen weiterer US-Banken nach. Händlern zufolge wurde ein Gerücht herumgereicht, dass die Belastungen von Lehman Brothers  bei neun Milliarden Euro lägen. "Nach den Merrill-Zahlen brodelt die Gerüchteküche wieder", sagte in Börsianer. Postbank rutschten mit minus 2,94 Prozent auf 49,26 Euro ans Dax-Ende. Deutsche Bank verloren 0,74 Prozent auf 87,24 Euro.

Merck KGaA  fielen nach Zahlen um 1,37 Prozent auf 87,78 Euro. Negativ wertete der Markt laut Händlern das Ausbleiben einer Prognose für das Flüssigkristallgeschäft über 2007 hinaus. "Die Unsicherheit hält an", kommentierte ein Börsianer.

Investoren von Praktiker verunsichert

Im MDax  verloren Praktiker  nach ihrer Bilanzvorlage 5,13 Prozent auf 24,80 Euro. Der Konsolidierungsdruck wachse, sagte Vorstandschef Wolfgang Werner. Der Einbruch der Wohnungsbaukonjunktur habe die Situation der Branche verschärft. Die einst als konservativ eingestufte Jahresprognose werde zwar erfüllt, ist sich Finanzvorstand Thomas Ghabel sicher. "Es wird aber schwieriger für uns werden, sie zu erreichen."

SGL Carbon  Group stiegen nach Gerüchten um eine Prognoseerhöhung um 0,96 Prozent auf 45,14 Euro. "Das Geschäft bei SGL brummt - daher ist diese Spekulation nicht so abwegig", sagte ein Händler. Das Unternehmen lehnte einen Kommentar ab und verwies auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen am Donnerstagmorgen (25.10.).

Im TecDax  rutschten IDS Scheer  in Reaktion auf die Quartalsdaten um 2,37 Prozent auf 16,90 Euro ab. Das Software- und Beratungshaus hatte im dritten Quartal die Gewinnerwartungen verfehlt. Pfeiffer Vacuum  sackten um 7,66 Prozent auf 59,51 Euro ab, nachdem die Commerzbank das Kursziel für die Aktien vor Zahlen von 74,10 auf 69,70 Euro gesenkt hat. Die Entwicklung der Wechselkurse habe die Umsätze im vergangenen Quartal voraussichtlich belastet, schrieben die Analysten in einer Studie vom Mittwoch. Bauer gewannen im SDax  nach einer Anhebung der Gewinnprognose 7,65 Prozent auf 53,06 Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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