Börsenschluss Konjunktursorgen drücken Dax

Die deutschen Aktienindizes haben am Montag deutliche Kursverlute einstecken müssen. Erneut belasteten Konjunktursorgen im Zuge der US-Kreditkrise die Märkte, sagten Händler. Banken-Titel gaben deutlich nach. Gerüchte drückten die Anteilsscheine von Daimler.

Frankfurt am Main - Der Dax  fiel um 1,13 Prozent auf 7794 Zähler. Für den MDax  mittelgroßer Werte ging es um 1,48 Prozent auf 10.296 Punkte nach unten. Der TecDax  büßte 2,52 Prozent auf 964 Zähler ein.

Die schwächer als erwartet angelaufene US-Bilanzsaison hat die Sorgen der Anleger vor einer Konjunkturabschwächung verstärkt und auch am deutschen Aktienmarkt die Kurse belastet. Vor allem Finanzwerte gerieten am Montag unter Druck. "Einige fürchten, dass die US-Kreditkrise sich doch länger als bislang gedacht hinziehen könnte", sagte ein Händler. Von den rund 130 US-Unternehmen, die bislang ihre Zwischenberichte für das Sommerquartal veröffentlicht haben, verfehlte gut ein Viertel die Prognosen.

In Frankfurt verstimmte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller die Anleger zusätzlich mit seiner Aussage, die Belastungen aus dem Engagement am US-Hypothekenmarkt lägen wohl über den bisher genannten 80 Millionen Euro. "Das war nun wie ein Nackenschlag", fasste Bankanalyst Konrad Becker von Merck Finck die Enttäuschung der Investoren zusammen, die auf ein baldiges Ende der Krise gesetzt hatten. Aktien der Commerzbank  verloren 2,92 Prozent auf 29,26 Euro. Im Handelsverlauf hatten die Verluste bis zu 6 Prozent betragen.

Im Sog der Commerzbank fielen Aktien der Hypo Real Estate (HRE) am Dax-Ende um 3,88 Prozent auf 40,93 Euro. Der Titel werde wie andere Bankenwerte gemieden, sagte ein Händler. Möglicherweise wirke auch ein negativer Kommentar von JPMorgan vom Freitag nach.

Gerüchte belasten Daimler-Kurs

Auch Daimler  büßten 2,86 Prozent auf 71,79 Euro ein und zählten damit zu den schwächsten im Dax. Als Belastungsfaktor nannten Händler einen Bericht in der "Automobilwoche", wonach der Autobauer zur Ankurbelung des Umsatzes im vierten Quartal Rekordrabatte geben wolle. "Das erinnert an die Rabattschlacht im vergangenen Jahr, wo sich die Unternehmen gegenseitig überboten - das kommt am Markt sehr negativ an", sagte ein Börsianer.

Andere Händler sprachen von Nervosität der Anleger im Vorfeld der Quartalszahlen, die Daimler am Donnerstag veröffentlicht. "Es wurden Gerüchte gestreut, dass die Zahlen negativ überraschen würden", sagte ein Händler. "Aber unsere Analysten haben gesagt, das sei Unsinn", fügte er hinzu. Die Schätzungen der Analysten für den Quartalsüberschuss weichen stark voneinander ab.

Investoren positionieren sich vor VW-Urteil

Volkswagen  gewannen an der Dax-Spitze 1,65 Prozent auf 180,42 Euro. "Das sind jetzt die letzten spekulativen Positionierungen vor der morgigen Entscheidung um das VW-Gesetz", sagte ein Händler. Zwar sei der Fall dieses Gesetzes längst im Kurs eingepreist, einige Marktteilnehmer schienen aber trotz des "Focus"-Berichts noch auf eine sofortige Aufstockung des Porsche-Anteils zu setzen. Dem Bericht zufolge will Porsche  die zur endgültigen Machtübernahme bei VW noch fehlenden Aktienpakete erst in den nächsten Monaten erwerben und voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr.

Techem-Aktien gewinnen zweistellig

Im MDax sprangen Techem um 16,99 Prozent auf 57,56 Euro nach oben. Nach der gescheiterten Übernahme des Energiedienstleisters vor einem Jahr startet Macquarie nun einen neuen Versuch - die australische Investmentbank bietet den Aktionären 58 Euro je Aktie in bar. Ein Händler äußerte sich positiv und sprach von einem "lang erwarteten neuen Angebot von Macquarie". Die WestLB stufte die Aktie von "Reduce" auf "Add" hoch und hob ihr Kursziel auf 58 Euro. Aufgrund der von Hedgefonds dominierten Aktionärsstruktur dürfte Macquarie nun mit seiner Übernahme Erfolg haben, schrieb Analyst Ralf Dörper.

Arques Industries  verloren 4,98 Prozent auf 25,95 Euro. Für Aufregung hatte am Morgen ein Bericht von "Euro am Sonntag" gesorgt: Arques-Chef Martin Vorderwülbecke und sein Vorstandskollege Markus Zöllner wollten das Unternehmen verlassen, hieß es darin. Das Unternehmen dementierte den Bericht über Abwanderungsgedanken im Vorstand. Später gab die Beteiligungsgesellschaft bekannt, dass Markus Zöllner den Vorstand zum Jahreswechsel verlassen wird. Dann laufe auch der Vertrag aus, den Zöllner aus privaten Gründen nicht verlängere.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

Mehr lesen über