Börse Woche der Wahrheit an der Wall Street

Nach dem jüngsten Kursrutsch legen zahlreiche Schwergewichte in USA und Europa Zahlen vor. Die Nervosität unter Investoren ist gestiegen. Daimler zeigt erstmals Zahlen ohne Chrysler. Für VW könnte es sogar die wichtigste Woche der jüngeren Unternehmensgeschichte werden.

New York / Frankfurt am Main - Börsenschwergewichte wie Microsoft , Apple , die Investmentbank Merrill Lynch , Boeing , Daimler  und Volkswagen  werden in der neuen Woche mit darüber entscheiden, ob sich Dow und Dax von ihren jüngsten Verlusten erholen können.

Die vergangene Woche hatte der Dax mit einem Minus von 2 Prozent abgeschlossen, der Dow Jones  weitete nach Handelsschluss in Deutschland seine Verluste am Freitag noch stark aus und verlor auf Wochensicht 4,1 Prozent. Der Dax  dürfte am Montag daher zunächst mit Verlusten starten.

In Deutschland kommt die Berichtssaison auf Touren, während sie in den USA ihren Höhepunkt erreicht: Fast jedes dritte der im S&P 500  gelisteten Unternehmen gibt Einblick, wie sich Gewinne und Verluste im abgelaufenen Quartal entwickelt haben. Zugleich hat sich die Stimmung unter Investoren eingetrübt.

Bislang verlief die Berichtssaison eher enttäuschend, der Ölpreis passierte die Marke von 90 US-Dollar, und die Milliardenabschreibungen von US-Finanzinstituten Bank of America  und Wachovia  deuten darauf hin, dass die Kreditkrise noch nicht überstanden ist.

"Die Hoffnung, dass wir eine sehr gute Berichtssaison sehen werden, hat sich noch nicht erfüllt", sagt Fondsmanager Sven Krause von BB Invest. Vor allem die Zahlen der Citigroup  oder der Bank of America hätten die Stimmung der Investoren gedrückt. Am Mittwoch in dieser Woche folgt mit der US-Investmentbank Merrill Lynch  ein weiteres Schwergewicht aus dem US-Finanzsektor.

Starthilfe durch Apple?

Starthilfe durch Apple?

Zum Wochenauftakt stehen zunächst der MDax-Wert EADS  sowie der US-Konzern Apple  im Blick.

Während beim Airbus-Mutterkonzern EADS am Montag während einer außerordentlichen Hauptversammlung auch über eine neue Managementstruktur abgestimmt werden soll, blicken Anleger bei Apple vor allem auf die Gewinnentwicklung: Die Aktie ist im Zuge des iPhone-Hypes stark gesteigen, Anleger setzen zudem auf ein starkes Weihnachtsgeschäft.

In Deutschland wird der Pharmakonzern Merck  am Mittwoch neben den Quartalsergebnissen Details zur Integration von Serono bekannt geben. Analysten halten wegen des verschärften Wettbewerbs im Flüssigkristall-Bereich eine Senkung der Margen- und Wachstumsprognosen für möglich.

Daimler spielt befreit auf

Bei der Quartalsbilanz der Lufthansa  am Donnerstag dürften Äußerungen über weitere Zukäufe eine Rolle spielen. Zudem legt der Autobauer Daimler  am Donnerstag zum ersten Mal einen Geschäftsbericht ohne Chrysler vor, Konkurrent Volkswagen folgt zum Wochenschluss mit seinen Quartalszahlen.

In den USA richten sich am Donnerstag die Blicke auf den weltgrößten Softwarekonzern Microsoft .

Entscheidung über VW-Gesetz

VW und Porsche: Entscheidung über VW-Gesetz und SE

Noch bevor Volkswagen  am Freitag seine Quartalszahlen vorlegen wird, rückt der Konzern bereits am Dienstag in den Blickpunkt von Investoren. Dann entscheidet das höchste europäische Gericht über die Rechtmäßigkeit des VW-Gesetzes. Wenn die Luxemburger Richter das Gesetz wie erwartet kippen, ebnen sie damit den Weg für eine Mehrheitsübernahme durch den Sportwagenhersteller Porsche .

Das Land Niedersachsen sähe gleichzeitig seine seit mehr als 40 Jahren garantierte Machtposition bei Europas größtem Autohersteller geschmälert. Auch die mächtigen Arbeitnehmervertreter von VW bangen um ihren Einfluss: Sie haben Widerspruch gegen die Eintragung der Porsche Holding als Europa AG eingelegt, über den das Gericht am Mittwoch entscheidet.

Mit Hilfe der Unternehmensform der Europa AG könnte Porsche den Einfluss der VW-Arbeitnehmervertreter auch dann begrenzen, wenn der kleine Sportwagenbauer aus Zuffenhausen Europas größten Automobilhersteller mehrheitlich übernehmen sollte.

Ifo-Index und Zahlen zum US-Immobilienmarkt

Auf der Konjunkturseite steht der Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober am Donnerstag an. Der zuletzt stark gestiegene Euro dürfte die Stimmung vor allem im exportorientierten Gewerbe drücken. In den USA werden am Mittwoch sowie am Donnerstag die Statistiken zum Eigenheimabsatz im September veröffentlicht. Die Krise des Immobilienmarktes sowie die durch faule Subprime-Kredite ausgelöste Kreditkrise dürfte die Märkte noch länger als zunächst erwartet beschäftigen, hatte jüngst US-Finanzminister Henry Paulson gewarnt.

Die Erwartungen an die berichtenden Unternehmen sind also hoch. Folgen in dieser Woche weitere Enttäuschungen bei den Quartalsbilanzen, dürfte sich der Dax  bis auf weiteres von der 8000er Marke verabschieden.

Schwarze Börsentage: Die Lehren aus dem Kurskollaps

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