Börsenschluss Angst lähmt den Dax

Die deutschen Aktienindizes haben den Dienstag mit einem Minus beendet. Ein kräftiges Plus der Energiekonzerne konnte den Dax nicht über die Schwelle ziehen. Die Angst vor Kreditkrise, Euro- und Ölpreishoch belastet das Vertrauen der Anleger.

Frankfurt am Main - Die wichtigsten deutschen Aktienindizes haben am Dienstag wie schon einen Tag zuvor mit Verlusten geschlossen. Der Leitindex Dax  ging nach einem wenig bewegten Verlauf 0,09 Prozent tiefer bei 7962,64 Punkten aus dem Handel. Der MDax  der mittelgroßen Werte fiel deutlich um 1,53 Prozent auf 10.534,98 Zähler. Das Technologiewerte-Barometer TecDax  büßte 1,08 Prozent auf 1003,01 Punkte ein.

"Wir haben heute einen relativ langweiligen Handel gesehen", kommentierte Marktstratege Mirko Pillep von der Helaba das Börsengeschehen. Die Gewinne der Schwergewichte Eon  und RWE  hätten den Dax gestützt, was die Kursverluste bei Siemens allerdings beeinträchtigt hätten.

Anleger verunsichert

Die Anleger seien immer noch verunsichert wegen der gestrigen Aussagen der Citigroup  zu den Auswirkungen der Hypotheken- und Kreditmärktekrise, obwohl diese nicht wirklich überrascht hätten. Auch seien die jüngsten Bilanzen amerikanischer und europäischer Unternehmen nicht besonders gut ausgefallen. Als psychologische Belastungsfaktoren sieht Pillep zudem den starken Euro  und die hohen Ölpreise (Kurswerte anzeigen) - "irgendwann werden die Unternehmen das nicht mehr kompensieren können".

Energieversorger an der Spitze

Aktien von Siemens  gehörten mit minus 2,52 Prozent auf 92,92 Euro zu den schwächsten Werten im Dax. Händlern zufolge belastet die Gewinnwarnung von Ericsson  die Stimmung für die Aktie, auch wenn Siemens nicht mehr im Handygeschäft tätig sei. Dagegen wurden an der Index-Spitze die Versorger von den Ankündigungen höherer Energiepreise und darauf erfolgten Kurszielanhebungen beflügelt. Titel von RWE  stiegen um 2,48 Prozent auf 92,00 Euro und die von Eon  gewannen 2,39 Prozent auf 131,96 Euro. Die Citigroup hatte das RWE-Ziel von 100 auf 111 Euro gesetzt und das Eon-Ziel von 140 auf 147 Euro.

VW-Interesse an MAN?

Die MAN-Aktie  sprang am Nachmittag aus der Verlustzone und schloss 0,35 Prozent höher bei 119,01 Euro - das Tageshoch lag bei 120,48 Euro. Händler verwiesen auf neuerliche Gerüchte, Volkswagen  wolle für MAN bieten - am Markt würden diesmal als Preis 138 Euro je Aktie herumgereicht.

IKB räumt in der Bilanz auf

IKB räumt in der Bilanz auf

Im MDax erholten sich die Titel der IKB  von ihrem Verlaufstief bei 12,20 Euro und schlossen nur noch 1,34 Prozent niedriger bei 13,26 Euro. Am späten Vormittag hatten Aussagen über die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung die Aktie um mehr als 8 Prozent gedrückt. Der Chef der in Schieflage geratene Mittelstandsbank, Günther Bräunig, betonte jedoch, er wolle bereits im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Allerdings muss zunächst noch das im Sommer vorgelegte Ergebnis des Geschäftsjahres 2006/07 (Ende März) nachträglich deutlich nach unten korrigiert werden.

Personalgerücht um MTU

MTU-Aktien  übernahmen die "rote Laterne" und gaben um 4,37 Prozent auf 42,50 Euro nach. Die "Financial Times Deutschland" hatte ohne Quellenangabe berichtet, dass Bernd Kessler, der seit 2004 Vorstand für das Instandhaltungsgeschäft des Münchner Triebwerkskonzerns ist, das Unternehmen verlassen werde. Dies belaste die Aktie, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer nannte zudem charttechnische Gründe.

Leoni trotz Übernahmeplans belastet

Der Titel von Leoni  sank um 2,71 Prozent auf 44,15 Euro, nachdem der Autozulieferer die geplante Übernahme der Bordnetz-Sparte von Valeo für 255 Millionen Euro bekannt gegeben hatte. Analysten beurteilten den Kauf dennoch positiv. Tim Schuldt von Equinet sieht darin eine "große Chance", falls es dem Unternehmen gelinge, das neu erworbene Geschäftsfeld in relativ kurzer Zeit auf das Margenniveau seines eigenen Geschäfts zu bringen.

Internetprovider im Plus

Im TecDax legten dagegen die Aktien der Internetzugangsanbieter nach einem positiven Analystenkommentar von Merrill Lynch zu. Titel von United Internet  stiegen als Spitzenreiter um 3,93 Prozent auf 15,34 Euro und Papiere von QSC  gewannen 0,56 Prozent auf 3,57 Euro.

Wall Street: Warnende Worte von Bernanke

Die wichtigsten US-Börsen starteten mit Verlusten in den Handel. Händlern zufolge drückten Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke auf die Stimmung, wonach die weitere Entwicklung am Häusermarkt eine deutliche Belastung für das US-Wachstum bis in das kommende Jahr hinein darstellen werde.

Warten auf Intel und Yahoo

Nach US-Börsenschluss stehen die Quartalsberichte von IBM  und Intel  zur Veröffentlichung an. Der Computerkonzern hat nach Schätzung von Analysten im dritten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert, und der Chiphersteller hat nach Einschätzung von Analysten im dritten Quartal einen deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg verbucht.

Auch Yahoo  legt nachbörslich seine Quartalszahlen vor. Der Internetkonzern hat hingegen im dritten Quartal nach Schätzung von Analysten einen Gewinnrückgang erlitten.

Kapitalabfluss aus USA

Der Kurs des Euro  ist am Dienstag trotz Kapitalabflüssen aus den USA auf Rekordniveau unter 1,42 US-Dollar gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,4167 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,4150 (Montag: 1,4226) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete 0,7067 (0,7029) Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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