Wochenausblick Woche der Wahrheit

Zum 20. Jubiläum des Crashs vom Black Monday hoffen die Börsianer auf eine bessere Kursentwicklung. Die US-Berichtssaison beginnt mit einer Vielzahl von Quartalsbilanzen. Einige davon werden Aufschluss über das Ausmaß der Kreditkrise bieten. Das könnte auch dem Dax einen Impuls geben.

New York - Erst in den letzten Handelsminuten hat der Dax  am Freitag den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Mit 8041 Zählern und einem knappen Plus von 0,1 Prozent ging der Index aus der Sitzung. Im Wochenvergleich hat der deutsche Leitindex damit nur 39 Punkte gutgemacht. "Dass es so lange seitwärts geht, ist schon ungewöhnlich", sagte ein Händler. "Bald wird eine starke Bewegung folgen - aber es zeichnet sich noch nicht ab, in welche Richtung es gehen wird."

"Die ganze Woche war der Handel sehr ruhig, es herrschte deutliche Zurückhaltung vor dem Start der US-Berichtssaison", sagte Stefan Söllner von der Postbank. Hier gebe es durchaus das Potenzial für positive Überraschungen. Sollten die Schätzungen deutlich geschlagen werden, könne der Knoten auch auf dem deutschen Markt aufgehen und die Chance auf neue Höchststände eröffnen, so der Experte. Aufgrund dieser Hoffnungen hätten sich im Schlusshandel einige Anleger bereits positioniert, fügte ein Börsianer an.

Erst die für kommenden Donnerstag angekündigten Quartalszahlen von SAP  werden seiner Ansicht nach die Richtung vorgeben. Davor lassen bereits zahlreiche US-Unternehmen ihre Bücher blicken. Mehr als 80 Firmen allein aus dem S&P 500  präsentieren ihre Quartalsergebnisse, hinzu kommen Hunderte mittlere und kleinere Unternehmen.

Den Anfang macht am Montag die Citigroup . Analysten erwarten von deren Quartalsbericht allerdings keine großen Überraschungen. "Citigroup hat Anfang Oktober eine Gewinnwarnung herausgegeben. Damit ist die Katze aus dem Sack", sagt LBBW-Analyst Steffen Neumann. Dennoch sieht er der kommenden Woche zuversichtlich entgegen "Die Berichtssaison steht unter einem guten Stern", sagt er. "Ingesamt werden die Quartalszahlen wohl ein positiver Treiber sein."

Auch von der Vierteljahresbilanz der Bank of America  und von J.P. Morgan Chase  erhoffen sich Anleger weitere Auskünfte darüber, wie hart die Hypothekenkrise im Sommer zugeschlagen hat. Zudem wird der Pharmasektor im Fokus stehen: So informieren Pfizer , Eli Lilly , Wyeth  und Johnson & Johnson  über ihren Geschäftsverlauf. In der Technologiebranche legen unter anderem Intel , Advanced Micro Devices (AMD) , Yahoo , Ebay  und Google  Zahlen vor.

Entscheidend wird nach Auffassung von Analysten einmal mehr, welche Prognosen die Firmen ausgeben. Einige Unternehmen würden wohl ihre Gewinnerwartungen herunterschrauben, sagte Bob Millen von The Jensen Portfolio. "Wenn ihre Zahl signifikant ausfällt, dann denke ich nicht, dass der Markt darauf sehr freundlich reagieren wird." Vor allem Konzerne, die ihre Erlöse überwiegend in den USA erwirtschafteten, dürften es schwer haben, sagte er.

Erinnerung an Black Monday

Erinnerung an Black Monday

Neben der Masse von Quartalszahlen stehen auch wieder eine Vielzahl von Konjunkturdaten an. Besonderes Augenmerk dürften die für Mittwoch angekündigten Wohnbaubeginne auf sich ziehen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Rückgang im September im Vergleich zum Vormonat. Viele Experten gehen davon aus, dass der Abwärtstrend am Immobilienmarkt bei weitem noch nicht vorbei ist.

Ebenfalls am Mittwoch stehen zudem Angaben zur Entwicklung der Verbraucherpreise und der Realeinkommen an. Die US-Notenbank legt ihr "Beige Book", in dem die zwölf regionalen Zentralbanken über die Wirtschaftsaktivität in ihrer Region berichten. Anleger werden genau darauf achten, ob sich hier Hinweise für die weitere Zinsentwicklung in den USA ergeben.

Für unangenehme Erinnerungen dürfte der 20. Jahrestag des "Schwarzen Montags" sorgen. Am 19. Oktober 1987 brach der Dow Jones  ganze 22,6 Prozent ein. Börsianer zeigten sich aber zuversichtlich, dass es nicht erneut zu einem Börsenkrach wie damals kommen werde. "Die Märkte sind heute ausgeklügelter und das Risiko breiter gestreut", sagte Millen.

Am Freitag schlossen die US-Börsen nach positiv bewerteten Konjunkturdaten mit Gewinnen. Auch Unternehmensnachrichten stützten den Markt. Der Dow Jones kletterte 0,56 Prozent auf 14.093 Punkte. Im Handelsverlauf pendelte er zwischen 14.013 Punkten und 14.101 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,48 Prozent auf 1561 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq Composite  notierte mit 2805 Punkten 1,21 Prozent fester. Im Wochenverlauf gewannen der Dow 0,2 Prozent, der S&P500 0,3 sowie der Nasdaq 0,9 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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