TecDax Höher als 1000 Punkte

Der Technologieindex TecDax durchbricht die 1000-Punkte-Marke. Unter anderem dank der Solaraktien. Ohne Risiken ist diese Konzentration nicht, mahnen Experten. Doch Vergleiche mit der geplatzten Internetblase lehnen sie entschieden ab.

Frankfurt am Main - Den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten zum Trotz hat der Technologieindex am Montag ein neues Rekordhoch markiert. Fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes überwand der TecDax  als Nachfolger des Nemax 50 die Marke von 1000 Punkten.

Allein im vergangenen Jahr legte der Index rund 300 Punkte zu. Mit einem Gewicht von rund 30 Prozent haben vor allem Aktien aus der Solarbranche zu dem Schub beigetragen. Von einer "Solar-Blase", die ebenso verpuffen könnte wie seinerzeit die Hoffnungen in die Internet-Titel am Neuen Markt, kann aber Experten zufolge nicht die Rede sein.

Der Aufschwung im TecDax im vergangenen Jahr habe sicher mit der hohen Gewichtung der Solarwerte zu tun, sagt Marktstratege Volker Borghoff von HSBC Trinkhaus. Der Trend am Gesamtmarkt gehe eindeutig zu solchen Werten, die ein hohes Wachstum aufweisen. Deshalb werde das Technologiebarometer auch von der guten Stimmung für diese Titel getrieben. Zukunftsbranchen wie erneuerbare Energien seien entsprechend sehr gefragt. Diese profitieren nach Einschätzung von Helaba-Marktstratege Christian Schmidt von verschiedenen Faktoren. Neben dem hohen Ölpreis habe auch die Diskussion um Kohlendioxid und Klimawandel die Stimmung für die Branche angeheizt. Selbst in den USA sei das Interesse an erneuerbaren Energien erwacht.

"Wir sehen für die Solarbranche weitere Chancen und gehen von weiteren Kurssteigerungen aus", sagt Branchenexperte Hartmut Moers von Sal. Oppenheim. Die Aktien seien zwar derzeit nicht billig, der Trend weise aber klar nach oben. Das Marktumfeld für die Solarbranche sei dank der politischen Unterstützung sehr attraktiv. "Es gibt den politischen Willen, in diesem Bereich weiter auszubauen", sagt Moers. Das helfe den Unternehmen, die Gewinne zu steigern.

Falsche Gewichtung?

Das große Gewicht von Solarunternehmen und alternativen Energien im Technologie-Index sieht Aktienhändler Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel hingegen kritisch. "Der TecDax wird viel zu sehr von Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien dominiert", sagt er. Die Diversifikation, die einen Index auszeichnen sollte, sei nicht mehr gegeben. So spiegele das Technologiebarometer die Entwicklung von Titeln aus der Biotechnologie- oder Telekommunikations-Branche nur unzureichend wider.

Als Nachfolger des Nemax 50 bildet der TecDax seit März 2003 die Entwicklung der 30 größten Werte aus den Technologie-Branchen ab. Eingeführt wurde das Technologie-Barometer nach dem Ende des Neuen Marktes im Zuge der Neusegmentierung der Deutschen Börse . Seit dem Eröffnungsstand von rund 345 Punkten hat sich der Index kontinuierlich nach oben entwickelt. Mit seinem neuen Rekord ist er allerdings noch weit von dem Höchststand des Nemax 50 entfernt, der im Jahr 2000 kurz vor dem Platzen der "dot.com-Blase" über die 9000 Punkte-Marke schoss.

Doch obwohl sich einige Titel aus dem Neuen Markt in dem Index gehalten haben, ist der TecDax nach Ansicht der Experten kein Nemax 50 im neuen Kleid. HSBC-Experte Borghoff: "Die Branchenstruktur in dem Index hat sich völlig verändert." Außerdem seien die früher im Nemax vertretenen Software-Unternehmen in einem viel früheren Stadium ihrer Unternehmensgeschichte an die Börse gegangen. Firmen, die jetzt im Technologie-Index zu finden seien, hätten sich bereits in ihrem Marktsegment etabliert. Die Situation am Neuen Markt sei eine völlig andere gewesen, betont auch Sal. Oppenheim-Experte Moers. "Wenn Sie die heutigen Solarunternehmen mit dem damaligen Internetunternehmen vergleichen, sehen Sie das deutlich", erklärt er. "Die Solarwerte haben bis zu 30-prozentige Margen, während die Internetunternehmen damals nur Geld verbrannt haben."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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