Börsenschluss Im Schlepptau der Wall Street

Positive US-Konjunkturdaten haben dem Dax Auftrieb gegeben und ein kräftiges Plus beschert - dem hohen Ölpreis und dem starken Euro zum Trotz. An der Spitze der Gewinnerliste stehen die Aktien der Deutschen Börse. Dagegen mussten vor allem die Papiere der Münchener Rück Verluste hinnehmen.

Frankfurt am Main - Im Schlepptau der Wall Street hat auch der Dax  am Donnerstag deutliche Kursgewinne verbucht. Mit 7535,97 Punkten ging der Leitindex 0,8 Prozent höher aus der Sitzung.

Händlern zufolge fiel den Investoren am Nachmittag mit Veröffentlichung der wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten ein Stein vom Herzen. Zwar hatten mehr US-Bürger als noch eine Woche zuvor Arbeitslosenhilfe beantragt, aber es waren nicht so viele, wie Analysten erwartet hatten. Nach dem Schock vom vergangenen Freitag, als der US-Arbeitsmarktbericht katastrophal ausgefallen sei, seien schlechtere Daten befürchtet worden, sagte ein Händler.

Noch am Morgen hatten die Skeptiker den Dax unter 7500 Punkte gedrückt. Die Gemengelage aus einem Euro  auf Rekordniveau, einem Ölpreis von über 80 Dollar und der anhaltenden Angst vor einer Ausweitung der US-Immobilienkrise hatte den Markt belastet.

Deutsche Börse an der Dax-Spitze

Größter Gewinner im Dax war die Aktie der Deutschen Börse , die sich um 3,3 Prozent auf 80,93 Euro verteuerte. Zum einen profitierte der Titel von der Nachricht, dass der Börsenkonzern nicht an den zum Verkauf stehenden Anteilen am Londoner Konkurrenten LSE  interessiert sei. Einem Sprecher der Börse zufolge will sich das Unternehmen nicht am Poker um die von der Nasdaq angebotenen LSE-Anteile beteiligen. "Die Unsicherheit über die weitere Strategie der Börse in diesem Punkt ist damit raus aus dem Markt", sagte ein Händler.

Zum anderen wurde berichtet, dass die Konkurrenz Probleme habe: Der Start der von sieben europäischen Investmentbanken geplanten gemeinsamen Aktienhandelsplattform "Turquoise" müsse wegen technischer Probleme bis in den nächsten Sommer verschoben werden, berichtete das "Handelsblatt". "Das ist natürlich eine gute Nachricht für die Deutsche Börse", sagte ein Händler.

Auch Aktien aus dem Energie- und Versorgungssektor waren gefragt. Diese Aktien profitierten Börsianern zufolge von der Risikoscheu der Anleger. "Aktien aus diesem Sektor so wie Eon  und RWE  sind in einer solchen Situation häufig ein sicherer Hafen, in den sich die Anleger zurückziehen und warten, bis der Sturm vorüber ist", sagte ein Händler. RWE legten 1,4 Prozent zu, Eon verteuerten sich um 1,1 Prozent.

Auch die DaimlerChrysler-Aktie  gehörte zu den Gewinnern. Sie verteuerte sich angesichts des Medienrummels um die IAA um 1,2 Prozent. Die meisten Finanztitel waren weniger beliebt. Vor allem die Aktie der Münchener Rück  stand auf den Verkaufslisten der Anleger, nachdem sich die Analysten von Goldman Sachs  negativ zu dem Titel geäußert hatten.

Nebenwerte hinken hinterher

Anders als der Dax schafften die Nebenwerte es nicht ins Plus: Der MDax  wies am Abend ein Minus von 0,1 Prozent auf, und der TecDax  gab um 0,6 Prozent nach. Im MDax stand die Premiere-Aktie  im Mittelpunkt.

Die Papiere des Bezahlfernsehsenders fielen zeitweise um mehr als 2 Prozent zurück und gingen mit einem Abschlag von 1,3 Prozent aus der Sitzung. Medienberichten zufolge will der Sportrechtevermarkter Sportfive, der zum französischen Mischkonzern Lagardère gehört, um die nächsten TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga mitbieten. "Die Unsicherheit angesichts der Rechteversteigerung wird anhalten, bis die Versteigerung zu Ende ist. Deswegen erwarten wir, dass die Premiere-Aktie bis dahin etwas unter Druck stehen wird", erläuterte Cheuvreux-Analyst Felix Braune.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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