Börsen "Bedeutender Abwärtsdruck"

Zu Wochenbeginn ist der Dax klar unter die Marke von 7400 Punkten gerutscht. Dem deutschen Leitindex fehlt die Kraft, sich gegen erneut schwache US-Daten zu stemmen. Autowerte geraten unter Druck.

Frankfurt am Main - Der Dax  gab bis Handelsschluss auf Xetra 0,8 Prozent nach und fiel auf 7375 Zähler. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann verlor 1,2 Prozent, während der MDax  seine Talfahrt mit einem Minus von 1,7 Prozent beschleunigte und auf 9850 Punkte fiel.

Druck auf die Wertpapiere wäre vor allem am späteren Nachmittag nach Aussagen zur Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten am Nachmittag gekommen, sagten Händler.

Die US-Wirtschaft ist nach Einschätzung der Gouverneurin der regionalen Notenbank von San Francisco, Janet Yellen, einem "bedeutenden Abwärtsdruck" ausgesetzt. Der schwache Häusermarkt und die Turbulenzen am Finanzmarkt belasteten die US-Konjunktur, sagte sie. "Die Maßnahmen der US-Notenbank waren zwar hilfreich, aber kein Allheilmittel."

Händler verwiesen zudem darauf, dass Medienberichte zur Bankenbranche die Stimmung am Markt belasteten. Unter anderem verwiesen sie dabei auf Befürchtungen der Institute, dass sich deren Liquiditätsprobleme verschärfen könnten.

Banker befürchteten, dass ein Großteil dieser Kredite nicht verlängert würde und dass die Geldinstitute große Teile dieser Darlehen in die eigenen Bücher nehmen müssten.

Deutsche Bank und IKB weiterhin schwach

Zu den größten Verlierern unter den Bankentiteln zählten die Papiere der Mittelstandsbank IKB , die im MDAX um mehr als 3 Prozent Euro nachgaben. Ein Händler sah in den Verlusten nichts Ungewöhnliches: "Die Aktie schwankt seit drei bis vier Wochen zwischen 13,30 und 14,00 Euro. Sie steht derzeit, wie allgemein die Bankenwerte, auf der Verkaufsliste." Ernsthaft Druck erwartet er erst, falls die Aktie unter die Marke von 13,00 Euro fallen sollte.

Die Aktien der Deutschen Bank  fielen im Leitindex unter die Marke von 90 Euro. Die zuversichtlichen Aussagen von Vorstandschef Josef Ackermann, dass die Ziele für 2008 erreicht werden dürften, konnten dem negativen Trend nicht entgegenwirken.

Versorger klettern gegen den Trend

Die Versorger-Aktien gehörten zu den wenigen Gewinnern am Markt: Der Anteilsschein von Eon  konnte sich ebenso wie das Papier von RWE  behaupten.

Händler sagten, dass defensive Titel wie diese gern in Schwächephasen gekauft würden. Hinzu kamen Übernahmefantasien in der Branche: Hutchison Whampoa soll laut "Sunday Telegraph" für den britischen Versorger United Utilities bieten.

Rückversicherer schwach

Rückversicherer unter Druck

Die Aktien der Rückversicherer gaben ebenfalls nach. Die Aussagen von Vorständen während des Branchentreffens "Rendez-Vous de Septembre" in Monte Carlo hätten insgesamt kaum Neuigkeiten enthalten, sagten Händler und Analysten übereinstimmend. Die Titel des Rückversicherers Münchener Rück  sanken um 0,18 Prozent auf 125,77 Euro, die Anteilsscheine der Hannover Rück  fielen um 0,75 Prozent auf 32,91 Euro.

Die beiden Branchengrößten Münchener Rück und Swiss Re hätten mit Blick auf die Prämien und Preise zur Risikoabsicherung "einen gewissen Spielraum nach unten angedeutet, was aber zu erwarten war", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck & Co.

Stahlwerte abgestuft

ThyssenKrupp  verloren 1,55 Prozent auf 39,98 Euro. Händler verwiesen auf eine negative Studie zum Branchenkollegen ArcelorMittal, die auf die Stimmung für die Stahlwerte drücke.

Salzgitter  gaben 1,30 Prozent auf 139,00 Euro ab. Die Analysten von Citigroup  stuften die Aktie von ArcelorMittal ab und begründeten dies mit derzeit fehlenden positiven Kurstreibern.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,13 (Freitag: 4,22) Prozent. Der Rentenindex stieg um 0,48 Prozent auf 115,92 Punkte. Der Bund Future sank um 0,03 Prozent auf 114,42 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3795 (Freitag: 1,3696) Dollar fest. Der Dollar kostete 0,7249 (0,7301) Euro.

Autowerte im Blickpunkt

Autowerte im Blickpunkt

In den kommenden Tagen könnten die Autowerte stärker in den Blickpunkt rücken, da die Automesse IAA am Donnerstag in Frankfurt ihre Pforten öffnet, sagte ein Börsianer. Die Aktien von BMW  gaben um 0,5 Prozent nach, die Papiere des Autozulieferers Continental  verloren gut 1 Prozent. Zu den schwächsten Papieren im Dax zählten die Titel von DaimlerChrysler  mit einem Verlust von knapp 2 Prozent.

Auf den Einkaufslisten der Anleger standen die Papiere von Bayer  weit oben. Die Titel des Chemie- und Pharmakonzerns gewannen ein Prozent.

Im Technologieindex TecDax  knüpften die Aktien von GPC Biotech  an ihre Kursverluste von Freitag an und fielen um gut 2 Prozent. Vor der Abwärtsbewegung hatten die Papiere des Biotechunternehmens jedoch seit Ende August bis zu 60 Prozent an Wert gewonnen.

Der Kurs des Euro hat am Freitag nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten gegenüber dem US-Dollar deutlich zulegen können und die Marke bei 1,37 Dollar überwunden. Am Abend wurde die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,37-72 Dollar gehandelt. Am Montagmorgen präsentierte sich die europäische Gemeinschaftswährung nahezu unverändert.

Der US-Ölpreis ist am Montag leicht gesunken, hat aber weiter deutlich über 76 US-Dollar notiert. In der laufenden Woche stehe vor allem das reguläre Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) am Dienstag in Wien im Blickpunkt, sagten Händler. Allerdings rechnen Experten mehrheitlich nicht mit einer Erhöhung der offiziellen Förderquoten seitens des Ölkartells.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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