Märkte Börse zittert vor Kreditklemme

Die Zinssignale der Zentralbanken lösen paradoxe Reaktionen an den Börsen aus. Einerseits beruhigt die gewonnene Liquidität, andererseits wächst die Sorge um das Ausmaß der Kreditkrise. In Japan fielen die Kurse vor allem der Bankaktien, der Dax beginnt den Tag im Minus.

Frankfurt am Main - Der Dax  hat am Freitag zur Handelsbeginn leicht nachgegeben. Der deutsche Leitindex rutschte um 0,3 Prozent auf 7600 Punkte. MDax  und TecDax  schwankten zu Handelsbeginn um ihre Vortagsniveaus. Für den Index der mittelgroßen Werte ging es um 0,04 Prozent auf 10.254,90 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index sank um 0,02 Prozent auf 929,69 Zähler.

Die Verluste in Tokio belasteten die Stimmung etwas, zumal es an ausgleichenden Impulsen der US-Börse fehle, sagte ein Händler. Am Donnerstag hatte der Dax nach schwankendem Handelsverlauf 0,44 Prozent auf 7621,72 Punkte gewonnen. Der Dow Jones  hatte sich nach Xetra-Handelsende kaum verändert und schloss gut behauptet mit 0,4 Prozent Plus auf 13.363 Punkten.

US-Konjunkturdaten und positive Umsatzzahlen aus dem Einzelhandel stützten die Kurse. Während die Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der abgelaufenen Woche stärker als erwartet gesunken war, stieg die Produktivität außerhalb des Agrarsektors im zweiten Quartal deutlicher als vorhergesagt. Auch die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor im August hatte sich überraschend aufgehellt. "Jetzt warten die Anleger auf die Arbeitsmarktdaten für den August", sagte John O'Donoghue von Cowen & Co. Die Zahlen, die heute Nachmittag veröffentlicht werden, gelten im Markt als die wichtigsten Konjunkturdaten für die laufende Woche.

Japan in Sorge vor Kreditklemme

Die Börsen in Tokio haben sich am Morgen dagegen schwach entwickelt, der Nikkei  schloss mit minus 0,8 Prozent. Händler nannten die anhaltenden Sorgen vor einer Kreditklemme als Grund. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England hatten am Donnerstag die Zinsen unverändert gelassen. Es sei zu früh, den Schaden durch die internationale Kreditkrise abzuschätzen, hieß es zur Begründung.

Wenn sich die grundlegende wirtschaftliche Lage nicht ändere, könne die Geldpolitik als akkommodierend angesehen werden, sagte Direktoriumsmitglieds Lorenzo Bini Smaghi laut der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" vom Freitag. Der langfristige Geldmarkt funktioniere immer noch nicht richtig. Daher sei die EZB zu Interventionen bereit, zitierte ihn das Blatt. Der frühere US-Notenbank-Chef Alan Greenspan bezeichnete die aktuelle Finanzkrise laut einem Bericht des "Wall Street Journal" als in mehrerer Hinsicht "identisch" zum Börsencrash von 1987 und der Marktkrise von 1998.

"Die Entscheidung der EZB, die Zinssätze stabil zu halten, hat gezeigt, dass die Sorgen wegen einer Kreditklemme infolge der Probleme mit zweitklassigen Hypotheken immer noch da sind", sagte Hiroaki Kuramochi von Bear Stearns. "Das löst Verkäufe von Bankaktien in Tokio aus." Zu den Verlierern gehörte das Papier des Instituts Mizuho Financial . Es verbilligte sich um 2,9 Prozent. Dagegen stieg der Kurs von Mitsubishi UFJ Nicos  um 6,2 Prozent. Das Wirtschaftsblatt "Nikkei" hatte berichtet, die Mitsubishi UFJ Financial Group wolle alle Aktien ihrer Kreditkartensparten kaufen, die sie noch nicht besitzt.

Nachspiel für Daimler

Nachspiel für Daimler

In Deutschland stehen Linde-Aktien  im Blick. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, wonach die Eingliederung des britischen Konkurrenten BOC geringere Kosten als zuvor veranschlagt verursache. "Eine positive Nachricht", kommentierte ein Börsianer.

Papiere von DaimlerChrysler  dürften nach einem Zeitungsbericht in Bewegung geraten. Zwei Jahre nach dem Führungswechsel in dem Autokonzern hat das Vorgehen beim Rückzug des früheren Vorstandschefs Jürgen Schrempp einem Pressebericht zufolge doch noch ein Nachspiel für das Unternehmen.

Nach Informationen des "Handelsblatts" aus Unternehmenskreisen hat die Finanzaufsicht Bafin ein Bußgeld in sechsstelliger Höhe gegen den Autobauer verhängt. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gehe davon aus, dass bei der Veröffentlichung der Führungspersonalie am 28. Juli 2005 die Pflichtmitteilung für die Finanzmärkte zu spät veröffentlicht wurde. Das Unternehmen bestätigte die Meldung, nahm zur Höhe des Bußgelds aber keine Stellung.

SAP zieht Aktien ein

Der Softwarehersteller SAP  reduziert sein Grundkapital. Es würden 23 Millionen Aktien eingezogen, teilte das Unternehmen am Freitag auf seiner Internet-Seite mit. Das entspreche rund 1,8 Prozent des bisherigen Grundkapitals. Bei SAP war zunächst niemand für weitere Details zu erreichen.

Im MDax stehen Details zur geplanten Kapitalerhöhung von Premiere  im Blick. Der Bezahlfernseh-Anbieter beschafft sich für die anstehende Versteigerung der Bundesligarechte für die Spielzeiten 2009/10 bis 2011/12 wie angekündigt frisches Geld. Das Grundkapital wird Unternehmensangaben zufolge von derzeit 98,4 Millionen Euro um nominell 14,06 Millionen Euro auf 112,46 Millionen Euro erhöht. "Die Belastung für die Aktie dürfte sich in Grenzen halten, da Premiere ein höheres Transaktionsvolumen angekündigt hatte", kommentierte ein Börsianer. Auch ein anderer Händler sieht die Details weitgehend "in line". Für eine abschließende Beurteilung gelte es den Bezugspreis abzuwarten.

Hannover Rück warnt vor Konkurrenzkampf

Papiere der Hannover Rückversicherung  sollten im Auge behalten werden. Die Hannover Rück erwartet in der Vertragserneuerungsrunde für das Jahr 2008 einen deutlich härteren Konkurrenzkampf der Rückversicherer in Deutschland. "Dabei geht es vor allem um die Kraftfahrt-Rückversicherung", sagte Vorstandsmitglied Michael Pickel der "Financial Times Deutschland" (Freitag). Die ersten Verhandlungen über die Verträge für 2008 werden ab Sonntag auf dem Welt-Rückversicherungstreffen in Monte Carlo geführt. "Die Bewertung der Aktie impliziert, dass die Anleger der Jahresprognose ohnehin nicht ganz trauen", kommentierte ein Händler. Vor Ergebnissen aus der Rückversicherungsrunde sei mit Zurückhaltung zu rechnen.

Der Euro-Kurs  hat am Donnerstagabend gegenüber dem vorherigen Hoch wieder etwas nachgegeben. Am Nachmittag hatte der Euro nach positiven US-Konjunkturdaten deutlich zulegen können und war bis kurz über die Marke von 1,37 Dollar gestiegen. Im späten Handel wurden für die europäische Leitwährung noch 1,3684 US-Dollar bezahlt.

Der US-Ölpreis notiert wieder unter der Marke von 77 US-Dollar, nachdem er am Donnerstag zeitweise über diese Marke gestiegen war.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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