Börsenschluss Dax im Sog der Wall Street

Kursverluste an der Wall Street haben am Dienstag die Anleger auch in Deutschland zum Ausstieg aus dem Aktienmarkt veranlasst. Konjunkturdaten, die mitunter besser als erwartet ausfielen, zeigten bei den Investoren keine Wirkung. Die Angst vor den Folgen der US-Hypothekenkrise drückte vor allem Finanzwerte ins Minus.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag in einem anhaltend ruhigem Handel mit Verlusten geschlossen. Der Dax  hatte lange in einem engen Band von 7440 bis 7477 Punkten gependelt und gab zum Handelsschluss angesichts sinkender Kurse an der Wall Street 0,74 Prozent auf 7430 Zähler nach. Der MDax  rutschte am frühen Nachmittag wieder unter die Marke von 10.000 Punkten und verlor am Ende 1,82 Prozent auf 9898 Zähler. Für den TecDax  ging es um 1,97 Prozent auf 885 Punkte nach unten.

"Die Konsolidierungsphase hält an", sagte Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser. Die Anleger befänden sich aus Furcht vor weiteren negativen Überraschungen im Bereich der schlecht besicherten US-Immobilienkredite immer noch in abwartender Haltung, hieß es. Vor diesem Hintergrund konnten auch etwas besser als erwartete Konjunkturdaten kaum für Schwung sorgen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August geringer als vorhergesagt eingetrübt. In den USA ist das Verbrauchervertrauen in diesem Monat weniger stark als prognostiziert zurückgegangen, rutschte gleichwohl auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Der Index fiel im August auf 105 von revidiert 111,9 Zählern im Juli, wie das Forschungsinstitut Conference Board am Nachmittag (MEZ) mitteilte. Das Institut erklärte, US-Bürger beurteilten die Lage am Arbeitsmarkt schlechter als im Vormonat. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Zum Xetra-Handelsschluss in Deutschland notierten die Aktienindizes an der New Yorker Wall Street klar in der Verlustzone. Der Dow Jones  gab um 1,1 Prozent auf 13.179 Punkte nach. Der technologielastige Nasdaq Composite rutschte um 1,4 Prozent auf 2525 Zähler ab.

Aktien der Deutschen Post  gerieten nach einer Abstufung von Goldman Sachs unter Druck und verloren am Dax-Ende 2,79 Prozent auf 20,88 Euro. Die US-Bank senkte die Titel von "Buy" auf "Sell" und setzte sie auf ihre "Conviction Sell List". Die Experten gehen von sinkenden Umsätzen und Gewinnmargen nach der Liberalisierung des deutschen Briefmarktes aus.

Die Angst vor weiteren Verstrickungen deutscher Banken in die US-Immobilienkrise - mit der Mittelstandsbank IKB und der Sachsen LB sind bereits zwei Häuser in Engpässe geraten - bekamen Deutsche Bank  besonders zu spüren: Die Aktien verloren 1,70 Prozent auf 90,05 Euro. Aber auch Allianz  - Mutterkonzern der Dresdner Bank - verloren 1,20 Prozent, Hypo Real Estate  1,40 Prozent und Postbank  2,30 Prozent. Die im MDax notierten IKB büßten gut drei Prozent ein.

Versatel brechen zweistellig ein

Premiere weitet jüngste Kursverluste aus

RWE  legten hingegen als einer der wenigen Gewinner im Dax  0,37 Prozent auf 80,48 Euro zu. Der Versorger ist bei dem geplanten Börsengang seiner US-amerikanischen Tochter American Water einen Schritt weiter gekommen. RWE will beim Verkauf einer ersten Tranche bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar einnehmen. In Reaktion auf die Einreichung entsprechender Unterlagen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC bestätigte Analyst Theo Kitz die Anteile des Versorgers mit "Buy".

Im MDax  weiteten Aktien von Premiere  ihre jüngsten Kursverluste aus. "Die Reaktionen auf die Kapitalerhöhung vom Freitag bleiben negativ", sagte ein Händler. Mehrere Analysehäuser reagierten mit Kurszielsenkungen, zuletzt verringerte Lehman Brothers das Kursziel am Dienstag von 23,00 auf 21,50 Euro. Die Aktien gaben 6,76 Prozent auf 15,18 Euro nach.

Im TecDax  sanken die Aktien von Adva  mit dem Gesamtmarkt in die Verlustzone und gaben 1,49 Prozent auf 5,96 Euro nach. Damit schlugen sich die Titel jedoch besser als das Technologiewerte-Barometer. Händler verweisen auf eine positive Studie der WestLB, in der das ohnehin deutlich über dem aktuellen Kurs liegende Ziel nochmals angehoben worden sei.

Außerhalb der Dax-Familie brachen Versatel  nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung um 28,47 Prozent auf 10,50 Euro ein. Der Neuling im Prime Standard begründete die niedrigeren Einnahmen mit einem schwächeren Umsatzwachstum bedingt durch Preisverfall. Die Zahlen seien so schlecht, dass der Finanzvorstand es zum Zeitpunkt der bisherigen Zielvorgabe im Juni eigentlich gewusst haben müsste, sagte ein Analyst.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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