Märkte Börsen bleiben am Tropf der Fed

Die US-Notenbank hat am Donnerstag weitere 17 Milliarden Dollar ins Bankensystem gepumpt. Anleger kalkulieren bereits fest mit einer Senkung der US-Leitzinsen, bleiben aber dennoch nervös: Der Dax schließt knapp im Plus, die Aktie der Deutschen Bank rutscht weiter ab.

Frankfurt am Main - Die US-Währungshüter stellten den Finanzinstituten mit ihrer erneuten Geldspritze in dieser Woche im Rahmen ihrer normalen Refinanzierungsgeschäfte insgesamt bereits 26,50 Milliarden Dollar zur Verfügung. Vor zwei Wochen schoss die Fed den Banken innerhalb weniger Tage noch mehr als doppelt soviel zu.

Auch die Europäische Zentralbank stellte dem Euro-Geldmarkt am Donnerstag erneut Liquidität zur Verfügung und zwar 40 Milliarden Euro im Rahmen eines Kreditgeschäfts mit einer Laufzeit von 91 Tagen.

Der Dow Jones  notierte bis 17.45 Uhr MESZ 0,3 Prozent im Minus, während der Nasdaq Composite  um 0,7 Prozent nachgab.

Dax rettet dünnes Plus - Erholung seit fünf Tagen

Der deutsche Leitindex Dax , der zeitweise 1,1 Prozent zugelegt hatte, schloss auf Xetra noch 0,2 Prozent fester bei 7511 Punkten. Der Index hatte bereits in den vergangenen vier Handelstagen jeweils im Plus geschlossen.

Die US-Hypothekenkrise hatte weltweit Befürchtungen vor Engpässen bei der Kreditversorgung aufkommen lassen. Da sich auch die Banken untereinander nur noch zurückhaltend Geld liehen, griffen die Notenbanken rund um den Globus vor zwei Wochen massiv ein und pumpten Milliardensummen in den Markt. Dies führte an den Börsen zu einer Stabilisierung.

Weiter Skepsis gegenüber Deutscher Bank

Im Dax profitierten vor allem die Aktien, die zuletzt stark gelitten hatten, von der Erholung - mit Ausnahme der Titel der Deutschen Bank . "Einige Anleger sind besorgt, dass sich die Deutsche Bank am Diskontfenster der Fed sehen lässt", begründete ein Börsianer die Vorsicht der Anleger. Das Institut hatte bestätigt, dass es sich bei der US-Notenbank mit Liquidität versorgt hat.

Zudem nahm Händlern zufolge Goldman Sachs  seine Kaufempfehlung zurück und riet ihren Kunden, die Aktien des deutschen Branchenprimus nun neutral zu gewichten. Die Aktie der Deutschen Bank  setzte ihre Talfahrt mit einem Minus von 2 Prozent auf 91,20 Euro fort. Seit ihrem im Mai erreichten Hoch von 118,50 Euro hat das Papier mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

Deutsche Börse erholt

Den Kursanstieg der Deutschen Börse  beschrieben Händler als technische Gegenreaktion auf die herben Verluste in den vergangenen Wochen. Gleiches gelte für die Aktien der Deutschen Postbank  und des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate .

Seit Monatsbeginn hatten die Börse gut sieben, die Postbank etwa sechs und Hypo Real Estate fast zwölf Prozent an Wert eingebüßt.

DaimlerChrysler setzt Erholung fort

Zu den größten Gewinnern im Dax  zählten erneut die Aktien von DaimlerChrysler  und MAN  mit Zuwächsen von jeweils mehr als 1 Prozent. Die Aktien des Stuttgarter Autobauers waren schon am Vortag wegen Spekulationen auf eine Beteiligung der Aktionäre an überschüssigen Barmitteln gestiegen.

"Bei MAN  könnte es mit den Fusionsbestrebungen mit Scania  und VW zusammenhängen, ohne dass es etwas Neues gäbe", mutmaßte ein Händler.

Tui: Wird der Konzern filetiert?

Aktien von Tui profitierten von Spekulationen um eine mögliche Aufspaltung, nachdem sie schon am Vortag fünf Prozent gewonnen hatten. Der Konzern hat nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass der neue Großaktionär Geveran Trading aus Zypern, der vom Schiffs-Magnaten John Fredriksen kontrolliert wird, eine Aufspaltung des Reise- und Schifffahrtskonzerns plant.

Nebenwerte: Nordex haussiert

Nebenwerte: Nordex haussiert nach Halbjahreszahlen

Der MDax  stieg zeitweise um bis zu zwei Prozent auf 10.215 Punkte, bröckelte am späten Vormittag aber wieder etwas ab. Eine Kaufempfehlung der Analysten der UBS  half den Aktien des Finanzdienstleisters MLP  sowie auch den Papieren des Konkurrenten AWD . Die Aktien von Rheinmetall  legten sechs Prozent zu, was Händler auf Käufe in großem Umfang von Topmanagern des Unternehmens zurückführten.

Im TecDax  stiegen die Papiere von Nordex  zeitweise um fünf Prozent. Der Windkraftanlagenbauer hatte im ersten Halbjahr einen Gewinnsprung verzeichnet. Schon am Vortag hatten Nordex-Aktien 9,5 Prozent gewonnen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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