Börsenschluss Hellhörig für Gerüchte

Der Dax hat sein Plus bis zum Abend gehalten. Die Hoffnung auf einen reichen Geldsegen rückte DaimlerChrysler in den Mittelpunkt - obwohl eine Bestätigung weiter aussteht. Auch Tui und MAN legten deutlich zu. Dennoch agierten die Börsenhändler unruhig.

Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienindizes haben sich am Mittwoch weiter erholt und erneut Kursgewinne verzeichnet. Bei einer verbesserten Stimmungslage am Markt schloss der Leitindex Dax  knapp über der Marke von 7500 Punkten mit plus 1,02 Prozent bei 7500,48 Zählern.

Für den MDax  ging es um 2,85 Prozent auf 10.021,32 Punkte aufwärts. Er schloss damit erneut über der Marke von 10.000 Zählern. Händler sprachen hier von besonders großem Interesse an zuletzt verschmähten Werten. Der TecDax  gewann 3,66 Prozent auf 881,27 Punkte.

Insgesamt sei es ein ruhiger Handelstag gewesen, sagte Postbank-Händler Thomas Stengel. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, an ihrer Zinserhöhung im September festzuhalten, habe am Markt nicht nachhaltig negativ durchgeschlagen. Kurzfristig sehe er noch weiteres Aufwärtspotenzial.

Fidel Helmer, Leiter Wertpapierhandel bei Hauck & Aufhäuser, sagte: "Anleger sind zuletzt von schlechten Nachrichten verschont geblieben. Damit steigt die Zuversicht und dies bringt wieder vorsichtiges Kaufinteresse in den Markt". Unterschwellig bleibe aber die Unruhe, und die Börse sei weiter sehr anfällig für schlechte Nachrichten.

Tui-Aktien  kletterten mit plus 5,16 Prozent auf 18,14 Euro an die Dax-Spitze. Händler begründeten den Kursanstieg unterschiedlich: Zum einen profitiere Tui von einem positiven Analystenkommentar zum dänischen Schifffahrts-Wettbewerber Moller-Maersk: ABN Amro  stufte den Titel von "Hold" auf "Buy" hoch. Zum anderen entfalte der bereits am Vortag bekannt gewordene Anteilserwerb von Geveran Trading erst im aktuell freundlichen Marktumfeld seine Wirkung. Darüber hinaus seien nach den kräftigen Verlusten bei Tui auch Eindeckungen von Short-Positionen eine Erklärung für die Kurserholung.

Pfleiderer kauft zurück

DaimlerChrysler  gewannen 3,61 Prozent auf 62,81 Euro. Der Autokonzern wird nach der Trennung von seiner US-Tochter Chrysler laut "Handelsblatt" schneller als erwartet über seinen milliardenschweren Barmittel-Bestand entscheiden. In den kommenden Wochen werde das Management die Weichen für einen Geldsegen für die Aktionäre stellen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Marktteilnehmer nahmen den Bericht positiv auf. Eine Daimler-Sprecherin hatte die Informationen der Zeitung zufolge nicht bestätigen wollen und verwies lediglich auf frühere Aussagen, wonach Daimler eine Entscheidung bis spätestens Ende Februar nächsten Jahres in Aussicht gestellt habe.

Aktien von MAN  stiegen um 3,95 Prozent auf 98,23 Euro. Nach Einschätzung eines Analysten profitierte die Aktie in erster Linie von der allgemeinen Kurserholung und nicht von Unternehmensnachrichten. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag in Peking soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Vereinbarung von MAN Nutzfahrzeuge über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens in China mit einem Gesamtumfang von rund 1,5 Milliarden Euro unterschrieben werden.

Infineon  gewannen 2,76 Prozent auf 11,16 Euro. Nach der Übernahme des Mobilfunkgeschäfts des US-Wettbewerbers LSI will der Chiphersteller jetzt weiter zukaufen. Analysten werten den Schritt als "Lichtblick". Damit werde das Vertrauen der Investoren in die Strategie des Münchener Chipherstellers gestärkt, sagte Analyst Marco Günther von der Hamburger Sparkasse. Infineon sollte aber auch Akquisitionen in Bereichen vornehmen, in denen die Margen besser seien, betonte ein anderer Experte.

Im MDax reagierten Pfleiderer  positiv auf die Ankündigung eines Aktienrückkaufs. Die Anteile an dem Möbel- und Bauzulieferer gewannen an der Indexspitze 6,30 Prozent auf 17,54 Euro. Pfleiderer will bis zu 4,87 Millionen eigene Aktien über die Börse zurückkaufen. Dieser Kauf von bis zu 9 Prozent des Grundkapitals soll bis zum Jahresende abgeschlossen werden. "Absolut positiv für die im vergangenen Monat stark gedrückte Aktie", sagte ein Börsianer.

Die Vorzüge von ProSiebenSat.1  legten nach Zahlen 6,00 Prozent auf 24,19 Euro zu. Die Bilanz des TV-Konzerns fiel laut Händlern etwas besser als von Analysten erwartet aus. Der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr wurde bestätigt. Im vergangenen Monat habe das Papier allerdings mehr als 25 Prozent an Wert verloren und entsprechend hoch sei der Erholungsbedarf. Analyst Ralf Marinoni von Equinet bestätigte den Titel mit "Hold".

Beiersdorf  gaben im späten Handel 0,43 Prozent auf 48,16 Euro ab. Nach Angaben von Händlern hat die Deutsche Bank  eine Million Aktien zum Preis von 47,50 Euro je Aktie platziert.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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