Börsenschluss Beruhigende Aufholjagd

Erleichterung an der Börse: Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer Dax bleibt auf Erholungskurs. Noch einmal sorgte die Zinssenkung der amerikanischen Notenbank aus der Vorwoche für Rückenwind. Besonders deutlich gewannen jene Aktien an Wert hinzu, die in den vergangenen Wochen von kräftigen Verlusten gebeutelt waren.

Frankfurt am Main - Das Zinssignal der amerikanischen Notenbank vom Wochenende hat den internationalen Börsen heute zu einigem Rückenwind verholfen. Der deutsche Aktienleitindex Dax  beispielsweise legte 0,4 Prozent auf 7407,53 Punkte zu; zeitweise war der Leitindex auf mehr als 7450 Punkte gestiegen. Der MDax  der mittelgroßen Werte gewann sogar 1,41 Prozent auf 9646,66 Zähler. Und mit dem Technologieindex TecDax  ging es um 0,55 Prozent auf 849,35 Stellen nach oben.

Die US-Notenbank hatte am Freitag mit Hinweis auf die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten und das "deutlich gewachsenes Risiko für das Wachstum" der amerikanischen Wirtschaft den Diskontsatz, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können, um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent gesenkt. Es war das bislang deutlichste Signal, das die Fed zur Beruhigung der von der US-Hypothekenkrise aufgewühlten Finanzmärkte ausgesandt hat.

Fraglich ist, ob die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer für September angekündigten Zinserhöhung bleibt. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ging inzwischen davon aus, dass die Notenbank den Zinssatz nun unverändert bei vier Prozent belassen und in diesem Jahr generell auf weitere Zinsschritte verzichten wird. Dagegen erwartet Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank of America , dass die EZB bei ihrer Haltung bleibt. Es gebe weiterhin Inflationsrisiken, sagte Schmieding.

Aktien der Deutschen Börse  gewannen heute an der Dax-Spitze 3,51 Prozent auf 79,70 Euro. Die Branche der Börsenbetreiber werde von der Meldung bewegt, dass die Nasdaq  den Verkauf ihres Anteils an der London Stock Exchange (LSE) prüft, raunte ein Händler. Die US-Börse hält rund 31 Prozent an der LSE. Darüber hinaus So legten Titel der Hypo Real Estate  um 2,15 Prozent auf 39,83 Euro zu. Im vergangenen Monat habe das Papier bis zu 28 Prozent an Wert verloren und entsprechend sei hier das Potenzial für eine Gegenreaktion besonders groß, sagte ein Händler.

Papiere der Deutschen Telekom  stiegen zudem um 2,12 Prozent auf 13,47 Euro. Die Europäische Kommission hatte die Übernahme des niederländischen Mobilfunkanbieters Orange durch die Bonner gebilligt. Außerdem steht der Ex-Monopolist vor einem weiteren Konzernumbau.

Deutsche-Bank-Titel  gaben dagegen am Ende des Indexes 1,45 Prozent auf 93,47 Euro ab. Die Bank hat einem Medienbericht zufolge im vergangenen Monat rund 100 Millionen Euro im Eigenhandel verloren. Außerdem droht der größten deutschen Bank neues Ungemach wegen der Vermittlung riskanter Zinsgeschäfte: Weil Kunden bei sogenannten Swaps Millionen verloren, fordern nach mehreren Kommunen nun auch etliche Mittelständler Schadenersatz von der Deutschen Bank und anderen Instituten.

In der zweiten Börsenliga, dem MDax, gewannen die Anteilsscheine von Hochtief  an der Spitze des Index mittelgroßer Werte um 8,18 Prozent auf 69,03 Euro zu. Der Baukonzern hatte einen Auftrag mit einem Vertragsvolumen von 400 Millionen Euro in Großbritannien erhalten.

Im TecDax verzeichneten einige Solarwerte deutliche Kursgewinne. Händler verwiesen unter anderem auf das Erholungspotenzial im erstarkenden Marktumfeld. Besonders deutlich fiel das Plus bei den Papieren von Solon  aus, die sich um 5,56 Prozent auf 47,50 Euro verteuerten. Solarworld-Aktien  gewannen 1,27 Prozent auf 32,64 Euro, Ersol-Titel  stiegen um 1,24 Prozent auf 61,25 Euro.

Der Euro-Kurs  ist wieder gestiegen. Nachdem er bereits am Freitag von der überraschenden US-Diskontsatzsenkung profitiert und gegenüber dem US-Dollar wieder Boden gut gemacht hatte, legte er am Morgen noch etwas weiter zu, blieb aber unter der Marke von 1,35 Dollar. Die Europäische Zentralbank legte ihren Referenzkurs auf 1,3476 Dollar fest, nach 1,3454 Dollar am vergangenen Freitag. Ein Dollar kostete somit 0,7421 Euro.

Der Ölpreis ist zu Wochenbeginn gefallen. Ein Barrel (159 Liter) kostete im Computerhandel der New Yorker Rohstoffbörse am Montag 71,11 Dollar oder 87 Cent weniger als am Freitag. Die leichte Entspannung wurde auf die Einschätzung von Wetterkundlern zurückgeführt, wonach der Hurrikan "Dean" nicht auf die Ölanlagen im Golf von Mexiko zusteuern wird. Falls die Förderanlagen evakuiert werden müssten, würde die Ölproduktion in dieser wichtigen Fördergegend behindert.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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