Börsenschluss Späte Erholung

Steigende Kurse an der Wall Street haben auch am deutschen Aktienmarkt für bessere Stimmung gesorgt. Bayer-Aktien stürmten an die Dax-Spitze. Dagegen gerieten Finanztitel erneut schwer unter Druck.

Frankfurt am Main - Angetrieben von einem freundlichen US-Handelsverlauf haben sich die deutschen Aktien am Mittwoch zum Handelsschluss von ihren frühen Kursverlusten teilweise erholt. Dem Dax  gelang sogar der Sprung ins Plus - der Leitindex stieg um 0,28 Prozent auf 7445,90 Zähler. Im frühen Handel war er noch auf 7.343 Zähler gefallen. In New York legten Dow Jones  und der Index der Technologiebörse Nasdaq  leicht zu.

Für den MDax  ging es unterdessen um 1,51 Prozent auf 9951,12 Punkte nach unten - der Index mittelgroßer Werte erholte sich damit aber auch deutlich von seinem Tagestief bei 9883 Punkten. Der TecDax  verlor 1,28 Prozent auf 872,32 Zähler.

Händlern zufolge reagierte der Markt nicht auf das annullierte Offenmarktgeschäft der US-Notenbank, "das hatte nur technische Gründe und wird jetzt händisch nachgezogen". Auch die US-Konjunkturdaten gaben kaum Impulse. Die Kursbewegung im Dax begründeten sie mit technischen Impulsen. "Zum Start gab es nochmal einen Ausverkauf ähnlich wie am Vorabend. Nun geht den Verkäufern ein bisschen die Puste aus - fundamental gibt es nichts Neues", sagte ein Börsianer.

Ein weiterer Händler äußerte sich ähnlich. "Der Dax macht einfach die Bewegung der US-Börsen mit. Derzeit ist die Richtung schwer vorherzusagen. Eine plötzliche Fortsetzung der Korrektur ist genauso möglich wie ein abruptes Anziehen der Kurse", lautete sein Fazit.

Die Aktien von Bayer  sprangen nach Übernahmegerüchten mit plus 5,49 Prozent auf 55,13 Euro an die Dax-Spitze. Angeblich sei der Schweizer Pharmakonzern Novartis  an dem Leverkusener Unternehmen interessiert und wolle je Aktie 70 Euro bieten, hieß es. Novartis lehnte einen Kommentar ab. Ein Händler sagte, er halte ein solches Gebot für "sehr unwahrscheinlich".

Volkswagen  stiegen um 1,07 Prozent auf 146,78 Euro, nachdem am Markt erneut Gerüchte um ein möglicherweise bevorstehendes Komplettübernahmeangebot von Porsche  kursierten. Angeblich wolle Niedersachsen seinen Anteil für 150 Euro je Aktie an den Sportwagenhersteller verkaufen, sagten Händler. "Vor dem Fall des VW-Gesetzes macht dies aber keinen Sinn", so ein Börsianer.

Finanzbranche unter Druck

Finanzbranche unter Druck

Die Aktien von Eon  gewannen nach Quartalszahlen und frühen Verlusten 1,16 Prozent auf 118,56 Euro. Der Versorger hatte sein Ergebnis im ersten Halbjahr kräftig gesteigert und beim bereinigten Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) die Erwartungen der Analysten getroffen. Der Umsatz blieb hingegen leicht hinter der Marktprognose zurück.

Die Titel aus der Finanzbranche gerieten wieder einmal kräftig unter Druck. Die Aktie der Deutschen Börse  gab um 2,7 Prozent nach, die der Hypo Real Estate  um 2,4 Prozent und das Papier der Deutschen Bank  um bis zu 3,3 Prozent. Bei der Deutschen Bank drückte auch eine Herabstufung von Merrill Lynch  auf "Neutral". Am Ende des Tages stand bei der Aktie von Deutschlands größtem Geldhaus dann nur noch ein Minus von knapp einem Prozent auf der Anzeigetafel.

Schwere Einbußen für Klöckner & Co.

Im MDax weiteten die Anteilsscheine von Klöckner & Co.  ihre Vortagsverluste nach der Vorlage von Quartalszahlen weiter aus und büßten weitere 6,22 Prozent auf 43,40 Euro ein. Der Stahl- und Metallhändler wird im Gesamtjahr vor allem wegen der Tilgung einer Hochzinsanleihe wahrscheinlich schwächer abschneiden als im Vorjahr.

"Das Ergebnis des Vorjahres wird voraussichtlich nicht ganz erreicht", sagte Finanzchef Gisbert Rühl bei einer Telefonkonferenz. Analysten sprachen insgesamt von "verwirrenden Aussagen zum Jahresausblick" und teils enttäuschenden Zahlen. Zudem seien die Aussagen zum Nordamerikageschäft "recht unsicher und wenig positiv".

Gagfah  rückten dagegen um 1,79 Prozent auf 14,25 Euro vor. Die Immobiliengesellschaft übertraf mit ihrer wichtigen Kenngröße Funds from Operations (FFO) von 52,1 Millionen Euro im zweiten Quartal einem Händler zufolge die Markterwartungen. Zudem rechne Gagfah mit guten Bedingungen für weitere Zukäufe, sagte ein Händler.

Freenet  gehörten zu den wenigen Gewinnern im TecDax mit plus 0,31 Prozent auf 16,05 Euro. Sie wurden einem Händler zufolge vor allem wegen neuer Zerschlagungsfantasien nach oben getrieben. QSC-Chef Bernd Schlobohm sagte der Nachrichtenagentur dpa-afx, er habe zwar kein Interesse an einer Komplettübernahme von Freenet. Wenn die Freenet-Geschäftskundenbereiche aber auf den Markt kämen, werde sich QSC  diese anschauen. Derzeit lässt Freenet-Chef Eckhard Spoerr eine Übernahme zwar prüfen, schließt jedoch einen Teilverkauf aus.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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