Wochenausblick Börsen im Sturm

Mit der zerstörerischen Wirkung eines Tornados fegt die Kreditkrise über die internationalen Aktienmärkte hinweg. Schon das kleinste Anzeichen dafür, dass weitere Unternehmen betroffen sind, werde einen Kursrutsch auslösen, befürchten Experten.

Frankfurt am Main - Die Frage sei nur, ob die US-Notenbank (Fed) den Dingen ihren Lauf lasse oder als Retter einspringe, meint etwa Chip Hanlon, Präsident von Delta Global Advisors. Für ihn sei letzteres wahrscheinlicher.

Wie andere Zentralbanken rund um den Globus hatte die Fed in der vergangenen Woche zu milliardenschweren Liquiditätsspritzen gegriffen, um den Markt zu stabilisieren. Allein am Freitag pumpte sie 38 Milliarden Dollar in das Bankensystem - so viel wie noch nie an einem Tag seit kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Insgesamt versorgte die Zentralbank die Institute in der abgelaufenen Woche mit 87,5 Milliarden Dollar nach 50,25 Milliarden Dollar in der Woche davor. Auch Markt-Stratege Joseph Quinlan von Banc of America Capital Management hält weitere Liquiditätsspritzen für möglich, sollte sich die Lage nicht entspannen. "Die Fed hat bereits gezeigt, dass sie das tut, wenn es sein muss."

Trotz der deutlichen Verluste am Donnerstag und Freitag hatten die drei führenden Indizes die volatile Woche mit Kursgewinnen beendet: Der Leitindex Dow Jones  legte auf Wochensicht 0,4 Prozent zu, der breiter gefasste S&P-500 1,4 Prozent und der Index der Technologiebörse Nasdaq  1,3 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf präsentiert sich der Dow sogar mehr als 6 Prozent fester.

Viele Experten sehen vor diesem Hintergrund in den jüngsten Finanzspritzen auch nur eine vorübergehende Maßnahme und halten an ihrem langfristigen Ausblick für die Geldpolitik der US-Notenbanker fest. Und der ist eindeutig: Eine Zinssenkung durch die Fed sei in naher Zukunft nicht zu erwarten, heißt es.

Zwar geht die Mehrheit der Primärhändler in den USA davon aus, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinssenkung sein wird. Allerdings erwarten inzwischen nur noch wenige von ihnen, dass dies noch vor Jahresende passiert. Eine "Notfall-Senkung" sei nicht ausgeschlossen, sagt Volkswirt Jan Hatzius von Goldman Sachs . "Wir gehen aber ganz sicher nicht fest davon aus, dass dies geschieht."

Für die Fed dürfte in den kommenden Tagen vor allem wichtig sein, wie die Inflationsdaten ausfallen, die am Dienstag in Form der Erzeugerpreise und am Mittwoch mit den Verbraucherpreisen anstehen. Auch die am Freitag zur Veröffentlichung stehenden Daten zum Verbrauchervertrauen im August werden mit Spannung erwartet.

"Beim Dax 400 Punkte in einem Rutsch"

"Beim Dax 400 Punkte in einem Rutsch"

Auch die Rutschpartie am deutschen Aktienmarkt Dax  ist Experten zufolge noch nicht zu Ende: Die großen Aktienindizes würden in der kommenden Woche weitere Kursverluste hinnehmen müssen, hieß es. "Die US-Hypothekenmarkt-Krise wird die Märkte noch einige Zeit im Griff behalten", sagen etwa die Marktexperten der Landesbank Berlin (LBB).

Zum Ende der abgelaufenen Woche hatten Sorgen über notwendige Maßnahmen der Notenbanken zur Stützung der Liquidität dem Markt Verluste beschert, insbesondere Bankentitel waren betroffen. "Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht", vermutet Aktienmarkt-Stratege Stefan Söllner von der Postbank . Söllner zufolge gibt es keine Panik am Markt, die Lage der Banken spitze sich jedoch aufgrund der derzeitigen Liquiditätsprobleme zu.

"Zwar haben alle Institute gesagt, sie wären im Suprime-Bereich nicht involviert, das viel größerer Problem ist jedoch der Liquiditätsengpass", sagte der Experte. Die Situation drohe sich noch zu verschlimmern. Die Banken hielten derzeit ihre festverzinslichen Positionen, weil sie keine Verluste realisieren wollten. "Sie wollen das Problem aussitzen." Sollten demnächst jedoch einige anfangen, Positionen aufzulösen, sei mit weiter fallenden Kursen zu rechnen. "Da könnten wir beim Dax 400 Punkte in einem Rutsch sehen", sagte Söllner. Ein Abfallen auf bis zu 7.000 Punkte beim Dax hält er für möglich.

Der LBB zufolge gerät der mittelfristige Aufwärtstrend bei einer Unterschreitung der 7.100-Punkte-Marke in Gefahr. "Generell empfehlen wir Anlegern, in der derzeitigen Börsenphase vorsichtig und besonnen zu agieren", sagen die Experten. Die derzeitige Neubewertung von Risiken an den Märkten sei aber positiv zu bewerten - sie biete eine solide Basis für neue, moderate Kurssteigerungen. "Aus heutiger Sicht gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Turbulenzen im Subprime-Segement negative Auswirkungen auf die Konjunktur haben könnten", beruhigt das LBB-Team. Auch die DZ Bank, die vorerst mit einem weiteren Kursrutsch rechnet, spricht von einem langfristig intakten Trend.

Von Seiten der Unternehmen darf der Markt in der kommenden Woche noch mit der Vorlage einiger Quartalsbilanzen rechnen. Am Montag legt die Aareal Bank ihre Zahlen für das erste Halbjahr vor, am Dienstag folgen Hochtief , K+S, Stada , AWD , sowie die Solarunternehmen Ersol Solar Energy  und Q-Cells . Auch die Norddeutsche Affinerie , die Deutsche Euroshop  und Carl-Zeiss Meditec  gewähren einen Einblick in ihre Bücher.

Mittwoch präsentieren Eon , Klöckner & Co  sowie Gagfah , Conergy  und QSC  ihre Zahlen. Am Donnerstag folgen noch Lanxess , Wirecard und MDax-Kandidat Tognum .

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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