Börsenschluss Schwer unter Druck

Der Dax rutschte heute tief in die roten Zahlen. Zeitweilig sackte der deutsche Aktienleitindex unter die 7300-Punkte-Marke. Geradezu bleiern lastet Amerikas Hypothekenkreditkrise auf den Preisen der Finanzaktien. Entsprechend hoch sind die Kursverluste.

Frankfurt am Main - Deutschlands Anleger kämpften mit ihren Nerven, und das gleich bei dem ersten größeren Kursrutsch der vergangenen zwölf Monate. Der Dax  fiel heute um etwa 1,5 Prozent auf 7343 Zähler, kurz nach Handelsbeginn war er zwischenzeitlich sogar auf 7293 Punkte abgeglitten.

Damit hat das bedeutendste deutsche Aktienbarometer in den vergangenen drei Wochen rund 750 Indexstellen eingebüßt; das sind gut 150 Punkte mehr als bei der vorherigen deutlichen Kurskorrektur im März dieses Jahres. Danach machte der Dax diese Verluste allerdings mehr als wett und erreichte sogar ein Rekordhoch.

Im Gleichklang mit dem Frankfurter Paradeindex Dax  büßen heute auch die beiden anderen wichtigen Aktienindizes viele Punkte ein. Der MDax  der mittelgroßen deutschen börsennotierten Gesellschaften sank um 2,65 Prozent auf 9931,9 Zähler und der Technologieindex TecDax  verlor 3,7 Prozent auf 882 Punkte.

"Alle bauten Risiko ab", fasste Händler Dirk Müller vom Brokerhaus IFC Kursmakler die Lage zusammen. "Der Druck, der von Amerikas Subprime-Krise kommt, lässt noch nicht nach", sagt auch Jörg Treptow, Händler bei MM Warburg. "Viele glauben, dass es bis zu 7000 Dax-Punkten runter geht", sagte ein Händler. "Langfristig betrachtet wäre das sogar noch eine normale Korrektur", erklärte der Börsianer. Denn der Dax notiert zwar mittlerweile 8 Prozent unter dem vor vier Wochen aufgestellten Rekordhoch von 8151 Punkten, aber immer noch 13 Prozent über Vorjahresschluss.

Die Europäische Zentralbank kündigte wie schon am Vortag zur Gewährleistung der Liquidität an den Geldmärkten einen Schnelltender an. Außer den Frankfurter Notenbankern versorgten auch die Währungshüter der USA und Japans die Kreditwirtschaft mit zusätzlichem Geld. In den USA hatten die Börsen nach Handelsschluss in Europa am Vorabend ihre Talfahrt beschleunigt, wobei insbesondere die Aktien von großen Investmenthäusern wie Goldman Sachs  unter die Räder gerieten.

Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, ein zweiter Hedgefonds von Goldman Sachs sei in Schwierigkeiten geraten. In Deutschland nimmt die Finanzaufsicht BaFin im Zuge der US-Hypothekenkrise eine Fondsgesellschaft der SachsenLB unter die Lupe. Die britische Man Group verschiebt nach Reuters-Informationen ihre Pläne, erstmals einen Hedgefonds an die New Yorker Börse zu bringen, auf unbestimmte Zeit.

Finanztitel leiden

Finanztitel leiden

In Frankfurt sacken die Aktienkurse der Finanzhäuser ebenfalls ab. Die Papiere der Postbank  kosteten schließlich 53,75 Euro, standen damit 4,21 Prozent im Minus - und rangieren am Dax-Ende. Ebenfalls tief in den roten Zahlen standen die Titel der Deutschen Börse , der Deutschen Bank , des Immobilienfinanziers Hypo Real Estate , der Commerzbank , der Allianz  und der Münchener Rück .

Zu den wenigen Kursgewinnern zählten heute dagegen lange Zeit vor allem Wertpapiere jener Unternehmen, die auch in wirtschaftlich weniger guten Zeiten oftmals stabil Erträge erwirtschaften, beispielsweise die Titel der Energieversorger Eon  und RWE . Zum Handelsschluss führten dann aber die Papiere von Volkswagen  die Dax-Liste an, mit einem Plus von 1,79 Prozent auf 143,76. Ebenfalls gut entwickelten sich die Deutsche-Post-Anteilsscheine , die um 1,7 Prozent auf 20,88 Euro zulegten.

Vor allem bei Werten aus der zweiten Börsenreihe machten die Anleger dagegen Kasse. Verkauft wurden vor allem Werte, die im Jahresverlauf kräftig gestiegen waren. So verloren die Titel von Salzgitter und SGL Carbon jeweils rund 6 Prozent. Dagegen konnten die Aktien von Fraport vier Prozent zulegen. Händler sprachen von Spekulationen, wonach die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone beim Flughafenbetreiber einsteigen will.

Im 30 Werte umfassenden Technologieindex TecDax konnte lediglich Morphosys-Anleger leichte Kursgewinne ihres Wertpapieres verbuchen. Jenoptik schockte mit einem Gewinneinbruch im Halbjahr die Anleger. Die Aktien des Technologiekonzerns stürzten daraufhin um 8 Prozent ab.

Der Euro-Kurs  sank heute zur Freude der deutschen Exporteure. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,3659 US-Dollar, nachdem sie am Vortag noch knapp über 1,38 Dollar notiert hatte.

Nachgegeben hat heute auch der Ölpreis, wenn auch nur leicht. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Auslieferung im September kostete im frühen Handel in Asien 71,58 US-Dollar. Das war ein Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. "Es gibt weiterhin Befürchtungen über die Folgen der Turbulenzen am US-Kreditmarkt auf die Gesamtwirtschaft und damit die Ölnachfrage", sagte Analyst Victor Shum von der Energieberatungsgesellschaft Purvin and Gertz.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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