Börsenschluss Dax verliert 2 Prozent

An der Börse liegen die Nerven blank. Die Unsicherheit am Kreditmarkt hat Finanztitel tief in den roten Bereich gedrückt, der Dax büßte 2 Prozent ein. Ausverkaufstimmung herrschte im MDax - 16 Aktien verloren dort mehr als 4 Prozent.

Frankfurt am Main - Verunsichert von der Krise an den US-Kreditmärkten haben sich die Anleger am Donnerstag wieder vom deutschen Aktienmarkt zurückgezogen. Auch Quartalszahlen von zahlreichen Unternehmen konnten die Anleger nicht locken.

Der Dax  schloss 2 Prozent im Minus bei 7453 Zählern und zehrte damit einen Großteil seiner Gewinne der vergangenen drei Tage wieder auf. Der MDax  sackte sogar um 2,6 Prozent auf 10.202 Zähler ab. Der TecDax  gab um 0,7 Prozent auf 916 Zähler nach. Nach einer weiteren Abwärtsbewegung an den US-Börsen haben die meisten deutschen Aktien ihre Verluste im späten Parketthandel ausgeweitet.

"Es gibt Befürchtungen am Markt, dass weitere Risiken aus der US-Hypothekenkrise bei deutschen Banken schlummern und dass manche stärker betroffen sind als man das erwartet", sagte Analyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing. Ein Börsianer ergänzte: "Wenn die starken Quartalsergebnisse der Unternehmen nicht wären, würde der Markt noch tiefer fallen."

Für Verunsicherung sorgte unter anderen die WestLB. Das Geldhaus räumte ein, von den Verwerfungen am US-Immobilienmarkt betroffen zu sein. Öl ins Feuer goss auch die Privatbank Sal. Oppenheim, die einen 750 Millionen Euro schweren ABS-Fonds schloss. In Frankreich legte die Großbank BNP Paribas  drei ihrer Fonds auf Eis.

Unruhe brachte auch ein kurzfristig anberaumtes Treffen der Bundesbank zur Rettung der Mittelstandsbank IKB , das zu neuen Spekulationen über weitere womöglich betroffene Geldhäuser führte.

Die Bundesbank betonte jedoch, dass es bei dem Treffen lediglich um die Umsetzung des Rettungsplans für die wegen Fehlspekulationen am Markt für zweitklassige US-Hypotheken (Subprime) in Schieflage geratene IKB gegangen war.

Finanztitel geben deutlich nach

Finanztitel geben deutlich nach

Unterdessen versuchte die Commerzbank  die Anleger zu beruhigen. "Die Subprime-Krise ist kein großes Thema für uns", sagte Finanzchef Eric Strutz. Nach einem Rekordgewinn im ersten Halbjahr kündigte Vorstandschef Klaus-Peter Müller an, die Renditeprognose von mehr als 12 Prozent deutlich zu übertreffen. Die Anleger konnte dies nicht überzeugen.

"Die Commerzbank hat versucht, das Thema Subprime herunterzuspielen, aber das scheint den Markt nicht zu beeindrucken", sagte ein Händler. Commerzbank-Aktien schlossen 4,3 Prozent im Minus und waren damit die größten Verlierer im Dax. Die Papiere der Deutschen Bank  büßten 3,9 Prozent ein, die Titel des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate  3,8 Prozent.

Die Papiere des Energieriesen RWE  konnten sich trotz Anhebung der Jahresprognose der Talfahrt nicht entziehen und gaben um 1,4 Prozent nach. Mit Aktienverkäufen quittierten die Anleger den unerwartet starken Gewinneinbruch beim Touristikkonzern Tui  im zweiten Quartal. "Die Zahlen waren enttäuschend", sagte ein Händler. Tui-Aktien verloren knapp 1 Prozent.

Telekom stemmt sich gegen Talfahrt

Dank einer überraschend starken Entwicklung im operativen Geschäft konnten die Titel der Deutschen Telekom  gegen den Trend 0,8 Prozent zulegen. "Insgesamt konnte uns der Konzern mit einem soliden Zahlenwerk im zweiten Quartal überzeugen", schrieben die Analysten der LBBW. Größter Dax-Gewinner waren die Papiere der Postbank  mit einem Plus von 1,65 Prozent.

Vossloh verunsichert Anleger

Vossloh verunsichert Anleger

Im arg gebeutelten MDax  brachen die Aktien von Vossloh  um rund 13 Prozent ein, nachdem der Bahntechnikkonzern überraschend einen Führungswechsel bekannt gab. Wegen "gravierenden Meinungsverschiedenheiten" habe der Aufsichtsrat die Bestellung Gerhard Eschenröders zum Vorstandschef "mit sofortiger Wirkung" widerrufen, teilte Vossloh mit.

Salzgitter  verloren 7,7 Prozent, obwohl der Stahl- und Röhrenkonzern seine Ziele für 2007 nach Bestmarken im ersten Halbjahr erneut höher gesteckt hat. "Salzgitter ist einer der größten Jahresgewinner, und die kommen jetzt mit dem Markt unter Druck", sagte ein Händler. Auch Symrise  verloren nach enttäuschenden Zahlen 6,9 Prozent auf 19,80 Euro - insgesamt lagen 16 Titel im Dax mit 4 Prozent und mehr im Minus.

Im TecDax stiegen Drägerwerk  nach einer erfreulichen Halbjahresbilanz um 3,22 Prozent auf 58,29 Euro und waren damit Spitzenwert im Index. Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller hatte nach besser als erwarteten Zahlen seine Ziele für das Gesamtjahr bestätigt.

Im SDax  drückten Gewinnmitnahmen die Titel von Medion  um 7,9 Prozent, obwohl der Elektronikgroßhändler seine Umsatzerwartungen für das Jahr an hob. Medion gehört im SDax seit Jahresbeginn zu den größten Gewinnern.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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