Börsenschluss Dax schließt behauptet, Ölpreis taumelt

Der Dax ist mit minimalen Gewinnen in die Woche gestartet, doch Anleger bleiben nervös. Auch an der Wall Street bleibt der Handel einen Tag vor der Notenbanksitzung volatil. Konjunktursorgen lassen den Ölpreis unterdessen drastisch fallen.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienleitindex Dax  hat am Montag nach einem schwachen Start seine Verluste wieder aufgeholt. Der Index schloss 0,1 Prozent fester bei 7444 Zählern. Zum Handelsstart war der Dax zeitweise bis auf 7383 Punkte gefallen.

Schwächer zeigten sich die Nebenwerte. Der MDax  der mittelgroßen Werte gab 1,1 Prozent nach, der Technologiewerte-Index TecDax  büßte sogar 2,2 Prozent ein.

Auch an der Wall Street bestimmten zittrige Hände das Handelsgeschehen. Der Dow Jones notierte bis Xetra-Schluss um 0,3 Prozent fester, während der Nasdaq Composite um den Vortagesschluss schwankte.

Bis zur Fed-Entscheidung am Dienstag Abend dürfte der Handel volatil bleiben. Bis 20 Uhr MEZ baute der US-Leitindex Dow Jones  seine Gewinne auf 0,5 Prozent aus, machte damit aber nur einen geringen Teil seiner starken Verluste von Freitag wieder wett. Der Nasdaq Composite  schwankte weiterhin um den Vortagesschluss.

Händler bleiben vorsichtig. "Solange das Damokles-Schwert der US-Hypothekenkrise über uns hängt, ist Vorsicht geboten", sagte Händler Stefan Söllner von der Postbank.

"Bear Stearns muss schwarz malen"

Am Freitag hatte die US-Investmentbank Bear Stearns  noch einmal Anleger mit Aussagen verunsichert, die Turbulenzen an den Kreditmärkten seien so schlimm wie das Platzen der Internet-Blase Anfang des Jahrtausends. "Das ist hoffnungslos übertrieben", kommentierte ein Börsianer den Vergleich. "Schließlich muss Bear Stearns ja schwarz malen, da sie gegenüber ihren Investoren die Probleme mit ihren Fonds begründen müssen." In der Konsequenz zogen sich Anleger aus Finanzwerten weiter zurück und schichteten in vermeintlich sicherere Sektoren um.

Münchener Rück auf der Gewinnerseite

Die Berichtssaison wurde unterdessen fortgesetzt und bescherte der Aktie der Münchener Rück  ein Plus von 0,5 Prozent auf 124,84 Euro. Dass die Aktie ein "gutes Investment" sei, würde durch die an diesem Morgen veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal untermauert, urteilte Analyst Lucio di Geronimo von der Unicredit. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer meldete unter anderem einen unerwartet starken Anstieg beim Überschuss und hob daher die Jahresprognose an.

Umschichtungen in Pharmawerte: Merck gefragt

Auf der Suche nach von der US-Immobilienkrise wenig belasteten Werten schichten viele Anleger in Pharma- und Gesundheitsaktien um. Aktien von Merck KGaA  waren mit einem Plus von 2,5 Prozent größter Gewinner im Dax.

Die Aktien der Commerzbank  kletterten nach einer Kauf-Empfehlung der Deutschen Bank  um 1,6 Prozent. Auch die Versorger RWE  und Eon  waren gefragt und legten jeweils mehr als ein Prozent zu.

Daimler: Die Scheidung wird noch teurer

DaimlerChrysler: Abschied von Chrysler wird noch teurer

Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Papiere von DaimlerChrysler  mit einem Minus von 2,3 Prozent. Der Autobauer hatte im Zuge des Verkaufs von Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus seiner Ex-Tochter einen milliardenschweren Kredit zugesagt.

Aus Sicht von Daimler bedeute die Kreditgewährung eine Verschlechterung der Position, weil zunächst anderthalb Milliarden Dollar an Liquidität abflössen und die damit geschaffene Forderung einem Ausfallrisiko unterliege, meinen die Analysten der HSH Nordbank.

Henkel kauft ein

Die Vorzugsaktien von Henkel  gaben um 1,16 Prozent auf 36,52 Euro nach. Der Konsumgüterhersteller wird im Falle der Übernahme des Chemiekonzern ICI durch den Konkurrenten Akzo Nobel  die ICI-Klebersparte kaufenund will dafür 2,7 Milliarden Pfund (knapp 4 Milliarden Euro) zahlen.

Infineon: Abschied von Qimonda bis 2009

Unbeliebt waren auch die Aktien von Infineon , die 1,6 Prozent verloren. Der Halbleiterhersteller will sich bis zur Hauptversammlung 2009 von der Mehrheit seiner Speicherchiptochter Qimonda  trennen. Da die an der New Yorker Börse notierten Qimonda-Aktien derzeit nur schwer verkäuflich sind, schwebt Infineon-Chef Wolfgang Ziebart vor, die dann noch verbleibenden Papiere an die Aktionäre zu verschenken.

IKB: Zocker sorgen für Kursrally

MDax: IKB dreht deutlich ins Plus

Im MDax  machten die Titel der IKB  einen Teil ihrer massiven Kursverluste der vergangenen Tage wieder wett und legten 11,5 Prozent zu. "Das Gröbste bei der IKB könnte überstanden sein", mutmaßte ein Händler. Die Mittelstandsbank war wegen Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in Schieflage geraten, der Aktienkurs hatte binnen einer Woche nahezu die Hälfte an Wert verloren. CDU-Finanzpolitiker Otto Bernhardt fordert einen Ausstieg der Staatsbank KfW bei der IKB. Erste Banken bringen sich daher für einen Einstieg in Stellung.

DER SPIEGEL hatte berichtet, Finanz- und Wirtschaftsministerium hätten beschlossen, dass die staatliche KfW Bankengruppe ihren 38-Prozent-IKB-Anteil veräußert. Dem habe auch das Kanzleramt zugestimmt. "An einen Verkauf ist nicht gedacht", sagte allerdings am Montag der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), Stefan Olbermann, in Berlin. Ob die bundeseigene Förderbank KfW ihre Mehrheitsanteile für alle Zeiten behalten wird, könne man nicht beantworten, sagte er. "Wir gehen davon aus, dass die IKB auf den Markt kommt", hieß es bei mehreren Banken. Offiziell wollte kein Institut Stellung nehmen. Die Aktie der Commerzbank gab um 0,38 Prozent auf 29,02 Euro nach.

Gewinnwarnung: Curanum bricht ein

Mit massiven Verkäufen reagierten die Anleger auf die Prognosesenkung bei Curanum. Die im Kleinwerteindex SDax notierten Papiere des Pflegeheimbetreibers brachen um über 20 Prozent ein. Es sei nicht das erste Mal, dass der Konzern seine eigenen Prognosen nicht habe einhalten können, stellten die Analysten von Merck Finck in einer Kurzstudie fest.

Ölpreis fällt deutlich

Ölpreis fällt deutlich

Sorgen über den Zustand der US-Wirtschaft haben die Ölpreise am Montag um über zwei Dollar fallen lassen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September sank um 2,74 US-Dollar auf 72,01 Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 2,63 Dollar auf 72,82 Dollar.

Die Furcht vor einer Abkühlung der US-Konjunktur durch die Krise am Hypothekenmarkt belaste die Ölpreise, sagten Händler. Zuletzt hatte der am Freitag veröffentlichte monatliche Arbeitsmarktbericht Sorgen über den Zustand der US-Wirtschaft genährt. Eine schwächere Konjunktur verringert die Nachfrage nach Rohöl und Energie.

Hurrikan-Prognose gesenkt

Zudem hatte die Colorado State University die Zahl der erwarteten größeren Hurrikane in diesem Jahr von vier auf drei nach unten revidiert. Die Universität erwartet jetzt auch nur noch 15 tropische Stürme nachdem sie zuvor noch 17 prognostiziert hatte. Am vergangenen Mittwoch hatte der US-Ölpreis noch mit 78,78 Dollar einen neuen Rekordstand erreicht.

Beobachter sind sich jedoch uneins ob der Ölpreis weiter fallen wird oder ob es sich lediglich um eine Korrektur handelt. "Ich glaube nicht, dass dies der Anfang vom Ende hoher Ölpreis ist", sagte Jim Ritterbusch, Chef von Ritterbusch & Associates. Es handle sich vielmehr um die erhoffte Korrektur. Andere Beobachter erwarten jedoch einen Rückgang der Ölpreise in Richtung von 60 Dollar

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, reuters und ap

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