Börsenschluss Dax rutscht weiter ab

Belastet von schwachen US-Konjunkturdaten und Sorgen über eine ausufernde Krise im US-Immobilienmarkt hat der Dax am Freitag deutlich verloren. Auf Wochensicht gab der Index allerdings nur 0,3 Prozent ab.

Frankfurt am Main - Die Finanzwerte haben am Freitag erneut unter der Unsicherheit über die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise gelitten und den Dax ins Rutschen gebracht. "Alle Titel, die auch nur im Entferntesten mit Subprime-Hypotheken in Zusammenhang gebracht werden, werden momentan nicht mal mit der Kneifzange angefasst", sagte ein Händler.

Selbst gute Quartalszahlen von Allianz und Deutscher Post schafften es nicht, Anleger wieder an den Markt zu locken, so dass sich der Dax  1,3 Prozent tiefer bei 7436 Punkten ins Wochenende verabschiedete. Zusätzlich Druck übten schwache US-Daten zum Arbeitsmarkt und dem Dienstleistungsgewerbe aus, die leichte Stabilisierungsansätze des Dax rasch zunichte machten. Auf Wochensicht hat der Dax nach starken Schwankungen jedoch nur rund 0,3 Prozent verloren.

"Der Markt bleibt nervös, die US-Immobilienkrise schwebt weiter über uns", sagte ein Händler. Auch Marktstrategen befürchten, dass das Thema die Börse noch länger beschäftigen wird. "Das Thema ist eher eine Frage von Wochen oder gar Monaten, nicht von Tagen", sagte Aktienexperte Bernd Meyer von der Deutschen Bank.

Hypo Real Estate unter Druck

Vage Gerüchte über Verwicklungen von Finanzinstituten in die Hypothekenkrise drückten am Freitag gleich mehrere Finanztitel tief ins Minus. Versuche der Unternehmen, diese Befürchtungen zu lindern, halfen den Aktien nicht. "Allein die Andeutung eines Problems reicht in diesem hochsensiblen Markt aus, um eine Aktie unter Druck zu bringen", sagte ein Händler. "Bankenaktien will im Moment niemand mehr haben", kommentierte ein anderer Börsianer die Stimmung.

So gaben Hypo Real Estate  um 6,3 Prozent auf 41,16 Euro nach, gefolgt von der Commerzbank-Aktie , die um 4,2 Prozent auf 29,13 Euro sank. Auch mehrten sich die Gerüchte, dass bei der Deutschen Bank  "noch was kommen könnte", sagte ein anderer Händler. Deren Aktie verbilligte sich um 2,1 Prozent auf 98,39 Euro.

Die im MDax  notierte IKB-Aktie  konnte sich dagegen dem Abwärtssog entziehen und schloss sogar mit einem Aufschlag von rund 4 Prozent auf 12,80 Euro. Das Düsseldorfer Institut hatte mit der Ankündigung, sich am US-Markt für zweitklassige Darlehen verspekuliert zu haben, am Montag den deutschen Anlegern die möglichen Auswirkungen der US-Krise in Deutschland drastisch vor Augen geführt. Die Aktie war daraufhin eingebrochen: Vor wenigen Tagen noch hatte der Titel über 20 Euro gekostet. Die bundeseigene Förderbank KfW als Hauptaktionär der IKB musste der Bank eine Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro einräumen, um eine Schieflage zu verhindern.

Post und VW stützen

Post und VW stützen

Unterstützung bekam der Dax von den Zwischenberichten der Allianz  und der Deutschen Post . Die im Dax schwer gewichteten Allianz-Aktien zogen in der Spitze um fast zwei Prozent an, rutschten aber mit den übrigen Finanzwerten wieder ab und gingen 1,8 Prozent im Minus bei 153,79 Euro aus der Sitzung. Der Finanzkonzern hatte nach einem starken ersten Halbjahr erstmals eine Gewinnprognose für 2007 abgegeben. Nach eigenen Angaben hat er sich früh auf die Turbulenzen an den Märkten eingestellt und sieht sich nicht größeren Risiken ausgesetzt.

Gefragt waren Aktien der Deutschen Post: Die Titel gehörten mit einem Plus von ein Prozent auf 21,36 Euro zu den größten Gewinnern im Dax. Der Bonner Konzern hatte im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und damit die Erwartungen von Analysten übertroffen. "Solide Quartalszahlen", lobten Experten.

Auch die Volkswagen-Aktie  widersetzte sich mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 139,23 Euro dem Abwärtstrend des Marktes. "Das geht schon seit Tagen so", sagte ein Händler. "Die Spekulationen mit Porsche  gehen hier rauf und runter", sagte ein anderer. Gerüchten zufolge soll der Sportwagenhersteller VW-Aktien kaufen.

Nur kurz kletterte die Aktie von DaimlerChrysler  ins Plus. Wie der Stuttgarter Konzern mitteilte, ist der Verkauf der US-Tochter Chrysler nun unter Dach und Fach - allerdings greift DaimlerChrysler dem Käufer Cerberus wegen der volatilen US-Kreditmärkte unter die Arme: Beide Unternehmen stellen Chrysler eine nachrangige Kreditlinie mit einem Volumen von zwei Milliarden Dollar zur Verfügung. Auf DaimlerChrysler entfällt dabei der Löwenanteil von 1,5 Milliarden Dollar. Die Aktie gab daraufhin nach und schloss 1,1 Prozent im Minus bei 65,72 Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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