Wochenausblick Vorzeichen in Moll

Dass der Dax an einem Freitag, dem 13., sein Rekordhoch erreichte, war wohl ein schlechtes Omen: Zwei Wochen später notiert Deutschlands wichtigster Index knapp 9 Prozent darunter.

Frankfurt am Main - "Die Vorzeichen für die die kurzfristige Entwicklung sind in Moll", erklärt LBBW-Analyst Steffen Neumann. An den längerfristigen Prognosen habe sich aber nicht viel verändert. "Wir sehen das als kleine Sommerflaute an", stimmte Fondsmanager Dennis Nacken von Allianz Global zu.

"Der Markt hat die Scheuklappen abgelegt und schaut den Risiken ein Stück weit in die Augen", sagt Nacken. Viele Notenbanker hatten in den vergangenen Monaten gewarnt, die Märkte bewerteten die Risiken nicht adäquat. Neben der Krise am US-Immobilienmarkt nennen Analysten immer wieder auch den hohen Ölpreis und den Anstieg des Euro-Kurses als Risiken. "Die Blase am US-Wohnungsmarkt hängt wie ein Damoklesschwert über dem Markt", führt Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest aus.

"Ich bin nicht so pessimistisch zu sagen, dass der Dax nicht noch Aufwärtspotenzial hat - vielleicht aber eher im einstelligen prozentualen Bereich", fügt er hinzu. Immerhin hatte der Dax sich mit seinem Rekordstand von gut 8151 Punkten am 13. Juli ganze 23 Prozent vom Vorjahresschlussstand entfernt. Am Freitag schloss der Index 0,76 Prozent tiefer bei 7451,68 Punkten und notiert damit immer noch rund 13 Prozent höher als zu Jahresbeginn.

Das Risiko einer Kreditklemme sehen die Fondsmanager von Allianz Global ebenfalls nicht. "Manche malen ein Horrorszenario an die Wand - wir sehen das nicht", erläutert Nacken. Für den längerfristig positiven Ausblick spricht seinen Worten zufolge die Konjunkturentwicklung sowohl in den USA als auch in Europa.

13 Dax-Konzerne legen Quartalsberichte vor

"Der Markt hat ein solides Fundament - das gilt auch für die US-Wirtschaft, wo die Industrieproduktion und der Arbeitsmarkt trotz der Immobilienkrise relativ robust sind", so Nacken weiter. In Europa könne die Gewinnsituation der Unternehmen als robust bezeichnet werden.

Auch LBBW-Analyst Neumann hält die Entwicklung in Europa für robust und erwartet für die neue Woche gute Zahlen von den 13 Dax-Unternehmen, die ihre Quartalsberichte veröffentlichen. Aber angesichts der negativen Stimmung an der Weltleitbörse in New York sei es zweifelhaft, ob dies den Trend ändern könnte. Die Dax-Konzerne könnten mögliche weitere Kursverluste vielleicht etwas abfedern, umkehren aber nicht.

Das Hauptaugenmerk werden die Anleger vermutlich auf den Zwischenbericht der Deutschen Bank  richten, der am Mittwoch veröffentlicht wird. Ebenfalls am Mittwoch berichten BASF , BMW , Henkel  und Continental . Zuvor legen die Postbank , Linde , MAN  und die Deutsche Börse  ihre Quartalsberichte vor. Am Donnerstag geht es mit FMC  weiter, und den Abschluss bilden am Freitag die Allianz  und die Deutsche Post . Dazu kommen auch noch Unternehmen aus der zweiten Reihe, darunter Hugo Boss  und Heidelberger Druck .

Auf der Konjunkturseite gilt das Interesse der Börsianer vor allem dem ISM-Einkaufsmanagerindex aus dem verarbeitenden Gewerbe der USA, der am Mittwoch veröffentlicht wird. "Nichts wäre schlimmer, als wenn der ISM Index auch noch wegbrechen würde", sagt Neumann. Im Juni hatte der Index mit einem Anstieg für eine positive Überraschung gesorgt.

Desweiteren stehen neben einigen Statistiken vom Immobilienmarkt auch noch die US-Arbeitsmarktdaten in den Terminkalendern - letztere erst am Freitag. Als Langweiler stufen Börsianern dagegen die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der Bank of England am Donnerstag ein: Beide Notenbanken dürften die Zinsen unverändert lassen.

Andrea Lentz, reuters

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