Börsenschluss Dax drohte Abwärtsrausch

Anleger in Frankfurt brauchten heute starke Nerven. Nachdem Amerikas Aktienleitindex Dow Jones Industrial den größten Tagesverlust seit dem Jahr 2001 hinnehmen musste, ging es auch in Deutschland bergab. Der Dax durchbrach zwischenzeitlich sogar die 7400-Punkte-Marke. Lichtblicke gab es nur wenige.

Frankfurt am Main - Die Pessimisten haben auch am Freitag die Oberhand am deutschen Aktienmarkt behalten. Der Dax  setzte unter heftigen Schwankungen und bei außerordentlich hohen Umsätzen seine Talfahrt fort. Kurz nach Handelsbeginn war der Leitindex sogar um mehr als 100 Punkte auf fast 7370 Zähler abgerutscht. Im weiteren Verlauf drehte der Markt dann zeitweilig sogar ins Plus, und der Dax lugte kurz über die Marke von 7500 Zählern.

Schließlich sank er jedoch um 0,76 Prozent auf 7451,68 Punkte und büßte damit im Wochenverlauf insgesamt 5,4 Prozent ein. Seit seinem Rekordhoch vor zwei Wochen bei 8151 Punkten beträgt der Abschlag sogar rund 9 Prozent. "Es wollen alle zur gleichen Tür hinaus, und da wird es natürlich ein bisschen eng am Ausgang", kommentierte Händler Dirk Müller von ICF Kursmakler.

Darüber hinaus verlor der Technologieindex TecDax 0,91 Prozent auf 891,24 Zähler. Einzig der Index der mittelgroßen Werte stemmte sich heute gegen die Talfahrt und legte leicht zu. Er rückte um 0,17 Prozent auf 10.552,31 Stellen vor.

Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest, sieht trotz der jüngsten Kursverluste den langfristigen Aufwärtstrend intakt. "Der Dax hat in den vergangenen Monaten eine fulminante Rally hingelegt. Das sich da eine Korrektur einstellt, ist natürlich", sagte er.

Glücklich konnten sich heute die Besitzer von Volkswagen-Aktien  schätzen. Sie profitierten von der Vorlage der Halbjahreszahlen und einem angehobenen Gesamtjahresausblick. Mit plus 3,55 Prozent auf 124,83 Euro avancierten die Aktien heute zum Favorit im Dax. "Die Zahlen toppen beim Gewinn alle Prognosen und der Ausblick ist sehr weit über dem Konsensus", sagte ein Händler.

Darüber hinaus erholten sich Siemens-Titel  von den kräftigen Kursverlusten der vergangenen Tage und legten um 0,73 Prozent auf 94,79 Euro zu. Analysten der Deutsche Bank  hatten Anlegern die Aktie zuvor zum Kauf empfohlen. "Der Mischkonzern ist sehr gut aufgestellt, um vom weiteren globalen Infrastrukturboom zu profitieren", sagte Analyst Peter Reilly.

Dagegen verbilligten sich die Anteilsscheine der Deutschen Börse  um 2,41 Prozent auf 82,85 Euro. Die Aktionäre der International Securities Exchange (ISE) haben sich heute für die Übernahme der US-Optionsbörse durch die Frankfurter entschieden. Nun steht nur noch die Zustimmung der US-Börsenaufsicht SEC aus, so dass die Übernahme im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein sollte.

Ausverkauf der Finanzwerte

Ausverkauf der Finanzwerte

Angesichts der Krise am US-Hypothekenmarkt und zunehmender Schwierigkeiten bei Firmenkrediten trennten sich die Anleger zudem von vielen anderen Finanzwerten. Die Aktien der Postbank  fielen um 2,6 Prozent auf 55,71 Euro, die Titel der Allianz  um 2 Prozent auf 152,89 Euro, der Commerzbank um 0,78 Prozent auf 31,71 Euro und der Deutschen Bank  um 0,61 Prozent auf 97,86 Euro.

Die Aktien der Aareal Bank  gewannen allerdings als Spitzenwert im MDax  5,51 Prozent auf 36,40 Euro. Papiere der Heidelberger Druckmaschinen  waren mit minus 4,53 Prozent auf 35,00 Euro dagegen das Schlusslicht im Aktieindex der hiesigen mittelgroßen börsennotierten Gesellschaften.

Im TecDax standen zudem die Aktien von GPC Biotech  weiter unter Druck und brachen um 9,39 Prozent auf 8,20 Euro ein. Insgesamt hat die Aktie damit innerhalb von sechs Handelstagen rund 60 Prozent ihres vorherigen Wertes eingebüßt. Dem Biotechnologieunternehmen drohen Schadenersatzforderungen in den USA.

Der Euro ist heute billiger geworden und sein Kurs so unter 1,37-US-Dollar-Marke gerutscht. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Abend mit 1,3659 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Referenzkurs zuvor auf 1,3651 Dollar festgesetzt, nach 1,3722 Dollar am Donnerstag. Ein Dollar kostete somit 0,7325 Euro.

"Der Dollar hat von einer gestiegenen Risikoaversion am Devisenmarkt profitiert", sagte Devisenexerte Carsten Fritsch von der Commerzbank.

Die Ölpreise sind dagegen heute leicht gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September stieg um 26 Cent auf 75,44 US-Dollar. Ein Barrel der US-Sorte WTI wurde mit 75,19 US-Dollar gehandelt. Das waren 24 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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