Börse Gewinnmitnahmen schwächen Dax

Quartalsberichte ohne Pepp, dazu die gärende US-Immobilienkrise – für viele Anleger im Dax war heute Zahltag. Nur ein Dax-Wert schloss im Plus. Hart getroffen wurden dagegen Allianz, Eon, Bayer und Deutsche Post.

Frankfurt am Main - Nach den Kursgewinnen zum Wochenstart haben die Anleger am Dienstag Kasse gemacht. Der Dax  fiel parallel zu den US-Börsen, die auch von schwachen Quartalsergebnissen einiger Branchengrößen gedrückt wurden, fast bis auf 7800 Punkte zurück. Zum Ende des elektronischen Handels stand für den deutschen Leitindex ein Minus von 1,73 Prozent auf der Anzeigetafel und damit ein Schlussstand von 7806,79 Punkten. Der MDax  büßte 1,7 Prozent ein und fiel mit 10.954 Zählern wieder unter die Marke von 11.000 Punkten.

Der TecDax  gab 1,5 Prozent auf 939 Zähler ab. Die Verluste seien "durch die Reihe" zu beobachten gewesen, allerdings bei dünnem Volumen, sagten Marktbeobachter.

Neben teils enttäuschenden Quartalsberichten sorgte auch die Furcht vor einer Ausweitung der US-Immobilienkrise dafür, dass Anleger Aktien auf die Verkaufsliste setzten. Gegen 20 Uhr MEZ lag der Dow Jones  mit 0,7, der Nasdaq Composite  mit 0,2 Prozent im Minus. Eine Stunde später hatten sich die Verluste der beiden US-Indizes bereits über 1 Prozent ausgeweitet. Der Stoxx 50  50 für die 50 größten börsennotierten europäischen Unternehmen fiel um 1,57 Prozent auf 3877 Punkte. In London fiel der FTSE 100  um 1,9 Prozent auf 6498 Punkte.

Warnung von Countrywide Financial zieht Kreise

Nachdem der US-Baustoffhersteller USG vor dauerhaften Verwerfungen gewarnt hatte und der größte Hypothekenfinanzierer der USA, Countrywide Financial , schwache Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt hatte, beschleunigte sich der Kursrückgang an den Märkten. Die Papiere von Countrywide brachen um 11,7 Prozent auf 30,07 Dollar ein. "Es ist schon so etwas wie eine kleine Panik, die da jetzt um sich zu greifen beginnt. Vielleicht hat man den Umfang der Krise und ihre Breitenwirkung unterschätzt", sagte ein Händler. Viele Anleger befürchteten nun, dass schon bald die gesamte US-Wirtschaft taumeln könnte. "Gewinne einzustreichen kann in einer solchen Lage ja erstmal nicht schaden", ergänzte ein Börsianer auf dem Frankfurter Parkett.

Die im MDax gelisteten Immobilienaktien Patrizia Immobilien , IVG Immobilien  und Gagfah  gaben um bis zu vier Prozent nach. Im Dax gab es Verluste quer durch alle Branchen.

Besonders stark unter die Räder kamen Allianz , Eon , Bayer  und die Deutsche Post . "Die jüngsten Probleme bei einigen Atomkraftwerken belasten die Versorger weiter", begründete ein Händler in Frankfurt den Abwärtstrend des im Dax besonders schwer gewichteten Wertes Eon.

Aktien der Deutschen Post litten auch darunter, dass die Europäische Union gegen die Mehrwertsteuerbefreiung des ehemaligen Staatskonzerns vorgehen will. Auch Papiere der Münchener Rück  und von Infineon  standen oben auf der langen Verliererliste. Die Titel des Münchener Chipherstellers wurden nach Einschätzung von Börsianern auch von einem eher verhaltenen Ausblick des weltgrößten Handychip-Produzenten Texas Instruments  belastet.

MAN-Aktie fährt als einzige bergauf

MAN-Aktie fährt als einzige bergauf

Nur die Aktie des Münchener Nutzfahrzeugekonzerns MAN  widersetzte sich dem Abwärtsstrudel. MAN profitierten von einer Kaufempfehlung von Merrill Lynch  und legten 1,54 Prozent auf 108,98 Euro zu. Die Aktie schloss damit als einzige im Dax im Gewinnbereich.

Nach einem unter den Analystenschätzungen liegenden Quartalsumsatz trennten sich die Anleger von ihren Wincor-Nixdorf-Aktien. Das Papier war mit einem Abschlag von 6,4 Prozent auf 65,68 Euro das Schlusslicht im Nebenwerteindex MDax. "Es scheint, dass Wincor nach knapp drei Jahren fulminantem Wachstums nun die maximal möglichen Wachstumsraten erreicht hat", stellte LBBW-Analyst Stephan Wittwer fest. Ganz oben bei den Nebenwerten standen die Papiere von AWD  mit einem Anstieg von 2,24 Prozent auf 30,56 Euro. Der Kurs reagierte auf einen positiven Kommentar der Analysten von JP Morgan.

Krones  büßten vor dem am Mittwoch anstehenden Quartalszahlen 3,1 Prozent auf 177,35 Euro ein. Praktiker  und MTU , die ebenfalls am Mittwoch Zahlen vorlegen, verteuerten sich um 0,2 Prozent auf 32,07 Euro und 0,6 Prozent auf 48,00 Euro.

Im TecDax führten GPC Biotech  die Verliererliste mit einem Minus von 3,5 Prozent auf 14,75 Euro an. Hintergrund ist die Sorge, die Zulassung des wichtigsten Hoffnungsträgers "Satraplatin" könnte sich verzögern. Tele Atlas  gaben nach dem Kurssprung vom Vortag aufgrund der Übernahme durch TomTom  1,4 Prozent auf 21,44 Euro nach. Vier Werte notierten im Plus, am deutlichsten legten Morphosys mit 2,0 Prozent auf 45,31 Euro zu.

DuPont sackt um fast 6 Prozent

In den USA blieb der zweitgrößte US-Chemiekonzern DuPont blieb mit seinem Quartalsgewinn unter den Markterwartungen. Sein Aktienkurs sank um 5,8 Prozent auf 50,15 Dollar. Enttäuschend waren auch die Quartalszahlen des weltgrößten Herstellers von Gips-Wandbauplatten, USG. Dieser trübte die Stimmung zusätzlich mit der Prognose, dem US-Immobilienmarkt stehe ein mehrjähriger Abschwung bevor. Das USG-Papier verbilligte sich um 4,4 Prozent auf 44,15 Dollar.

Die Marktschwäche sei durch mehrere Enttäuschungen bei den Unternehmenszahlen bedingt, sagte Analyst Michael Malone von Cowen & Co. "Mit Sicherheit gibt auch der Immobilienmarkt nach wie vor Anlass zur Sorge und schwächt sich im Verhältnis zu den Erwartungen weiter ab", fügte er hinzu.

Die Apple-Aktie  gab nach Bekanntgabe der ersten Abonnentenzahlen für das neue Multimedia-Handy iPhone zeitweise 4,1 Prozent nach. Später lag sie noch 2,5 Prozent im Minus bei 140,14 Dollar. Der Handy-Chiphersteller Texas Instruments verbuchte einen gesunkenen Quartalsgewinn und enttäuschte mit seinem Umsatzausblick. Das TI-Papier wurde 3,4 Prozent billiger und kostete damit noch 36,87 Dollar.

Die Unsicherheit über die Hypothekenbranche schlug sich auch in den Ergebnissen von Finanzfirmen nieder: Der Kurs von American Express  sank 3,2 Prozent, nachdem der Kreditkartenanbieter höhere Abschreibungen für faule Kredite auswies.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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