Dax Wohin des Wegs?

Der Dax hat am Freitag die bisherige Höchstmarke von 8136 Punkten passiert, schloss am Montag so hoch wie nie und sackte am Dienstag wieder ab - wohin des Wegs? Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass die Hausse noch ein bisschen andauert. Doch auch die Warnzeichen sind da.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Die Höchstmarke ist genommen - und schon brausen die Theorien durch die Börse. Der Dax  wird nun abstürzen, so orakeln die einen. Man solle sich in kurzlaufende Anleihen retten. Nein, es geht weiter, mutmaßen die anderen. Denn noch immer seien deutsche Aktien fair bewertet.

Die Frage, wohin des Wegs, ist also mehr als berechtigt. Zwar haben sich die Privatanleger bereits seit geraumer Zeit von der Börse verabschiedet. Doch wenn die Abgeltungsteuer 2009 die Attraktivität der Aktien senkt, mag das manchen versprengten Sparer veranlassen, noch für ein Jahr auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Und institutionelle Investoren sind sowieso mit von der Partie. Nur, in welche Richtung wird der Börsenzug fahren?

Die Experten streiten sich und finden keine klare Antwort. Einzig über eines besteht Einigkeit: Es wird etwas rauer an der Börse werden. Statt steter Kurssteigerungen wie in den Jahren 2005 und 2006 wird es also immer mal wieder auch nach unten gehen.

Die Hausmeinung von ING Investment Management dürfte das Paradebeispiel für diese Einschätzung sein. "Wir bleiben bei unserer Prognose eines anhaltend moderaten Konjunkturbilds bei gleichzeitig günstiger Inflationslage", heißt es im aktuellen Marktausblick.

Und weiter: "Bei rückläufigem Ertragswachstum werden die Aktienrenditen zusehends von den Bewertungen getrieben. Dank der erfreulichen Wachstums- und Inflationsaussichten weltweit ist mit einer Ausweitung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse zu rechnen. Die hohe Volatilität dürfte indes anhalten."

Die Reise wird ruppiger

Die Reise wird ruppiger

Zum Beispiel wegen des Ölpreises. Der ist inzwischen bei fast 80 US-Dollar angekommen. "Dazu kommen die Engpässe in der US-Förderung sowie Verarbeitung als auch die unsichere Lage in Nigeria, wo die Arbeiter wegen höherer Löhne streiken und die Förderung stark zusammengebrochen ist", sagt Vermögensverwalter Markus Zschaber. Und weiter: "Es ist schon verblüffend, in welch guter Stimmung sich die Unternehmer befinden. Sie lassen sich weder vom hohen Ölpreis, noch von der Aufwertung des Euro, noch von der Schwäche der amerikanischen Wirtschaft schrecken. Offenbar auch nicht von einigen bemerkenswert schlechten 'harten' Statistiken der letzten Wochen."

Die Konsequenz wären steigende Kursschwankungen. "Der Aufwärtstrend des Börsenbarometers Dax wird zusehends gestört und nach wie vor von heftigen Stimmungswechseln begleitet sein", sagt Joachim Goldberg von Cognitrend in einer aktuellen Untersuchung. Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit eines Rückschlags bei 8000 Punkten höher als bei 2000.

Höhere Schwankungen, davon will man bei der Postbank offenbar nichts wissen, die deutsche Konjunktur sei nicht zu stoppen. Zwar gebe es den Trend zu höheren Zinsen. Die höheren Kreditzinsen wiederum dämpften die Nachfrage nach geliehenem Geld. Doch eben nicht in Deutschland, so die Bonner Banker, die Konjunktur sei zu stark.

Doch ob Mahner oder Optimist, die verschiedenen Meinungen zeigen zumindest eines - die Fakten sind allen bekannt. Denn alle nutzen die gleichen Argumente. Da sind die US-Immobilienmärkte, vor allem durch Kredite an zahlungsschwache Kunden in Verruf geraten. Da sind die steigenden Leitzinsen und der Rückgang der Unternehmensübernahmen, wie KPMG ihn jüngst prognostizierte. Da sind aber auch die noch immer guten Firmenergebnisse. Die Frage ist nur, was die Anleger daraus machen.

Das Erfolgsrezept fehlt

Das Erfolgsrezept fehlt

Denn glasklare Regeln für den Erfolg an der Börse gibt es nicht. Das zeigt auch das Beispiel des Ifo-Index. Der gilt als Indikator für die Konjunktur und damit auch für den Dax. Denn brummt die Wirtschaft, läuft es auch an der Börse rund. Zumindest grundsätzlich. Doch schon seit 1991 zeigt es sich, dass Ifo und Dax nicht immer in Gleichschritt marschieren. In der Phase der Hausse von 1994 bis 1998 zum Beispiel sackte der Ifo-Index mehrfach ab. Und in der Zeit der Baisse kurz nach der Jahrtausendwende zeigte sich das Ifo-Barometer recht stetig bei rund 90 Zählern. Und zuletzt im Juni enttäuschte der Konjunktur-Indikator - obwohl der Dax den höchsten Stand aller Zeiten erreichte.

Aktuell zumindest sehen etliche Experten den Dax bemerkenswert robust. "Die Aktienmärkte", so eine Studie von Henderson, "haben irgendwelche Bedenken wegen der Subprime-Hypotheken (…) abgeschüttelt." Das dürfte die Mehrheitsmeinung sein - die Risiken werden gesehen, aber nicht als so drohend empfunden. Doch ob allein die Tatsache der guten Stimmung der Mehrheit eine Orientierungshilfe sein sollte, darf getrost bezweifelt werden. Spätestens seit dem Jahr 2000, in dem Anleger vor der gleichen Frage standen.

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