Börsenschluss Dow Jones knackt 14.000-Punkte-Marke

Rekord an der Wall Street: Der US-Leitindex Dow Jones hat erstmals die Marke von 14.000 Zählern überwunden. Der Dax reduziert im Gefolge der starken US-Börsen seine Verluste, schloss aber dennoch deutlich im Minus. Gegen den Trend stemmten sich vor allem die Aktien von Tui - wegen eines Übernahmegerüchtes.

New York / Frankfurt am Main - Am vergangenen Freitag hatte der amerikanische Aktienleitindex Dow Jones Industrial  noch die Marke von 13.900 Zählern durchbrochen, heute war die nächste 1000er-Marke fällig: Erstmals in seiner Geschichte notierte der US-Index am Dienstag im frühen New Yorker Handel jenseits der 14.000 Punkte und zog das weltweit wichtigsten Börsenbarometer auf einen Rekordstand von 14.011,79 Zählern. Mittlerweile hat der 30 Aktienwerte umfassende Dow-Jones-Index wieder etwas nachgegeben, tendiert aber immer noch 0,28 Prozent im Plus bei 13.990 Punkten.

Der bekannteste Börsenindex der Welt hat damit lediglich 57 Handelstage benötigt, um die Spanne von 13.000 auf 14.000 Punkte zu überwinden.

Den Dow Jones  stützten zu Handelsbeginn gute Quartalszahlen und ermöglichten so den Kursauftrieb. "Nichts scheint die Bullen aufzuhalten. Die Quartalsberichte waren bisher wirklich gut", sagte Analyst Michael Metz von Oppenheimer & Co. Der deutsche Leitindex Dax , der zeitweise unter die Marke von 8000 Punkten gerutscht war, erholte sich im Gefolge und reduzierte seine Verluste deutlich.

Grund für die Kursschwäche in Frankfurt: Die Konjunkturerwartungen der deutschen Finanzexperten haben sich im Juli überraschend deutlich eingetrübt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen seien von 20,3 Punkten im Vormonat auf 10,4 Zähler gefallen, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit. "Der hohe Ölpreis und der starke Euro haben offenbar die Stimmung getrübt", kommentierte Analyst Brian Mandt von der Postbank den ZEW-Index. "Es kann sein, dass wir den Höhepunkt der Konjunkturdynamik gesehen haben."

Dank des New Yorker Börsenaufschwungs erholte sich Deutschlands Paradeindex Dax  aber wieder bis auf 8045 Zähler, was einem Minus verglichen mit seinem gestrigen Schlusskurs von knapp 0,83 Prozent auf 8038,21 Zähler entspricht; im deutschen Leitindex schlossen heute 27 von 30 Werten im roten Bereich. Der MDax  der mittelgroßen deutschen Aktiengesellschaften verlor 0,83 Prozent auf 8038,21 Stellen. Und der Technologieindex TecDax  büßte 0,43 Prozent auf 958,02 Punkte ein.

Aktien von Tui  gewannen heute gegen den Trend 3,02 Prozent auf 21,16 Euro und setzten sich damit an die Dax-Spitze. Händler verwiesen auf Gerüchte, wonach die spanische Hotelgruppe Riu 30 Euro je Tui-Aktie für den Konzern bieten werde. Tui-Sprecher wollten dazu nicht Stellung beziehen. Tui hält im Gegenzug 50 Prozent an einem Hotel-Joint Venture mit Riu.

BASF-Papiere  reduzierten im Tagesverlauf ihre zwischenzeitlich deutlichen Kursverluste und gewannen schließlich 0,23 Prozent auf 99,45 Euro hinzu. Das Tagestief hatte zuvor bei 98,23 Euro gelegen. Der Chemiekonzern will sich von einem Teil seiner Kunststoffsparte trennen. Ein erstes Kaufangebot für die betroffenen Teile des Geschäfts mit so genannten Styrol-Kunststoffen ist nach Unternehmensangaben bereits eingegangen.

Ölpreis auf Elfmonatshoch

Ölpreis auf Elfmonatshoch

Spekulationen über eine Gewinnwarnung bescherten den Papieren der Deutschen Bank  zeitweise einen Kursverlust von 1,8 Prozent. "Es gibt das Gerücht, dass die Deutsche Bank wegen der US-Immobilienkrise weniger Gewinn einfahren dürfte als erwartet", sagte ein Händler. Eine Bank-Sprecherin verwies dagegen auf Vorstand Hugo Bänziger, der Probleme seines Geldhauses bereits zuvor in einem Interview zurückgewiesen hatte. Die Aktie grenzte ihre Verluste daraufhin auf 0,86 Prozent ein und schlossen bei 107,30 Euro.

Im MDax  präsentierten sich dagegen die Anteilsscheine von Fresenius  in guter Verfassung. Anleger orderten die Titel, nachdem einem Medikament des Hauses gute Marktchancen eingeräumt wurden. Fresenius-Titel gewannen als bester Wert im MDax 4,81 Prozent auf 62,05 Euro.

Aktien von Puma  verloren dagegen 0,55 Prozent auf 316,24 Euro. Ein Händler verwies auf aufgelöste Optionsschein-Positionen institutioneller Anleger, die zuvor auf eine Erhöhung des Angebotes von Pinault-Printemps-Redoute  gesetzt hätten.

Noch eutlicher bergab ging es mit den Papieren von ProSiebenSat1 .Sie büßten 1,39 Prozent auf 28,99 Euro ein. Der TV-Konzern tritt nach der milliardenschweren Übernahme der europäischen Senderkette SBS auf die Kostenbremse und streicht konzernweit rund 180 Jobs. Einige davon werden in Deutschland unter anderem durch die Einstellung der beiden Boulevardmagazine "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend" hinfällig, die übrigen Arbeitsplätze fallen durch die geplante Schließung der SBS-Zentrale in Amsterdam weg.

In Europa gab der Eurostoxx 50 um 0,42 Prozent auf 4538,31 Punkte nach. Die Börsen in Frankreich und Großbritannien schlossen ebenfalls mit Verlusten: In Paris verlor der CAC 40 0,43 Prozent auf 6099,21 Punkte. Für Londons FTSE 100 ging es um 0,55 Prozent auf 6660,60 Zähler nach unten. Amerikas S&P-500-Aktienindex  lag dagegen nahezu unverändert bei 1549 Zählern, wohingegen der US-Technologieindex Nasdaq Composite  um 0,32 Prozent auf 2705 Stellen zulegte.

Der Ölpreis hat sich heute auf dem höchsten Stand seit elf Monaten festgesetzt. Ein Barrel US-Leichtöl (159 Liter) kostete im Computerhandel der New Yorker Rohstoffbörse 74,66 Dollar und damit 51 Cent mehr als am Montag. Öl ist jetzt so teuer wie zuletzt Anfang August 2006. Der Preis für Nordseeöl (Brent) gab dagegen nach und lag bei 75,65 Dollar, mehr als einen Dollar unter den Werten von Montag. Der Ölpreis ist seit den 50-Dollar-Ständen im Januar gleichmäßig gestiegen. Damals hatte die Erdölkartell Opec die Förderung gekürzt, um die Preise in die Höhe zu treiben.

Der Euro  pendelte heute um sein Vortagesniveau von 1,3775 Dollar und lag damit nur etwas unter dem am Freitag erreichten Allzeithoch von 1,3813 Dollar. "Trotz der schwachen ZEW-Daten aus Deutschland behauptet sich der Euro ganz gut", erklärte Niels Christensen, Währungsstratege der Nordea-Bank  in Kopenhagen. "Das große Thema bleiben die Ramsch-Hypotheken, das ist der Hauptgrund für die Schwäche des Dollar auf breiter Front."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ddp, reuters und vwd

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