Börsenschluss Dax geht die Puste aus

Hauchdünn verfehlte der Dax einen Rekordstand - und fiel gleich umgehend unter die 8000-Punkte-Marke. Der starke Euro sorgt für Angst um Exporte und Zinsen. Rekordzahlen der Lufthansa quittierten die Anleger mit Gewinnmitnahmen.

Frankfurt am Main – Die meisten deutschen Aktien haben am Dienstag nach den Kursgewinnen vom Vortag Verluste verbucht. Der Dax  rutschte am Nachmittag in einem weitgehend impulslosen Markt unter die Marke von 8000 Punkte und ging mit einem Minus von 1,39 Prozent auf 7964,76 Zählern aus dem Handel. Der MDax  mittelgroßer Werte gab 1,08 Prozent auf 11.254,90 Punkte ab. Für den TecDax  ging es um 0,9 Prozent auf 966,78 Zähler abwärts.

Bereits am Vormittag ging dem Dax bei einem neuen Anlauf in Richtung des historischen Rekordhochs von 8136,16 Punkten vom März 2000 die Puste aus. Händlern zufolge gibt es am Markt derzeit kaum Antriebsfedern, die für einen dauerhaften Kursanstieg sorgen könnten. Zudem drückte der steigende Euro  auf die Kurse, da er die Ausfuhren verteuert und damit vor allem exportorientierten Werten schadet. Der Euro überschritt am Dienstag erstmals in seiner achteinhalbjährigen Geschichte die Marke von 1,37 US-Dollar und erreichte damit im Verhältnis zur US-Währung einen neuen Rekord.

Der schwache Gesamtmarkt drückte viele Werte ins Minus, die zunächst gut in den Handelstag gestartet waren. So gaben Titel von DaimlerChrysler  ihre Tagesgewinne im Verlauf wieder ab und verloren 0,74 Prozent auf 68,42 Euro. Der positive Impuls einer UBS-Studie hatte die Aktien zur Eröffnung mit 71 Euro auf den höchsten Stand seit April 2000 gehoben. Die Analysten hatte das Kursziel von 75 auf 90 Euro angehoben und ihre "Buy"-Empfehlung bestätigt. Sie erwarten bessere Erträge im Lastwagengeschäft.

Lufthansa-Aktien  verloren trotz positiv bewerteter Verkehrszahlen etwas stärker als der Markt und gaben 1,48 Prozent auf 20,64 Euro ab. Die Fluggesellschaft beförderte im Juni bei höherer Auslastung mehr Passagiere als ein Jahr zuvor. "Die Verkehrszahlen waren sehr ordentlich", sagte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Auch Händler reagierten zunächst positiv und erklärten die Kurserholung unmittelbar nach der Veröffentlichung der Zahlen mit den guten Daten. Dann hätten aber offenbar Gewinnmitnahmen eingesetzt. Zudem sei das Papier an einem charttechnischen Widerstand von 21 Euro abgeprallt, hieß es.

Im MDax verbilligten sich Praktiker-Titel  um 1,79 Prozent auf 31,75 Euro. Händler verwiesen auf negative Nachrichten aus den USA, wo der Baumarkt Home Depot  angesichts des schwächeren Immobilienmarktes seine Prognosen gesenkt hatte.

Anteile von Premiere  legten hingegen um 1,06 Prozent auf 19,14 Euro zu und setzten sich damit an die Index-Spitze. Händler verwiesen auf neuerliche Spekulationen, dass die Telekom an einer Übernahme des Bezahlsenders interessiert sein könnte. "Die Spekulation gab es schon vor Monaten - allerdings will die Telekom ihr UMTS-Geschäft ausbauen, und Bezahlfernsehen auf dem Handy würde Sinn machen", sagte ein Händler. Ein anderer gab allerdings mögliche Probleme mit dem Kartellamt zu bedenken.

Im TecDax sorgten unter den Solarwerten Studien für Bewegung. Die Aktien von Solarworld  verloren 1,82 Prozent auf 37,18 Euro - hier hatten die Société Générale und UBS zwar auf die gute Wachstumsstory verwiesen, jedoch von einer hohen Bewertung gesprochen. Conergy-Aktien  gaben nach einem negativen Kommentar von Société Générale um 1,43 Prozent auf 63,97 Euro ab. Die Titel von Q-Cells  hingegen stiegen nach einem positiven Kommentar von Société Générale um 1,65 Prozent auf 69,13 Euro.

Anteilsscheine von Jenoptik  rückten in Anbetracht eines Millionenauftrages um 2,24 Prozent auf 7,75 Euro vor. Der Technologiekonzern hat einen Auftrag über mehrere Millionen Euro zur Lieferung von Laseranlagen zur Strukturierung von Dünnschicht-Solarzellen erhalten.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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