Wochenausblick Tognum im Blick

Nach der kurzen Erholung Ende der vergangenen Woche dürfte der Dax in der neuen Woche wieder den Rückwärtsgang einlegen. Gewinnmitnahmen, steigende Zinsen und der hohe Ölpreis könnten zu Kursrückgängen führen. Große Aufmerksamkeit verdient der Börsengang des Motorenspezialisten Tognum.

Frankfurt - Nach der kurzen Erholung Ende der vergangenen Woche dürfte der Dax  in der neuen Woche wieder den Rückwärtsgang einlegen. "Das Störfeuer von der Zinsseite und die Probleme auf dem US-Hypothekenmarkt könnten die Kurse erneut auf Talfahrt schicken", schrieben etwa die Analysten der Landesbank Berlin (LBB). Ein weiterer Risikofaktor sei der Ölpreis, der sich über der Marke von 70 Dollar etabliert habe.

Skeptisch äußern sich auch die Experten von der DZ Bank. "Kurz vor dem Ende des Halbjahres haben die Fondsmanager noch einmal die Papiere gekauft, die sie in ihren Depots haben, um damit den Wert ihrer Fonds nach oben zu treiben", so die Analysten in einer aktuellen Studie. Anfang Juli falle dieser positive Effekt aber wieder weg. Wegen der dann drohenden Gewinnmitnahmen könne es kurzfristig zu Kursrückgängen kommen. Überhaupt dürfe es den Experten zufolge für den Leitindex schwer werden, in der nachrichtenarmen Zeit neue Höchststände zu erreichen.

Leitzinsen unverändert

Dass bis zum Start der US-Berichtssaion am 9. Juni keine neuen Impulse zu erwarten sind, ist auch die Einschätzung des Commerzbank-Marktstrategen Hans-Jürgen Delp. Der Dax dürfte sich zwischen der Marke von 7600 Punkten und dem über sieben Jahre alten Rekordhoch bei 8136 Punkten einpendeln, sagte er.

Mittelfristig optimistisch gestimmt ist Analyst Steffen Neumann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Schließlich hätten die US-Währungshüter in ihrem jüngsten Statement klargestellt, dass sie die Leitzinsen unverändert lassen würden. Noch wichtiger seien jedoch zwei Änderungen in der aktuellen Sprachregelung der Notenbanker.

Einerseits wachse demnach die US-Wirtschaft "trotz" der Korrektur am Häusermarkt weiter moderat, zum anderen sei das Niveau der Kerninflation ohne die volatilen Lebensmittel- und Energiepreise nicht mehr "erhöht", sondern habe sich in jüngster Zeit "moderat verbessert". Sollte sich dieses Bild in den kommenden Tagen bestätigen, dürfte der Dax wieder die 8000-Punkte-Schwelle angreifen.

Neues Rekordhoch für Dax angepeilt

Konjunkturdaten und Tognum-Börsengang

Auf mittlere Sicht äußerten sich auch die Experten der Landesbank Berlin positiv und verwiesen auf die robuste Konjunktur in der Eurozone. Die anhaltenden Fusions- und Übernahmeaktivitäten dürfen ebenfalls dafür sorgen, dass der Dax  im Jahresverlauf neue Rekordhochs erreiche. Die Unternehmenszahlen für das zweite Quartal könnten ebenfalls für neuen Schwung sorgen.

Mangels Nachrichten von der Unternehmensseite wird sich der Fokus der Anleger der LBBW zufolge auf die konjunkturellen Daten richten. Beachtung dürften die Investoren vor allem diversen Einkaufsmanagerindizes schenken, die am Montag, Mittwoch und Donnerstag veröffentlicht würden.

Ebenso auf Interesse stoßen sollte der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. "Zuletzt hatte der ISM-Index für den Dienstleistungssektor sehr positiv überrascht, so dass das Abwärtspotenzial für die übrigen Indikatoren begrenzt ist", schrieb Steffen Neumann weiter. Vor diesem Hintergrund sei mit weiter anhaltendem Rückenwind durch die Konjunktur zu rechnen, falls die Indizes die Erwartungen der Marktteilnehmer nicht massiv enttäuschten.

Auf der Unternehmensebene dürfte am Montag der Börsenneuling Tognum für Gesprächsstoff sorgen. Die Erstnotiz des Titels ist der größte Börsengang seit sieben Jahren. Belastend könnte Börsianern zufolge wirken, dass der Dieselmotorenbauer fehlerhafte Angaben im Anhang seines Börsenprospektes eingeräumt hat. Am Freitag berichtet der Online-Broker Comdirect  über den Auftragseingang im Juni.

Lutz Alexander, dpa-afx

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