Börsenschluss Angespannte Anleger

Leichte Kursgewinne zum Handelsstart haben die Nerven der Investoren heute nicht beruhigt. Der Aktienleitindex Dax rutschte ins Minus, als nur noch gute statt zuvor sehr gute Konjunkturdaten für Deutschland bekannt wurden. Von dem Kursrutsch verschont blieben vor allem Linde-Aktionäre.

Frankfurt am Main - Börsenkenner reiben sich verwundert die Augen. Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer signalisiert nach Monaten stürmischen Wachstums weiterhin glänzende Werte, einzig die Boom-Euphorie scheint sich zu legen: Der Geschäftsklimaindex des Münchener Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo hat heute sein Rekordniveau aus dem Vormonat verpasst. Es steht nicht mehr so gut da, wie zuletzt im Januar 1991, dem absoluten Rekordwert des Ifo-Index, sondern nun nur noch wie im Februar 1991 - und damit immer noch auf einem 16-Jahreshoch. Dennoch sanken heute die Kurse an der Börse.

Der Leitindex Dax  büßte seine frühen Gewinne von bis zu 0,6 Prozent auf 8013 Punkte im Handelsverlauf ein und schloss schlließlich 0,19 Prozent im Minus mit 7949,63 Zählern; auf Wochenbasis war das ein Minus von 81 Punkten. Der MDax  der mittelgroßen Börsengesellschaften legte dagegen um 0,34 Prozent auf 11.002,66 Zähler zu und der Technologieindex TecDax  verteidigte mit 922,79 Indexpunkten sein Vortagsniveau. "Die Dax-Anleger haben einen Grund gesucht, um vor dem Wochenende ihre Bestände zu reduzieren, und der Ifo-Index hat diesen Grund geliefert", sagte NordLb-Händler Matthias Melms zum Rückgang der Dax-Kurse.

Der Frankfurter Paradeindex entfernt sich damit weiter von seinem sieben Jahre alten Rekordhoch von 8136 Punkte, an das er sich zur Wochenmitte bis auf vier Zähler herangepirscht hatte. Börsianer zeigten sich nun skeptisch und sahen in der höheren Schwankungsanfälligkeit ein Zeichen für die Unsicherheit der Marktteilnehmer.

Für Gesprächsstoff sorgten heute aber vor allem die Kursgewinne der Allianz-Aktie , die sich mit einem Plus von 1,64 Prozent auf 177,57 Euro gegen den Trend stemmte. Noch immer spekulieren Investoren , dass der Versicherungskonzern seine Bank-Tochter Dresdner Bank verkaufen könnte. Die Allianz lehnte bisher ab, auf die Gerüchte zu reagieren.

Deutliche Kursgewinne strichen heute zudem noch die Besitzer von Linde-  und Bayer-Aktien  ein, die um 2,5 sowie 0,7 Prozent auf 86,25 Euro und 56,40 Euro zulegten.

Dagegen verloren die Papiere des Chipherstellers Infineon  2,26 Prozent auf 12,52 Euro, rutschten damit an das heutige Dax-Ende und gaben zugleich einen Teil der Gewinne der vergangenen Tage ab. Die Analysten der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch  hatten zuvor ihre Anlageempfehlung für Infineon-Aktien zurückgenommen.

Gea schlägt alle

Gea schlägt alle

Branchenweit und nicht nur unter den Dax-Aktien gerieten heute überdies viele Finanzwerte unter Druck. Angesichts der steigenden Zinsen sowie der Unsicherheit über den US-Hypothekenmarkt seien die Finanz- und Immobilienaktien derzeit nicht sonderlich populär bei den Anlegern, glauben nicht wenige Aktien-Händler. Das bekamen vor allem die Titel des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate  im Dax und des Wohnimmobilienkonzerns Gagfah  im MDax zu spüren.

Hypo-Real-Estate-Anteilsscheine verloren 1,2 Prozent auf 48,55 Euro, Gagfah-Titel zeitweise sogar 5,7 Prozent. Zuletzt verbesserten sie sich allerdings wieder auf ein Minus von 1,7 Prozent, so dass die Gagfah-Wertpapiere zuletzt 16,60 Euro kosteten.

Gefragt waren im MDax dagegen erneut Gea-Aktien , die um 3,15 Prozent auf 25,60 Euro zulegten. Die Kaufempfehlung der UBS-Wertpapierexperten für die Aktien des Bochumer Unternehmens habe Anleger nachhaltig beeindruckt, spekulierten Börsenprofis über den Grund für den deutlichen Kursanstieg. Die Gea-Anteilsscheine sind mit einem Preisanstieg von knapp 11 Prozent die erfolgreichsten Titel aus Dax, MDax und TecDax in dieser Börsenwoche.

Ebenfalls gut entwickelten sich heute die Wacker-Chemie-Titel , die um 3,06 Prozent auf 173,29 Euro zulegten. Händler verwiesen zur Begründung auf die Kaufempfehlung der UBS-Wertpapierexperten für Wacker-Aktien. Die UBS hält es für möglich, dass der Preis der Aktie in den kommenden Wochen auf 200 Euro steigen wird.

Zinssorgen und die Entwicklung von zwei Hedgefonds bescheren heute auch den US-Börsen Verluste. Vor allem Finanzwerte geraten unter Druck, daran konnte auch ein fulminantes Börsendebüt der Beteiligungsgesellschaft Blackstone nichts ändern; die Aktien wurden zeitweise mehr als 20 Prozent über dem Ausgabepreis notiert.

Der Dow-Jones-Industrial-Index  der Standardwerte verlor zuletzt 1,2 Prozent auf 13.385 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel um 1,3 Prozent auf 1500 Zähler und der Technologie-Index Nasdaq Composite  gab 1,25 Prozent auf 2585 Punkte nach. Vor allem die Krise um zwei Fonds der Investmentbank Bear Stearns drückte Finanzwerte. Bear-Stearns-Aktien gaben 1,45 Prozent nach, die der Citigroup  um 1,9 Prozent, jene von Merrill Lynch  lagen 2,65 Prozent im Minus. Zur Rettung seiner Fonds erwägt Bear Stearns 3,2 Milliarden Dollar bereitzustellen. Die beiden Fonds hatten sich im Zuge der US-Immobilienkrise verspekuliert. "Eine der großen Sorgen ist, wie sich das Wohnungsbau-Szenario weiter entwickelt. Die Talsohle scheint bei weitem noch nicht erreicht", sagte Bill Strazzullo von Bell Curve Trading in Boston.

Der Euro-Kurs  ist heute ebenfalls weiter gestiegen - zum Bedauern der deutschen Exporteure. Die Europäische Zentralbank setzte ihren Referenzkurs auf 1,3441 Dollar fest, nach 1,3397 am Donnerstag. Ein Dollar kostete damit 0,7440 Euro. Gefragt war heute auch das Edelmetall Gold. Für eine Feinunze mussten Anleger 654,45 Dollar bezahlen und damit ein halbes Prozent mehr als am Vortag.

Öl ist dagegen zum Wochenausklang etwas billiger geworden. Am Freitagmittag wurden für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent 70,11 Dollar bezahlt. Das sind 0,2 Prozent weniger als am Vortag und rund zwei Dollar weniger als am Montag, als der Preis für Brentöl auf den höchsten Stand seit zehn Monaten gestiegen war. Der Preis für leichtes US-Rohöl der Marke WTI sank am Freitag um 0,3 Prozent auf 68,41 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, dpa, reuters und vwd

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