Air Berlin Razzia-Alarm - Aktie stürzt

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Büros der Fluggesellschaft Air Berlin wegen Verdachts auf Insiderhandel durchsuchen lassen. Von der bundesweiten Razzia-Aktion sollen auch Privatwohnungen betroffen gewesen sein. Unter den sechs Verdächtigen befinden sich Vorstandschef Joachim Hunold und AR-Chef Johannes Zurnieden.

Berlin - Polizei und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) haben am Dienstag bundesweit Firmenräume und Wohnungen der Fluggesellschaft Air Berlin  wegen Verdachts auf Insiderhandel durchsucht. Wie ein Unternehmenssprecher bestätigte, wurden Protokolle von Aufsichtsrats- und Vorstandssitzungen eingesehen. Die Vorwürfe richten sich nach Angaben des Sprechers gegen fünf Personen aus dem Management, darunter Vorstandschef und Großaktionär Joachim Hunold und der Aufsichtsratsvorsitzende Johannes Zurnieden sowie drei Abteilungsleiter.

Der Sprecher wies aber den Vorwurf des Insiderhandels zurück: "Aus unserer Sicht sind die Aktienkäufe alle korrekt abgewickelt und gemeldet worden." Die dem Ermittlungsverfahren zugrunde liegenden Aktienkäufe hätten vor der Entscheidung zum Kauf der DBA stattgefunden, erklärte er. Auf der Website von Air Berlin sind diverse Aktienkäufe von Hunold, Zurnieden und anderen "Personen mit Führungsaufgaben" dokumentiert, darunter auch Käufe am 6. und 17. Juli. Die nächsten Käufe von Vorstands- und Aufsichtsratschef datieren auf Ende November.

Die Ermittlungen richten sich laut Staatsanwaltschaft insgesamt sogar gegen sechs Beschuldigte. Nach Informationen von manager-magazin.de nahmen die Ermittlungen der BaFin bei dem namentlich nicht genannten sechsten Verdächtigen ihren Ausgang, dem Geschäftsführer eines Unternehmens in Stuttgart - daher wurde die Stuttgarter Staatsanwaltschaft mit dem Fall betraut.

Bundesweit wurden am Dienstag zehn Gebäude untersucht. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit der Übernahme der Münchener Fluglinie DBA durch Air Berlin im vergangenen August.

Die Beschuldigten werden offenbar von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, seit Juni 2006 Insiderwissen über die geplante Übernahme "einer Luftfahrtgesellschaft in München" verwendet und kurz nach Abschluss einer Geheimvereinbarung über den Beginn von Übernahmeverhandlungen massiv Aktien des eigenen Unternehmens gekauft zu haben. Das Gesamtvolumen soll 1,5 Millionen Euro betragen haben. 1,47 Millionen Euro - entfielen dabei auf den Vorstand und den Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Ermittlungen gehen auf eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zurück.

Aktienpaket angeblich vor Ad-hoc-Mitteilung gekauft

Der Kauf sei erfolgt, noch ehe eine Ad-hoc-Mitteilung über den Kauf der Münchner Fluglinie veröffentlicht worden sei. Allein der Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende hätten dabei Aktien im Wert von 1,47 Millionen Euro erworben, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit.

Der Schwerpunkt der Durchsuchungsaktion, an der sich rund 50 Polizisten und Mitarbeiter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beteiligten, lag laut Staatsanwaltschaft in Berlin, wo die Beamten drei Wohnungen und die Firmenräume der Fluglinie unter die Lupe nahmen.

Außerdem seien Privatwohnungen und Firmenräume in Stuttgart, München, Düsseldorf, Bonn und Langenfeld durchsucht worden. Dabei sei umfangreiches Beweismaterial, vor allem Geschäftsunterlagen, sichergestellt worden. Die Auswertungen der Unterlagen und weitere Ermittlungen würden noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Die Aktien der Fluglinie gerieten prompt unter Druck und gaben bis 13.20 Uhr 7,3 Prozent auf 15,40 Euro ab.

Air Berlin hatte die Übernahmepläne für die dba am 17. August vorigen Jahres veröffentlicht. Der Aktienkurs des Unternehmens, der sich nach dem Börsengang im Mai zunächst schwach entwickelte und wochenlang um zehn Euro notierte, schoß nach der Übernahmemitteilung um bis zu zwölf Prozent in die Höhe. In der Folgezeit legte das Papier kontinuierlich zu, bis auf mehr als 21,50 Euro Anfang April.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und ddp

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.