Börsenschluss Dax erreicht Jahreshoch

Nach der Kursrally am Vortag behält der Dax auch zum Wochenausklang seinen Schwung: Der Index legt weiter zu und steigt auf mehr als 8000 Zähler. Eine Warnung des US-Notenbankchefs verpufft, gute US-Konjunkturdaten wirkten dagegen prompt.

Frankfurt am Main - Der große Verfallstermin an den Terminbörsen hat am Freitag die Aktienkurse europaweit nach oben getrieben. Auch die deutschen Aktienindizes haben sich deutlich verbessert. Kurz nach Börsenöffnung in den USA stieg der deutsche Leitindex zunächst auf 8018 Punkte. Das bisherige Jahreshoch - gleichzeitig der höchste Stand seit sieben Jahren - hatte der Index am 4. Juni bei 8010 Punkten geschafft. In den USA legten Dow Jones  und Nasdaq Composite  nach robusten Konjunkturdaten im frühen Handel kräftig zu, bis 20.30 Uhr lagen sie 0,7 und 0,9 Prozent über Vortagsschluss.

Der Dax  gewann bis Handelsschluss 2,31 Prozent auf 8030,64 Zähler. In den vergangenen 52 Wochen hatte der Dax zwischen 8010 und 5330 Punkten geschwankt, allein in der vergangenen Handelswoche kletterte er um 440 Punkte. Für den MDax  ging es am Freitag um 1,26 Prozent auf 11.089 Punkte nach oben. Der TecDax  legte um 2,08 Prozent auf 937,6 Zähler zu.

Als Beschleuniger wirkten US-Konjunkturdaten: Ein deutlicher Anstieg der Energiepreise hat die Inflation in den USA im Mai zwar kräftig angeheizt. Binnen Monatsfrist kletterten die Verbraucherpreise saisonbereinigt um 0,7 Prozent, nach 0,4 Prozent im April. Das ist der höchste Anstieg im Monatsvergleich seit September 2005, wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte.

Allerdings behielten Ökonomen mit ihrer Erwartung recht, dass die Abschwächung der Wirtschaft insgesamt zu einem Nachlassen des Inflationsdrucks führen dürfte. Die so genannte Kerninflationsrate, bei der die schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise ausgeblendet werden, stieg mit 0,1 Prozent (April 0,2) nur leicht an - mäßiger noch als es Experten ohnehin vorausgesagt hatten.

Bernanke: Immobilien-Gefahr nicht unterschätzen

Insgesamt kletterte die jährliche Teuerungsrate im Mai auf 2,7 Prozent nach 2,6 im April. Die Energiepreise stiegen den vierten Monat hintereinander an: Sie legten im Mai um 5,4 Prozent zu (April 2,4 Prozent).

"Die aktuellen Daten aus den USA zeichnen ein sehr positives Bild der US-Wirtschaft. Das hilft dem Markt", sagte ein Händler. Der Konjunkturindex der Notenbank in New York habe positiv überrascht. Er kletterte im Juni auf 25,75 Punkte. Experten hatten lediglich mit einer marginalen Steigerung von 8,03 auf 10,80 Zähler gerechnet. "Doppelt so hoch wie erwartet. Das ist schon ein Wort", sagte ein Börsianer.

Eine Warnung von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke verpuffte an der Börse: Er hatte vor einer Unterschätzung der Auswirkungen der Abschwächung auf dem Häusermarkt auf die Gesamtwirtschaft gewarnt. Veränderungen im Wert der Wohnimmobilien könnten das Ausleih- und Ausgabeverhalten der Haushalte etwas stärker beeinflussen als Ökonomen traditionell erwarteten, sagte Bernanke am Freitag. Er verwies auf die verlorene Dekade in Japan. Dort war nach dem Platzen der Immobilienblase die Kreditvergabe nahezu zum Stillstand gekommen. Das Land war über Jahre in einer Deflation gefangen.

Commerzbank, HRE, Siemens weit im Plus

Commerzbank, HRE und Siemens weit im Plus

Die Warnung Bernankes machte sich im Kursverlauf des Dax' nicht bemerkbar. So klettere die Commerzbank  um 3,63 Prozent auf 36,79 Euro. Das Land Berlin verkauft seine Landesbank an den Sparkassenverband DSGV, der Preis für den Landesanteil von 81 Prozent liegt bei 4,62 Milliarden Euro. Auch die Commerzbank hatte sich um die LBB bemüht. "Die Commerzbank muss nun zwar schauen, welche Optionen ihr bleiben. Allerdings ist ein Scheitern besser, als wenn sie zu einem überhöhten Preis zum Zug gekommen wäre", sagte ein Analyst.

Siemens  stiegen um 4,28 Prozent auf 107,18 Euro. Händlern zufolge hat die Einstellung des ehemaligen Finanzvorstands Heinz-Joachim Neubürger durch KKR zu Spekulationen geführt. Angeblich hat der US-Finanzinvestor ein Interesse an VDO, hieß es am Markt. Zudem hätten sich einige Anleger in der Mittagsauktion an diesem Hexensabbattag verspekuliert und müssten nun ihre Short-Positionen eindecken.

Mit "Hexensabbat" werden die Tage im Jahr bezeichnet, an denen die Laufzeit vieler Optionen und Optionsscheine endet. Überschreiten (oder, bei Put-Optionen: unterschreiten) Aktien an diesem Tag bestimmte Kurswerte, profitieren die Halter der Optionen - ansonsten droht Totalverlust.

Die Titel der Hypo Real Estate  (HRE) zählten mit plus 4,41 Prozent auf 50,43 Euro ebenfalls zu den stärksten Werten. Morgan Stanley  hatte das Kursziel von 54 auf 60 Euro erhöht und die Einschätzung "Overweight" bekräftigt.

Aktien der Allianz  gewannen 2,37 Prozent auf 173,03 Euro. Händlern zufolge gibt es am Markt Gerüchte über einen Verkauf der Tochter Dresdner Bank oder des Bereichs Investmentbanking an die Deutsche Bank  - deren Titel gewannen 1,68 Prozent auf 111,98 Euro. Marktteilnehmer waren sich allerdings nicht einig, ob eine solche Transaktion Sinn machen würde, die Allianz und die Deutsche Bank wollten die Spekulationen nicht kommentieren.

Im MDax  gehörten die Titel der Norddeutschen Affinerie zu den Tagesgewinnern. Die internationale Industriegruppe A-TEC Industries AG hat rund 10 Prozent an Norddeutsche Affinerie  gekauft. "Nun spielen sicherlich einige ein Übernahmeszenario", sagte ein Händler. Da aber die Marktkapitalisierung beider Unternehmen relativ gleich sei, dürfte eine Übernahme unwahrscheinlich sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters, vwd

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