Börsenrekorde Dax und Dow in Showlaune

Der Dax bleibt nur knapp unter der historischen Marke von 8000 Punkten und auch an der Wall Street gab es Grund zum Feiern: Der Dow Jones erreicht erstmals 13.668 Punkte. Positive Konjunkturdaten schubsten die Indizes nach oben. Nun streiten Experten darüber, ob an den Börsen nur ein Strohfeuer brennt.

Frankfurt am Main/New York - Unerwartet positive Konjunkturdaten haben den US-Aktienmärkten am Freitag Gewinne beschert. Die Zahlen gaben den Investoren Hoffnung auf eine Wirtschaftsbelebung und damit auch auf gute Geschäftsaussichten der Unternehmen.

Der Dow-Jones-Index  schloss auf einem Rekordstand. Bei einigen der größten Gewinner der jüngsten Zeit bremsten allerdings Gewinnmitnahmen die Kurse. Der Dow gewann 0,3 Prozent auf 13.668 Punkte, nachdem er sich im Handelsverlauf zwischen 13.624 und 13.692 bewegt hatte. Der Technologie-Index Nasdaq Composite  stieg 0,36 Prozent auf 2613 Punkte.

Die ungebrochene Kauflaune der Anleger hatte zuvor den Dax  erstmals seit März 2000 über die Marke von 8000 Punkten gehievt. Deutschlands wichtigster Börsenindex legte zwischenzeitlich 1,5 Prozent auf 8001,63 Punkte zu und notierte damit nur noch 1,7 Prozent unter dem am 7. März 2000 aufgestellten Rekord von 8136 Punkten. In diesem Jahr hat der Dax  rund 20 Prozent gewonnen und sich damit besser als der Dow Jones  entwickelt, der nur etwa halb so viel zugelegt hat.

US-Konjunktur nimmt Tempo auf

Im Wochenverlauf kletterte der Dow 1,19 Prozent, der Nasdaq 2,22 Prozent. Die vom Arbeitsministerium mitgeteilte Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft stieg im Mai überraschend deutlich um 157.000 im Vergleich zum Vormonat. Auch der Index der Einkaufsmanager kletterte stärker als von Analysten erwartet, ebenso der von Reuters  und der Universität Michigan ermittelte Index des Verbrauchervertrauens.

"Der Beschäftigungsbericht deutet darauf hin, dass die Konjunktur sich zwar abgeschwächt, den Tiefpunkt der Verlangsamung aber hinter sich gelassen hat", sagte Owen Fitzpatrick von Deutsche Bank Private Wealth Management. "Ich glaube allerdings, dass sich die Leute um eine überfällige Korrektur sorgen."

Zu den Profiteuren der optimistischen Stimmung gehörten die Papiere stark konjunkturabhängiger Unternehmen wie Honeywell International . Dessen Aktienkurs legte 1,54 Prozent auf 58,80 Dollar zu. Die Aktie des weltgrößten Einzelhandelskonzerns Wal-Mart  sprang um 3,93 Prozent auf 49,47 Dollar. Damit belohnte der Markt die Ankündigung des Konzerns, Kosten zu senken, den Ausbau seiner Großflächen-Supermärkte einzuschränken und eigene Aktien im Wert von 15 Milliarden Dollar zurückzukaufen. Auch die Konkurrenten Kroger und Safeway verbuchten daraufhin deutliche Kursgewinne.

Dow-Jones-Aktie gewinnt knapp 15 Prozent

Der Computerhersteller Dell  profitierte von einem unerwartet leicht geschrumpften Gewinn und Plänen, rund zehn Prozent seiner Stellen abzubauen. Der Kurs des Unternehmens gewann 1,45 Prozent auf 27,30 Dollar.

14,8 Prozent im Plus bei 61,20 Dollar schloss die Aktie des Dow-Jones-Konzerns. Grund war Händlern zufolge die Mitteilung, dass der Hauptanteilseigner des Mutterkonzerns des "Wall Street Journal" nun doch zu Gesprächen mit dem Medienmogul Rupert Murdoch über dessen fünf Milliarden schweres Übernahmeangebot bereit sei.

Unter Gewinnmitnahmen litt dagegen der Kurs des Flugzeugherstellers Boeing , der 0,76 Prozent auf 99,83 Dollar nachgab. Beim Computerbauer Apple  betrug das Minus 2,3 Prozent auf 118,40 Dollar.

Experten über den Dax-Sprint

Experten über den Dax-Sprint

In das Wochenende ging das größte deutsche Börsenbarometer, der Dax, mit einem Aufschlag von 1,33 Prozent auf 7987 Zähler. Der MDax  gewann 1,16 Prozent auf 11.182 Zähler und erreichte damit ebenfalls ein Rekordhoch. Der TecDax  hingegen litt unter Gewinnmitnahmen bei den schwer gewichteten Solarwerten und stieg daher nur leicht um 0,20 Prozent auf 925 Punkte.

"Alle wollen die 8000 sehen", hatte ein Händler bereits gegen Mittag die Stimmung am Markt auf den Punkt gebracht. Auch das Rekordhoch vom März 2000 bei 8136 Zählern sei nicht mehr fern.

Dennoch macht einigen Marktteilnehmer der rasante Anstieg zunehmend Kopfschmerzen. So habe der deutsche Aktienmarkt den Kursrutsch in China bereits nach einem Tag wieder verarbeitet, selbst schwache Konjunkturdaten oder ein steigender Ölpreis lösten kaum noch Aktienverkäufe aus. "Derzeit haben die Bullen Recht", sagte ein Händler. "Man muss das Gehirn ausschalten und einfach mitkaufen."

Dresdner Bank sieht Dax bei 8200 Punkten

Andere sehen erste Anzeichen einer Übertreibung. "Das erinnert mich stark an die Übertreibungsphase im Jahr 2000", sagte ein Händler in Anspielung an das Platzen der New-Economy-Blase vor sieben Jahren und der anschließenden Talfahrt am Aktienmarkt. Sollte die lang erwartete Korrekturphase am Aktienmarkt einsetzten, "dann kann es sehr schnell, sehr heftig nach unten gehen."

Andere Marktbeobachter hingegen sehen durchaus noch Luft nach oben für den Dax. "Wir sehen bis Jahresende noch einiges Potenzial und erwarten den Index Ende 2007 bei 8200 Punkten", sagt Aktienmarktstratege Peter Körndl von der Dresdner Bank. Christian Nolting, der bei der Deutschen Bank  das Portfoliomanagement in Europa verantwortet, liefert die Gründe: "Deutschland als Exportweltmeister profitiert von der Globalisierung." Die Dax- Unternehmen machten im Schnitt 60 Prozent ihres Geschäfts im Ausland und würden daher als attraktive Investments angesehen.

Dekabank: "Explosive Kombination von Kurstreibern"

Fondsmanager Trudbert Merkel von der Dekabank bekräftigt: "Es gibt derzeit eine explosive Kombination von Kurstreibern: Die Weltkonjunktur ist so stark wie seit 30 Jahren nicht und es gibt in Asien sowie Osteuropa eine Industrialisierungswelle, von der vor allem Deutschland profitiert." Waren "made in Germany" sind gefragt, Deutschlands Maschinenbauer erleben den kräftigsten Aufschwung seit Ende der 60er Jahre und peilen 2007 Jahr das höchste Produktionsplus seit 1989 an.

So gilt der nun seit Monaten anhaltende Börsenboom nach überwiegender Meinung auch wesentlich solider als der zur Zeit des Neuen Marktes Ende der 90er Jahre. Damals lockten die scheinbar grenzenlosen Perspektiven in der Informationstechnologie immer mehr Anleger, die auf schnellen Reichtum in der New Economy hofften.

Binnen weniger Wochen verdoppelten sich die Kurse. Die Euphorie trieb den Dax im März 2000 auf seinen bislang höchsten Stand: 8136,16 Punkte. Doch die Technologieblase platzte, es folgten enttäuschende Firmendaten, Bilanzskandale, die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und ein Einbruch der Weltwirtschaft. Der deutsche Leitindex verlor drei Viertel seines Wertes und sank bis März 2003 auf 2202 Punkte. Seitdem geht stetig bergauf.

T-Aktie profitiert von Spekulationen

T-Aktie zieht kräftig an

Aktien der Deutschen Telekom  stiegen am Freitag um 4,14 Prozent auf 14,35 Euro. Händler verwiesen auf Spekulationen um T-Mobile USA und einen möglichen Verkauf. "Angeblich sollen Telefonica  und AT&T  Interesse haben und jeweils bereit sein, 62 bis 68 Milliarden Euro zu bezahlen", meinte ein Händler. Allerdings hatte Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick am Dienstag erklärt, "ein Verkauf steht heute überhaupt nicht zur Diskussion".

Spekulationen um Oracle und SAP

Auch SAP  stiegen getrieben von Spekulationen kräftig nach oben und gewannen 2,28 Prozent auf 36,38 Euro. Börsianer verwiesen erneut auf Gerüchte, denen zufolge US-Konkurrent Oracle am deutschen Branchenprimus interessiert sein soll. "Angeblich soll Oracle  nun mehr als 12 Prozent an SAP halten - das erzählt man sich an der Börse", sagte ein Händler. Andere Börsianer hielten dies jedoch auch wegen der Meldepflichten für sehr unwahrscheinlich. Positiv sei allerdings die Charttechnik, nachdem das Papier eine Konsolidierungsphase nach oben beendet habe und über die jüngsten Zwischenhochs gestiegen sei.

Metro profitiert von guter Konsumstimmung

Zu den größten Gewinnern im Dax  zählten auch die Papiere des Einzelhandelsriesen Metro  mit einem Plus von 2,81 Prozent auf 61,80 Euro. Händler verwiesen auf die gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft und die Neigung der Verbraucher, mehr Geld auszugeben.

Stahlwerte gehörten ebenfalls zu den größten Gewinnern. Händler verwiesen auf positive Branchenvorgaben aus Japan, wo Stahltitel am Morgen sehr fest geschlossen hatten. ThyssenKrupp  verteuerten sich zwischenzeitlich um 2,35 Prozent auf 44,44 Euro, und der MDax-Titel Salzgitter  legte um rund 3,37 Prozent auf 147,25 zu.

Paion bricht um 70 Prozent ein

Im MDax  schlossen Hugo Boss Vz.  mit einem Plus von 1,29 Prozent auf 46,20 Euro, nachdem sie am Nachmittag zeitweise vom Handel ausgesetzt worden waren. Die Beteiligungsgesellschaft Permira unterbreitet nach dem Einstieg bei der Boss-Mutter Valentino nun auch ein Angebot an die Aktionäre des Metzinger Modekonzerns. Die von Permira kontrollierte Gesellschaft Red & Black beabsichtige, alle ausgegebenen Aktien von Hugo Boss zu erwerben, teilte der Investor mit.

Die Titel der Software AG , die bereits in den vorangegangenen Handelstagen kräftig gestiegen waren, legten um weitere 1,89 Prozent auf nun 72,20 Euro zu. Das Softwareunternehmen erhöhte wegen der Übernahme der US-Softwarefirma webMethods seine Ergebnis- und Umsatzprognose für 2007. Das Ziel für den Gewinn pro Aktie wurde von bisher 3,00 bis 3,20 auf 3,10 bis 3,25 Euro angehoben. Beim Umsatz stellt das Unternehmen jetzt einen Zuwachs von 30 bis 35 Prozent in Aussicht. Bisher hatte der Konzern lediglich 14 Prozent angepeilt. "Das ist mehr als am Markt erwartet wurde", sagte ein Händler.

Paion schockt die Märkte - Aktie bricht um 70 Prozent ein

Allerdings gab es am letzten Handelstag der Woche auch Enttäuschungen am Aktienmarkt. Mit massiven Verkäufen reagierten die Anleger auf den Rückschlag der Biotechfirma Paion mit ihrem Hoffnungsträger Desmoteplase. Die Aktien brachen in der Spitze um knapp 70 Prozent auf drei Euro ein. Paion hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass eine Zulassungsstudie mit dem Schlaganfallmittel nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert habe.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, reuters, vwd

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