Börse Asien China schockt

Kursverluste an der Wackelbörse in Shanghai drücken heute die Notierungen an den internationalen Aktienmärkten. Sowohl die wichtigsten Börsen Asiens als auch Europas verkraften den Kursrutsch in China nur zum Teil - und in Frankfurt geht es besonders deutlich bergab.

Frankfurt am Main - Deutschlands Anleger müssen heute Wertverluste ihrer Aktieninvestments hinnehmen. Der Frankfurter Leitindex Dax  steht mit 1,1 Prozent im Minus bei 7700 Zählern. Kaum anders ist das Bild bei den beiden anderen bedeutenden deutschen Aktienindizes:

Der MDax  der mittelgroßen börsennotierte Gesellschaften verliert 1,0 Prozent auf 10.892 Zähler und er Technologieindex TecDax  büßt 0,8 Prozent auf 894 Stellen ein.

Damit reiht sich die Börse in Frankfurt am Main in die Liste jener Aktienmärkte ein, die sich nicht vom Börsentrend in Asien lösen konnten. Der Hauptindex der Börse Schanghai, der SSE Composite, fiel Über Nacht zeitweise bis auf 4015 Punkte und schloss 6,5 Prozent im Minus bei 4053 Zähler. Am Dienstag hatte der Index noch auf einem Rekordhoch geschlossen - seit Jahresbeginn betrug der Kursanstieg dort 62 Prozent, im Jahr 2006 rund 130 Prozent.

Deshalb hat Chinas Regierung nun von einem Tag auf den anderen die Steuer auf Wertpapierkäufe verdreifacht. Die Staatsführung des Landes wollte so den überhitzten Aktienmarkt in Shanghai abkühlen. Mittlerweile gibt es 100 Millionen Aktiendepots, täglich kommen rund 300.000 neue dazu, schätzen Chinas Statistiker selbst

Hunderttausende Chinesen hatten darin in den einen Teil ihrer Ersparnisse in den Aktienmarkt gesteckt und so die Kurse dort immer weiter in die Höhe getrieben. So hoch, dass Börsenkenner vor einem möglichen kräftigen und baldigen Rückschlag warnten. Experten weltweit fürchteten für diesen Fall eine Schockwelle, die auch Börsen in anderen Staaten mit an sich soliden Aktienmärkten nach unten ziehen könnte.

Heute zumindest stehen neben der Frankfurter Börse auch die übrigen führenden europäischen Aktienmärkte in London, Paris und Zürich in den roten Zahlen sowie die asiatischen Börsen in Tokio, Hongkong, Singapur, Taiwan und darüber hinaus in Australien. Allerdings blieben die Folgen an den internationalen Finanzmärkten am Mittwoch relativ begrenzt: Viele Aktienmärkte verbuchten nur leichte Verluste. Ende Februar hatte ein Kursrutsch an der chinesischen Börse noch einen weltweiten Kurssturz ausgelöst.

China hustet, Frankfurt erschrickt

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Die Weltbank zeigte sich am Mittwoch zudem überzeugt, dass ein Börsencrash die boomende Wirtschaft des Landes kaum bremsen würde. Aktien machen noch immer nur einen sehr geringen Teil am Privatvermögen aus. Zudem haben Privatanleger den rasant wachsenden Wert ihrer Depots bislang kaum dazu genutzt, ihren Konsum kräftig zu steigern. Die Weltbank schraubte sogar ihre Wachstumsprognose deutlich herauf: Sie erwartet nun in diesem Jahr einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 10,4 Prozent.

An der Börse in Frankfurt am Main stemmen sich heute nur die Titel der Hypo Real Estate  erkennbar gegen den Abwärtstrend. Sie erklimmen mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 50,40 Euro den heutigen Spitzenplatz im Dax.

Die Aktien von MAN , Adidas , Henkel  und der Metro  rangieren in etwa auf Vortagsniveau, alle anderen 25 Dax-Werte stehen dagegen teils deutlich im Minus. Besonders deutlich ging es bisher für Besitzer von Siemens -, Volkswagen-  und Tui-Aktien  bergab, deren Kurse um jeweils rund 2 Prozent auf 96,50 Euro, 111,85 Euro sowie 20,30 Euro sanken.

Im SDax  verbilligen sich Air-Berlin-Aktien  besonders deutlich. Der Preis für die Anteilsscheine der Fluglinie sank bisher um 5,1 Prozent auf 17,45 Euro, während der SDax lediglich um 0,8 Prozent nachgab. Zuvor hatte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mitgeteilt, im ersten Quartal bei steigenden Durchschnittserlösen tiefer in die roten Zahlen gerutscht zu sein als in der entsprechenden Vorjahresperiode.

"Eine Korrektur war angesichts der deutlichen Kursgewinne seit Mitte März eigentlich überfällig", sagte Marktstratege Carsten Klude von MM Warburg. Auch Marktstratege Klude ist zuversichtlich: Ein Rutsch um 5 bis 8 Prozent würde das gesamte Szenario für den Dax nicht in Frage stellen, sagte der Volkswirt. Zunächst sei aber entscheidend, ob sich der chinesische Markt erhole.

Der Euro  pendelte am Vormittag um die Marke von 1,3440 Dollar. Am Montag hatte Bundesbank-Chef Axel Weber den Kurs der Gemeinschaftswährung kurzzeitig über die Marke von 1,35 Dollar katapultiert. Weber hatte gesagt, dass weitere Zinserhöhungen in der Euro-Zone aus seiner Sicht nötig sind. Folgen der Euro-Banker der Meinung des Bundesbankers, würden Geldanlagen in Euro für internationale Investoren tendenziell lukrativer. Die erwartete Nachfrage nach Euro löste daraufhin den Kursanstieg aus.

Der Ölpreis hat sich am Mittwochmorgen über der Marke von 63 US-Dollar eingependelt. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli kostete im frühen Handel 63,18 Dollar und damit drei Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Am Dienstag war der Ölpreis zeitweise unter die Marke von 63 Dollar gesunken.

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