Börsenschluss Kurseinbruch in China belastet Dax nur kurz

Hohe Kursverluste an der chinesischen Börse haben am Mittwoch den Anlegern am deutschen Aktienmarkt die Kauflaune nur zeitweise verdorben. Zu den Gewinnern im Dax zählten die Aktien von Eon und MAN.

Frankfurt am Main - Der Dax  fiel zwar in der Spitze um 1,3 Prozent auf 7675 Punkte, doch griffen die Anleger am Nachmittag schon wieder beherzt zu und hievten den Index damit wieder fast auf das Vortagesniveau. Der Deutsche Leitindex schloss den Handel am Mittwoch schließlich mit einem kleinen Minus von 0,21 Prozent bei 7764 Zählern.

Der MDax  der mittelgroßen Werte sank um 0,82 Prozent auf 10.870,16 Zähler. Der TecDax  hingegen gewann 0,22 Prozent auf 903 Punkte. "Jede Schwäche wird gleich wieder zum Kauf genutzt", begründete ein Händler das Comeback des Dax  im späten Handel. In New York reagierten die Anleger ähnlich gelassen. Auslöser der Kursverluste war der Einbruch der Börse in Schanghai nach einer Erhöhung der Steuer für Aktiengeschäfte. Damit will die Regierung in Peking die seit Monaten überschäumende Börseneuphorie in China eindämmen.

Spekulationen um Eon

Gegen den Trend behaupteten sich einige Aktien, darunter vor allem Dax-Schwergewicht Eon  mit einem Plus von rund 1,60 Prozent auf 117,35 Euro. "Da gibt es eine Aufsichtsratssitzung, und die Leute reimen sich da einiges zusammen", sagte ein Händler. "Einige setzten auf eine Sonderausschüttung und andere auf einem Aktienrückkauf." Nach Handelsschluss teilte der Energiekonzern mit, dass er bis Ende 2008 eigene Aktien im Wert von sieben Milliarden Euro zurückkaufen will. Die Aktie des Energiekonzerns baute nach Xetra-Schluss ihren Kursgewinn auf rund 2,60 Prozent aus.

Die Anteilsscheine von MAN legten 1,52 Prozent auf 105,58 Euro zu, nachdem die Analysten von UBS ihre Kaufempfehlung für die Aktien des Lkw- und Maschinenbauers bekräftigt hatten.

Autowerte leiden unter Verkaufsdruck

Eines der Schlusslichter im Dax  bildeten die Aktien von BMW  mit einem Abschlag von 1,42 Prozent auf 49,88 Euro. Zuvor hatte Ford  einen Pressebericht dementiert, wonach der US-Autobauer mit BMW über den Verkauf seiner schwedischen Pkw-Tochter Volvo  verhandelt. Der Bericht hatte der BMW-Aktie am Vortag noch zu Kursgewinnen verholfen. Gewinnmitnahmen drückten auch Vortagesfavorit Volkswagen  um rund 1,40 Prozent ins Minus. Die Aktien von Altana  verloren rund 2,70 Prozent auf 18,29 Euro, ohne dass Händler unternehmensspezifische Gründe nennen konnten. Altana muss Mitte Juni ihren Platz im deutschen Leitindex mit der Darmstädter Merck inzwischen sicher tauschen.

Tui  büßten 2,41 Prozent auf 20,22 Euro ein. Der Reise- und Schifffahrtskonzern hat seine Wandelanleihe einschließlich Mehrzuteilungsoption platziert, so dass sich das Emissionsvolumen der unbesicherten, nicht nachrangigen Anleihe auf 694 Millionen Euro erhöht. Ursprünglich wollte Tui Anleihen im Volumen von lediglich 550 Millionen Euro ausgeben, hat den Betrag aufgrund der starken Nachfrage jedoch um 82,5 Millionen Euro aufgestockt. Daneben belasteten laut Börsianern das Ausscheiden der Aktie aus den MSCI Euro- und Pan-Euro-Indizes sowie Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktie zuletzt wegen Übernahmefantasien gut gelaufen seien.

Gerüchte um Solarworld treiben Aktie

Gerüchte um Solarworld, Freenet vom Handel ausgesetzt

Gerüchte, wonach der spanische Bau- und Dienstleistungskonzern Acciona  Interesse an einer Übernahme von Solarworld  hat, katapultierten die Aktien der Bonner Solartechnikfirma zeitweise um bis zu 7,6 Prozent in die Höhe. Nachdem Solarworld-Chef Frank Asbeck erklärte, Acciona sei nicht an sein Unternehmen herangetreten, gaben die Titel einen Großteil der Gewinne wieder ab, gingen aber immer noch mit einem Plus von 3 Prozent als einer der größten Gewinner im TecDax  aus dem Handel.

Die Aktien von Freenet  wurden zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt. Auf Xetra hatten die Aktien kurz zuvor mit 23,92 Euro 0,5 Prozent im Plus notiert. Das Unternehmen kündigte nach der Aufsichtsratssitzung eine Dividende von sechs Euro je Aktie an. Zudem machte sich Hedge-Fonds-Manager und Frenet-Aktionär Florian Homm in einem Reuters-Interview für eine Aufspaltung des Konzerns stark. Nach Wiederaufnahme des Handels lagen die Titel am Abend im Parketthandel bei 24,15 Euro.

Ein Analystenkommentar der Deutschen Bank verhalf im MDax  den Aktien des Arzneimittelherstellers Stada  zu einem Plus von rund 1,50 Prozent auf 46,90 Euro. Im SDax  zogen die Aktien von Deutschlands größtem Saatguthersteller KWS nach Bilanzdaten mit einem Plus von 5 Prozent an die Spitze des Index. Die Aktien des MDax-Kandidaten Air Berlin  verloren nach Bekanntgabe der Quartalszahlen 4,76 Prozent auf 17,40 Euro. Analysten beurteilten die Ergebnisse als enttäuschend.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Umlaufrendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 4,41 (Dienstag: 4,42) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,04 Prozent auf 114,46 Punkte. Für den Bund Future legte dagegen leicht um 0,02 Prozent auf 112,22 Punkte zu. Der Kurs des Euro fiel: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3420 (Dienstag: 1,3509) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7452 (0,7402) Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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