Börsenschluss Anleger streichen Kursgewinne ein

Ob nun bei DaimlerChrysler, Siemens oder RWE - Anleger haben am Montag jüngste Aktienkursgewinne eingestrichen. Der Dax ging mit Verlusten aus dem Handel. In der zweiten Reihe waren die Titel von Bilfinger Berger und Hochtief gefragt.

Frankfurt am Main - Der Dax  hat am Montag mit Verlusten geschlossen. Der deutsche Leitindex sank um 0,26 Prozent auf 7459 Zähler. Der MDax  verzeichnete hingegen ein leichtes Plus von 0,08 Prozent auf 10.783 Punkte. Für das Technologiewerte-Barometer TecDax  ging es um 0,10 Prozent auf 858 Zähler nach oben.

"Die Anleger halten sich vor den am Dienstag anstehenden US-Verbraucherpreisen zurück", sagte Händler Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel. Zudem sorge der Markt sich darum, dass mit der auslaufenden Berichtssaison die Impulse von den Unternehmenszahlen weniger würden. Allerdings rechne niemand mit einem deutlichen Kursrückgang.

Gesprächsthema auf dem Börsenparkett war DaimlerChrysler . Der Autokonzern verkauft 80 Prozent seiner US-Tochter Chrysler für 5,5 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Cerberus. Damit lässt sich der Stuttgarter Traditionskonzern neun Jahre nach der "Hochzeit im Himmel" wieder scheiden. Allerdings fließt der Löwenanteil des Verkaufserlöses auf das Konto von Chrysler. "Der Verkauf von Chrysler ist zu jedem Preis eine gute Sache", sagte ein Analyst.

Die Aktie von DaimlerChrysler  schloss 1,80 Prozent auf 61,70 Euro fester und war damit stärkster Wert im Dax. Im Handelsverlauf hatten die Titel bis zu 7 Prozent auf 65,34 Euro gewonnen und notierten damit so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Im weiteren Handelsverlauf setzten dann Gewinnmitnahmen ein. Seit DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche Mitte Februar einen Verkauf der defizitären US-Tochter nicht mehr ausgeschlossen hat, kletterte die Aktie um mehr als 20 Prozent.

Auch Siemens-Aktie kann Gewinne nicht halten

Die Titel von Siemens  konnten ihre Gewinne ebenfalls nicht halten und schlossen 0,30 Prozent tiefer bei 86,86 Euro. Zwischenzeitlich hatten die Titel bei 88,37 Euro gestanden. Im ersten deutschen Prozess zu den Korruptionsaffären bei dem Technologiekonzern verurteilte das Landgericht Darmstadt zwei frühere Manager zu Bewährungsstrafen. Siemens selbst soll als Ausgleich für die durch Bestechung erlangten Vorteile 38 Millionen Euro an die Staatskasse zahlen. Die Wirtschaftskammer blieb damit deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die Aktie der Deutschen Börse  verlor optisch 0,88 Prozent auf 167,05 Euro - da das Papier ex Dividende von 3,40 Euro gehandelt wird, legte es aber faktisch zu. Einem Pressebericht zufolge wächst der Widerstand von Aktionären gegen die Übernahme der US-Optionsbörse ISE.

Postbank-Zahlen enttäuschen die Anleger

Am Index-Ende verloren die Titel der Deutschen Postbank  nach überraschend schwachen Zahlen 1,66 Prozent auf 66,99 Euro. "Die Ergebnisse sind neben der Depfa Bank  die erste negative Überraschung im Bankensektor", sagte ein Börsianer. Die WestLB nannte die Geschäftsentwicklung "enttäuschend" und stufte die Postbank-Aktie auf "Reduce" von "Hold" zurück.

Zu den Verlierern zählten auch die Titel von RWE  mit einem Abschlag von 0,85 Prozent. "Bei RWE entweicht die heiße Luft von Freitag", sagte ein Händler. Spekulationen auf eine Übernahme durch den französischen Energieriesen EdF hatten die Aktie des Essener Versorgers zum Wochenschluss um gut 6 Prozent steigen lassen. Die Finanzaufsicht BaFin will den Fall nun überprüfen.

Bilfinger Berger kann überzeugen

Im MDax  sorgten ebenfalls Unternehmensbilanzen für Bewegung. Das Papier von Bilfinger Berger  stieg um 1,53 Prozent auf 71,78 Euro. Nach der ersten Einschätzung eines Händlers sind die Zahlen stark ausgefallen. Auch Analysten bewerteten die Zahlen positiv, merkten aber kritisch an, der Ausblick sei "sehr vage".

Die Papiere von Hochtief  gewannen 2,33 Prozent auf 78,65 Euro. Die australische Tochter Leighton hat wegen des anhaltenden Baubooms und der starken Nachfrage nach Rohstoffen den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben.

Hugo Boss profitiert von Spekulationen

Hugo Boss  stiegen wegen Übernahmefantasien um 1,84 Prozent auf 45,32 Euro. An der Mailänder Börse wurden Aktien des Großaktionärs Valentino am Vormittag von Handel ausgesetzt. Der italienische Modekonzern steht offenbar vor einer Übernahme durch Finanzinvestoren. "Das schürt natürlich auch Fantasie für Hugo Boss", sagte ein Börsianer.

Im TecDax  führten Titel von Freenet  mit einem Minus von 3,70 auf 23,42 Euro die Verliererliste an. Investoren kritisierten nach Ansicht eines Analysten den um Sondereffekte bereinigten Gewinn nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen, der niedriger als vorhergesagt ausgefallen war. Dem Experten zufolge fürchten die Marktteilnehmer, dass sich die Kosten für die Neukundengewinnung früher oder später in der Gewinn- und Verlustrechnung niederschlagen dürften.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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