Märkte Dunkle Wolken über dem Dax

Der Dax ist am Donnerstag nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank weiter ins Minus gerutscht. Das lag vor allem an den Schwergewichten Eon und RWE. Gegen den Trend deutlich zulegen konnte das Papier der Hypo Real Estate.

Frankfurt/Main - Die deutschen Aktienindizes sind am Donnerstag kurz vor Börsenschluss kräftig auf Talfahrt gegangen. Der Dax  fiel innerhalb von 30 Minuten um insgesamt rund 80 Punkte und ging schließlich mit minus 0,81 Prozent auf 7415,33 Zählern aus dem Handel.

MDax  und TecDax  drehten ebenfalls kräftig in die Verlustzone: Der Index der mittelgroßen Werte büßte 0,39 Prozent auf 10.714,46 Zähler ein. Der Technologie-Index sank um 0,51 Prozent auf 860,23 Zähler

Vor allem die Index-Schwergewichte Eon  und RWE  belasteten den Dax.

Nur sechs Dax-Aktien stemmten sich gegen den Abwärtstrend und verzeichneten Kursgewinne. Kurz vor Handelsschluss verstärkte sich der Abgabedruck auf den Aktienmarkt. Die US-Börsen bauten ihre Verluste ebenfalls aus, begründeten Händler das Minus.

"Es ist alles ein bisschen eingeschlafen. Der Dax pendelt hin und her. Es geht mal pünktchenweise hoch und dann wieder pünktchenweise runter", sagte ein Händler. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), wie erwartet den Leitzins bei 3,75 Prozent zu belassen, wirkte sich zunächst kaum auf die Kurse aus. EZB-Präsident Trichet deutete aber - ebenfalls wie prognostiziert - eine Zinserhöhung für Anfang Juni an.

Einen überraschend hohen Quartalsgewinn bei der Hypo Real Estate  honorierten die Anleger mit Aktienkäufen. Die Titel des Immobilienfinanzierers führten mit einem Plus von knapp sieben Prozent die Dax-Gewinnerliste an. "Es hat Zweifel gegeben, ob sie ihre Ziele erreichen würden, und diese Zweifel sind heute ausgeräumt worden", sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Equities.

Ein Plus von zeitweise 1,6 Prozent verzeichneten die Aktien der Deutschen Börse. Der Hedge-Fonds Atticus wolle zusammen mit der Nyse Euronext 200 Euro je Aktie für die Deutsche Börse bieten, sagten Börsianer. Die Börse-Aktien konnten die Kursgewinne nicht halten und schlossen 0,7 Prozent im Minus.

Gerüchte stören den Kursverlauf

Gerüchte stören den Kursverlauf

Auf die Kursverluste bei den Aktien der Index-Schwergewichte RWE und Eon befragt, verwiesen Händler auf Gerüchte über ein Interesse der Düsseldorfer am spanischen Versorger Union Fenosa . Der Konzern wollte dies nicht kommentieren. Das Minus von 1,7 Prozent bei RWE-Aktien erklärten Analysten mit Gewinnmitnahmen.

Die Titel von BMW  profitierten von einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs  und stiegen um 3,2 Prozent.

Altana-Aktien  erholten sich von ihren Vortagesverlusten und kletterten um ebenfalls 3,2 Prozent.

Wenig nachhaltig wirkten sich die Geschäftszahlen der Deutschen Telekom auf den Kurs der T-Aktie aus. Im ersten Quartal hat der Konzern wegen anhaltender Probleme im Inland einen Rückgang des operativen Gewinns verzeichnet. Anleger reagierten zunächst erleichtert, da sie Schlimmeres befürchtet hatten. Im Verlauf bröckelte das Plus allerdings ab, die Papiere schlossen unverändert bei 12,65 Euro. Auch der bevorstehende Streik schlug sich im Kurs der T-Aktien kaum nieder. Am Freitag soll der erste Streik in der Telekom- Geschichte beginnen.

Weit oben in der Gunst der Anleger standen im MDax die Aktien der Norddeutschen Affinerie, die am Tag nach Vorlage der Quartalszahlen um knapp drei Prozent kletterten.

"Die Zahlen waren sehr gut, das wirkt wohl nach", sagte ein Händler. Bei Deutz quittierten die Anleger das Verfehlen der Analystenprognosen mit Verkäufen der Aktien. Die Titel büßten 4,3 Prozent ein.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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